Das Wortkarussell
 

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 Wolfgang Stoesser



Ein schöner Ort



Zufallsspruch:
Der Abend mag klug machen, was den vergangenen Tag betrifft, niemals aber im Hinblick auf den nächsten.

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Lyrikecke - Lyrik-Linkliste


Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Geschichten

Der Pressetermin


Der Pressetermin

Lizzy, die ewig beflissene Labormaus, so nannte Robert sie,war heute besonders aufgeregt.
Seit nunmehr fünf Jahren war dieser nörgelnde große Mann im Rollstuhl, der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben.
Ein Pressetermin war für den heutigen Tag angesagt und es sollte alles perfekt sein.
Prüfend sah sie sich im Zimmer um.
Ja, die goldenen Pokale funkelten so, wie es sein sollte.
Der von ihr ausgesuchte Platz war perfekt. Gewiss würden sie den Reportern sofort auffallen.
Alles schien perfekt, jedenfalls war Lizzy davon überzeugt.
Robert indessen saß stumm in seinem verhassten Gefährt, welches vor einem Tisch, mit Zeitschriften und Frischobstteller bestückt, geparkt war.
Wie gerne hätten seine Hände, zu Fäusten geballt, einmal auf die Tischplatte geschlagen.
Sein Mund einmal losgebrüllt, wie sehr er ihm verhasst war, dieser ganze Rummel.
Heute jedoch hatte er eingeladen.
Heute sollte es die ganze Welt erfahren!
Heute wollte er diesem Spuk ein Ende machen!
Seit er denken konnte, wurde er von der Presse begleitet.
Robert das Wunderkind war allen Medien ein Begriff. Er brachte die Mediziner zum Staunen,
als er mit 5 Monaten stolperfrei die ersten Schritte alleine machte.
Schnelligkeit schien sein Leben zu bestimmen. Auch wollte das Wachsen seines Körpers, sich nicht an vorgegebene Zeiten zu halten. Der Pfarrer meinte, Roberts Eltern seien gesegnet mit solch einem Multitalent. Nun ja, sie waren sehr fromm gewesen. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie Großeltern, Onkels und Tanten rätselten, woher er diese ganzen Veranlagungen habe.
Keiner in seiner Schule konnte schneller laufen als er.
Keiner konnte im Basketballverein höher springen und somit die Körbe besser treffen.
Keiner war mit der Schule schneller fertig als er.
Schneller, höher, weiter, diese Gaben schienen ihm in die Wiege gelegt zu sein.

Vater und Mutter waren kleine, untersetzte, ja fast dicke Menschen gewesen. Als Beamter war Vater niemals an Sport interessiert gewesen.
Dafür hatte er, Robert, viele Pokale gewonnen. Er war der Stolz seiner Eltern, seiner Schule und später eines ganzen Landes.
Dann kam er, jener verhängnisvolle Tag.
Früher als erwartet war Robert nach Hause gekommen.
Seine Eltern waren noch nicht von der Urlaubsreise zurück und Robert leerte den Briefkasten.
Ein brauner dicker Briefumschlag weckte sein Interesse.
Als Absender war ein Forschungslabor aus den USA benannt.
Neugierig öffnete er den Umschlag und fand einen dicken Fragebogen.
Wie schnell eine heile Welt in Scherben gehen kann, erinnerte sich Robert.
Gerne hätte er sein Geheimnis hinausgeschrien in die ganze Welt.
Jene bestraft, die ihm das angetan hatten. Seine Eltern hatten nie erfahren, dass er die Wahrheit kannte.
Nein, das brachte der große Mann nicht übers Herz.
Er fühlte sich betrogen. Glaubte zu wissen, dass er die ganzen Jahre in einer Scheinwelt gelebt hatte.
Nicht einmal der Versuch diesem aufgezwungenen Leben ein Ende zu machen war ihm gelungen. Statt einen richtigen Abgang hinzulegen, saß er nun gelähmt in diesem verhassten Stuhl.
Er hatte es nicht richtig in Angriff genommen war seine traurige Schlussfolgerung.
Zu viele Emotionen machten ihm viele Dinge unmöglich.
Die einzige kleine Schwachstelle, die man bei seiner Zeugung, nicht bedacht hatte,
wurde ihm somit zum Verhängnis.
Heute war sein Tag gekommen. Heute sollten es alle erfahren, um daraus zu lernen.
Die Mischung im Reagenzglas 937 war nicht ausgewogen, war ein Kunstfehler.

Menschen mit den Eigenschaften, höher, schneller, weiter, sollte man mit weniger Herz züchten …

Urheberrecht Celine Rosenkind


Nickname 09.07.2009, 13.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Später


Später

Er war wie immer in jedem Jahr unweigerlich gekommen.
Einzig, eine vergilbte Urkunde bescheinigte, dass sie vor 65 Jahren, in dieser Welt gelandet war.
Niemand hatte sie  je gefragt noch war sie erwünscht!
Mutter nannte sie immer ein Kuckucksei …
Von  klein  auf, hatte sich das unerwünschte Menschenkind, selbst Trost zugesprochen.
Es schien fast so, als habe SIE sich aus diesem Wort  „Später“  eine Liane gebastelt, um sich von Ast zu Ast, ihrer Lebensabschnitte zu schwingen.
Ihr Blick streifte prüfend den von ihr liebevoll gedeckten Kaffeetisch.
„Sie hätten doch längst hier sein müssen;“ meldete sich traurig  das Unterbewusstsein.
Blitzschnell meldete sich die Hoffnung, um ihr zu versichern, dass es bestimmt später würden werde.
Da war er wieder, der Rettungsanker ihrer Seele.  "Später," tröstete sie  sich!
Später, ja sicher, später würden bestimmt einige Gäste vorbeikommen.

SIE setzte sich in ihren alten Ledersessel, sah versonnen in das Licht ihrer Geburtstagskerze,
als sie auf ihrem Sofa eine kleine Gestalt bemerkte.
Ein kleines zierliches Wesen, hatte dort unbemerkt Platz genommen, und schaute SIE mit traurigen Augen an.

SIE rückte ihre Brille zurecht, um den seltsamen Gast genauer zu betrachten.

Ein zerfetztes Kleid, bedeckte einen zusammengekauerten, geschundenen Körper.
Offene Wunden, blaue Flecken und zerbeulte Knochen, boten keinen schönen Anblick.

„Wer bist Du,“ fragte SIE erstaunt.
„Ich bin Dein Leben;“ erwiderte eine schwache Stimme. „Heute möchte ich Dir einmal zeigen,“ wie es mir geht. Haben wir heute nicht Geburtstag?“

„Du willst mein Leben sein?“ erwiderte SIE aufgewühlt.
„Schau Dich doch einmal an. Zerbeult bist Du, klein und armselig.
Übersät mit Wunden und blauen Flecken! Nein, das kann nicht sein.
Auch bist Du ohne Kraft und Power!
Du wirst Dich wohl in der Tür geirrt haben!“

Das kleine verkrümmte  Etwas öffnete ganz weit seine blauen Augen.
Magisch wurde SIE von diesem Blick angezogen und tauchte  ein,
in das, was sie Leben genannt.
Alles huschte an Ihr vorbei.
Ihre Kindheit mit den Schlägen der Mutter.
Ihre Ehe mit all jener Gewalt und Brutalität, die sie jahrzehntelang ertragen hatte.
Die Freude, welche ihr durch die Geburt der Kinder wiederfahren.
Die Trauer  als sie das Haus verließen!
Die Entbehrungen, welche sie mit dem Wort „Später“ verdrängt.
Der erlebte Missbrauch welchen SIE überlebt.
Sogar die Tränen, die sie nicht mehr weinen konnte, fand sie wieder.

Als sie wieder zu sich kam, war der merkwürdige Gast verschwunden.
Draußen begann es bereits dunkel zu werden und die Geburtstagskerze war längst erloschen.
Die alte Wanduhr schlug zur Abendstunde.

Mühsam erhob sie sich aus dem alten Sessel, um ein kleines Kästchen aus der Kommode zu holen. Verstummt waren die tröstenden Worte welche sie gehegt und gepflegt.
Sie goss sich einen Brandy ein, streichelte die kleine Kapsel, welche sie sich vor Monaten besorgt hatte, und schluckte Beides hinunter.
Später, war ihr letzter Gedanke, später  ist noch früh genug.
Vielleicht würde man sie ja dann vermissen...  später… wenn es zu spät war…

Urheberrecht Celine Rosenkind




Nickname 09.07.2009, 13.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Glückmomente sammle ich

lebe gut von ihren Zinsen
beutelt dann das Böse mich
reichen diese um zu grinsen 

© Celine Rosenkind








Ganz privat erlebt man mich :





Gefühle muss man sorgsam hegen

mit Liebe wie mit Ehrlichkeit
es ist ein gar aufwendiges Pflegen
doch sicher ist´s es lohnt die Zeit

©Celine Rosenkind






Ist der Himmel grau
und trübe

glaub mir nur
die Sonne scheint

vom Strahlen ist sie
manchmal müde

wie auch ein Mensch
der einmal weint

© Celine Rosenkind


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