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Von Sparkassen und Lebensbanken

Haben Sie schon einmal eine ganze Stunde, vor einem Bankinstitut, wartend im Auto verbracht?
Da kann man wirklich Etwas erleben,  wenn man wie ich, neugierig die Menschen beobachtet.

Es war an einem unser wunderschönen Ausflugstage. Man traf sich mit der Familie um ein altes Sparbuch aufzulösen. Ich wollte nicht stören und blieb im Auto sitzen.

Anfangs schaute ich fasziniert den Bäumen zu, durch die der Sturm fegte.
Ich überlegte, aber das gehört hier nicht hin.

Es war langweilig. Draußen war es stürmisch, und die Sonne hatte sich hinter dunklen Wolken versteckt.

Ich begann, dem regen Treiben der Menschen, zuzuschauen. Irgendwann bemerkte ich neben mir im Nachbarauto einen Mann, der sich verzweifelt die Haare raufte, nachdem er seinen Kontoauszug gelesen hatte.
Er parkte  genau neben meinem Autofenster, und er fiel mir auf, weil er beschwingt und fröhlich gewesen, vor wenigen Minuten auf den Eingang zugesteuert war.
Nun saß er wie ein Häufchen Elend in seinem Wagen. Was mochte wohl passiert sein?
Es gab  nur einen möglichen Grund – sein Konto wird leergewesen sein.
Nun war die Langeweile verflogen denn ich hatte eine Lieblingsbeschäftigung wieder aufleben lassen. Ich hatte zwar kein Buch mit, las dafür aber in den Gesichtern der Menschen.

Es ist schon interessant,  in welcher Körpersprache, Menschen in eine  Sparkasse streben.

Der eine strotz vor Selbstbewusstsein und macht so richtig einen auf „dicke Hose.“
Andere wiederum schauen ein wenig ängstlich, ich sage mal, sie schleichen zum Geldautomaten. Dann gibt es da noch die ganz Geschäftigen, mit dem Gesichtsausdruck; „Ich bin wichtig," oder z.B., "Alles reine Routine.“

Ich habe sie also beobachtet, diese Kontobesitzer. Ich sah sie hineingehen aber auch wieder herauskommen. Und der Unterschied  war manchmal verblüffend und zum Teil auch sehr traurig.

Ich  las  Fassungslosigkeit, Freude, Ratlosigkeit, Schmerz und Überheblichkeit.

Wie viele Schicksale hängen von ein paar Euros ab und was macht ein Mensch, der gar nichts mehr hat?

Ich habe nachgedacht, wie oft auch ich, in solchen Situationen gewesen bin. Alles was ich an diesem Nachmittag erlebt – in einer einzigen Stunde, hatte ich auch schon durchlebt, erlebt und überlebt.

Hast Du schon einmal über den Kontostand Deiner Lebensbank nachgedacht?

Nein, ich will hier niemanden veräppeln oder so.

Eine Lebensbank zu haben, ist sehr wichtig.
Hier zahle ich meine gelebten Glücksmomente, meine überlebte Traurigkeit mit Gebrauchsanweisung, meine Enttäuschungen, Erfahrungen aber auch meine Erfolgserlebnisse, seit ich denken kann, treu und brav ein.
 Ich habe nun schon fast 60 Jahre eingezahlt. Immer wenn ein Tief  meinen Lebenshimmel verdunkelt hat, konnte ich von meiner Lebensbank abheben, was ich brauchte.
Ein bisschen Glück für traurige Stunden, um wieder auf die Beine zu kommen. In traurigen Zeiten konnte ich gut meine Gebrauchsanweisungen lesen, und fand eine Lösung, wieder herauszukommen. Ich zehre also, von den Zinsen, meiner Erlebnisse und Erfahrungen.
Gelebte, durchlebte und überlebte Freude, Trauer und Schmerz, alles kann ich wirklich verwenden und gebrauchen. So mache ich es bis zum heutigen Tage.
Ich glaube, dass viele Menschen eine Lebensbank haben, und wer noch keine hat, der sollte schnellstens ein Konto eröffnen.

Erlebnisse und gefühlte Momente sollte man niemals wegwerfen.
Nichts in unserem Leben geschieht ohne Grund, und was man momentan nicht gebrauchen kann,
sollte man zur Seite legen, für spätere Tage.

Aber nun noch einmal zurück, zu dieser Stunde, vor der kleinen Sparkasse.
Es war ein Erlebnis, dass  ich nicht missen möchte.
 Ich habe seit jenem Nachmittag sehr viel nachgedacht, und mir sind Dinge eingefallen, die ich längst vergessen glaubte.

Vielleicht konnte ich ja meine Leser zum Nachdenken anregen. Ich bin mir einfach sicher, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken.

© Celine Rosenkind

Nickname 09.07.2009, 13.32

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