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Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Bahnhofstraße 41
Geschichten aus der Bahnhofstraße

Das sind die einzigsten Bilder die ich von meiner Kindheit habe......
Mein Stückchen Erinnerung in Form von Bildern, den Rest trage ich im Herzen, in der Seele und ......
Willkommen lieber Leser
in meinen Kindheitserinnerungen!
In einem kleinen Dörfchen im Taunus erlebte ich wenn auch mit kleinen Unterbrechungen meine Kindheit.
Damals war Anspach im Taunus noch eine kleine Gemeinde.
Sie bestand überwiegend aus Bauernhöfen auf denen die Feldarbeit und die Nutztiere im Vordergrund standen.
Es gab einen kleinen Konsum, eine Apotheke, einen kleinen Friseur sowie
einen Laden, wo man sich hin und wieder Kleidung kaufen konnte.
Schließlich fuhr der Bahnbus zur Kreisstadt nur zweimal am Tag.
Das größte Gebäude in unserem Dorf war unsere Kirche und das Gemütlichste, unser kleines Backhäuschen.
Dort kamen wir Dorfkinder einmal wöchentlich zusammen, beladen mit unseren Blechen, um das Brot backen zu lassen. Das war nämlich damals unsere Arbeit, der Beitrag von uns Kindern. Wir mussten in Haus und Hof altersgemäß unseren Beitrag leisten.
Es war eine sehr schwere, lehrreiche und schöne Kindheit, aus der ich einige kleine Geschichten erzählen möchte.
Geschichten von damals. Zeiten, in denen mich Großmutter liebevoll das kleine Kieselsteinchen nannte.
Wer mag, kann mich gerne auf meiner Reise in die Vergangenheit begleiten. Auch wenn vieles nicht immer leicht war, wie sagt man?
"Aber schön war es doch!"
Unser Dorf
Unser kleines Dorf hieß damals noch Anspach und hatte ca. 3000 Einwohner.
Ich weiß nicht, ob das zu meiner Kindheit wirklich so viele Menschen waren.
Das kann ich mir gar nicht vorstellen, denn ich glaube, fest, dass ich alle im Ort gekannt habe.
Damals gab es noch keinen einzigsten Traktor. Könnt ihr euch so etwas vorstellen?
Die schweren hölzernen Leiterwagen wurden von Ochsengespannen durch den Ort, auf die Felder gezogen. Damals konnte man auf der Bahnhofstraße, welche auch die Hauptstraße war, noch richtig spielen.
Wenn da einmal ein Auto kam, tuckerte es gemütlich die Straße entlang.
Zeit genug, um zur Seite zu treten, nicht in Panik zu geraten, um zu rennen.
Den Ort, den wir als Kinder nicht oft genug aufsuchen konnten, war das kleine Cafe Merkel.
Ich denke, wir konnten ziemlich hartnäckig betteln, um einen Groschen zu bekommen.
Dort gab es das leckerste Eis der Welt, jedenfalls für uns Kinder.
Nicht immer hatten wir alle Glück, einen Groschen zu ergattern und doch rannten wir gemeinsam los. Wir hofften, dass Onkel oder Tante Merkel gut gelaunt waren, denn dann gab es mit oder ohne Groschen, Eis für alle.
Wir im Dorf waren alle eine große Familie. Wenn wieder mal „der Klapperstorch“ ein Baby bringen sollte, kam unsere alte Hebamme oder die Gemeindeschwester Elisabeth auf dem Fahrrad.
Die Frauen versammelten sich meist vor der Hoftür, um ja nicht, den ersten Schrei zu verpassen.
Trauer kam auf, wenn die schwarze Kutsche mit den weißen Gardinen, gezogen von zwei
rabenschwarzen Pferden, die Bahnhofstraße heraufkam. Jeder, der nicht auf dem Feld beschäftigt war, gab dem Verstorbenen die Ehre. Man ließ es sich nicht nehmen, ihn bis zur Leichenhalle zu begleiten.
Auch wurden natürlich Hochzeit gefeiert. Das Brautpaar musste einmal durch das ganze Dorf laufen, um die wartenden Gäste einzusammeln. Das war vielleicht ein langer Zug, der dann in unserer Kirche ankam.
Egal was geschah, man freute, lachte und weinte miteinander. Man tauschte Eier gegen Wurst
oder Obst gegen Kartoffeln. Niemand musste Angst haben, alleine zu sein. Jeder trug ein Stück Verantwortung.
Während ich das heute schreibe, stehen Tränen in meinen Augen.
Wir hatten sie, diese Vorbilder, die man als Kind so nötig braucht, um erwachsen zu werden.
Damals kam es mir so vor, als würde das Dorf mit mir zusammen, immer ein Stückchen wachsen. So war es auch. Nur immer hübsch der Reihe nach.
Vieles würde sonst an schönen Geschichten verloren gehen ..
Das große Haus
Mir kam das Haus zu jener Zeit und auch später wunderschön vor.
Ich liebte es, und genoss die Tage, die ich dort verbringen durfte.
Es war diese Ausstrahlung, diese Wirkung, welches es als Kind auf mich hatte.
Groß, mächtig, stark und stolz. So eine Art Trutzburg inmitten von Scheunen, Stallungen und drei wunderschönen Gärten. Vor unserem Haus, genau neben der Regentonne, stand ein riesiger, alter Walnussbaum. Um diesen herum, hatte Großvater eine Bank gezimmert, zusammen mit einem knorrigen Holztisch. Er war nach der Feldarbeit ein Treffpunkt für
Familie und Nachbarn. Hier wurde so manches Lied gesungen, so mancher selbst gebrannte
Pflaumenschnaps gekippt. Pfeifenrauch in die Landluft gepustet, während man am Sonnenuntergang, das Wetter für den nächsten Tag ablas.
Das Dach unseres Hauses diente den Schwalben mit ihren zahlreichen Nestern als Schutz.
Vom Haus zur Scheune hin war eine Stromleitung gezogen. Hier konnten die kleinen Schwalben ihre ersten Flugversuche machen.
Schön war es sie zu beobachten. Die Katzen leckten sich vergeblich die Mäulchen.
Die leckere Mahlzeit flog ihnen einfach zu hoch.
Auch eine Garage war auf unserem Hof zu finden. Davor zwei Hundehütten, an denen Tasso
und Wotan angekettet Besucher argwöhnisch beobachteten.
Ich muss heute noch schmunzeln wenn ich an unseren ängstlichen Briefträger denke.
An unserem Einganstor befand sich eine riesige Klingel.
Sobald der Briefträger nur in der Nähe war, begannen die beiden Hunde zu bellen und die Zähne zu fletschen. Sie zerrten an ihren Ketten und zogen so ihre Hundehütten über den halben Hof. Der traute sich meist nicht einmal in die Nähe der Klingel und so rief er lauthals:
„Die Post ist da!“
Großmutter ist dann ganz schnell zum Hoftor geeilt, damit Briefträger Müller das Weite suchen konnte.
Unser schönes Haus war übrigens in zwei Hälften geteilt.
Das nannten wir Kinder Himmel und Hölle.
Unten, da wohnten unsere Großeltern die uns mit viel Liebe in der wenigen Zeit, die ihnen die Arbeit noch ließ, versuchten, die Eltern zu ersetzen.
Oben im ersten Stock, wohnten eigentlich wir und sollten, wie es sich gehört, von unserer Mutter behütet aufwachsen.
Da diese aber kein Interesse an uns Kindern hatte, waren wir meistens bei unseren Großeltern. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht!
Mehr möchte ich dazu nicht schreiben denn das würde die Romantik zerstören.
Mein Blumenkrankenhaus
In einer kleinen Ecke unseres des Bauerhofes,
hatte ich mir ein Blumenkrankenhaus eingerichtet.
Wir hatten damals viele kranke Blumen, jedenfalls schien das mir so.
Ständig landeten immer wieder >arme Pflanzen< auf dem Komposthaufen.
Damals war ich ca. 4 oder 5 Jahre. Genau weiß ich es nicht mehr.
Es landeten also Kakteen, Weihnachtssterne und Geranien, die ausgedient hatten im Abfall.
Hinzu gesellten sich dann Stiefmütterchen und was sich eben gartenmäßig im Jahr so ansammelt.
Sie alle zusammen waren dann meine Patienten. Ich war fest überzeugt, sie alle heilen zu können. Allerdings, Blumentöpfe aus dem Schuppen zu mopsen, war für mich ein wahres Problem.
Auf so einem Bauernhof wird immer alles wieder verwertet und so musste ich manch ernstes Gespräch mit meiner Pflegemutter führen.
Oh ja, ich war wohl mit meinen Argumenten sehr überzeugend. Wir trafen ein Abkommen. Mein Startkapital musste ich mir erarbeiten. Ich pflückte jeden Abend einen Korb Löwenzahn und Bärentatzen für unsere Stallhasen. Dafür bekam ich dann alte Blumentöpfe, eine Schippe und eine kleine Harke.
Heute noch spüre ich die Stacheln der Kakteen, die mir beim Einpflanzen die Finger zerstachen.
Die hatten hässliche braune Flecken, und man hatte mir erklärt, dass sie nicht mehr zu retten seien. Die Weihnachtssterne hatten lediglich ihre roten Blätter verloren. Nein, wenn ich genau überlege, waren die auch ziemlich arm dran. Da war ich mir ganz sicher sie wieder gesund machen zu können. So sammelte ich eifrig das Hasenfutter, verdiente meine Blumentöpfe fleißig, und hatte bald eine kleine gut bestückte Fläche.
Ich redete viel mit meinen Patienten, streichelt ihnen die Blätter und goss sie mit Wasser aus der Regentonne.
Die Kakteen aber meinte ich, operieren zu müssen. Schließlich mussten doch diese kranken, braunen und matschigen Flecken verschwinden. Ich bekam ein kleines Küchenmesser, eine weiße Schürze, die mir viel zu groß war und die weiße >Schlachtemütze<.
Schade, dass ich keine Fotos habe, denn ich war mächtig stolz auf meine >UniformIch habe viele Blumen gesund gepflegt, nur das mit den Kakteen, wollte mir einfach nicht gelingen. Dafür aber staunte meine Pflegemutter nicht schlecht, wie wunderschön die Weihnachtssterne sich entwickelten. Auch davon, dass man Stiefmütterchen nicht einfach wegwerfen muss, habe ich sie überzeugt. Mein Pflegevater schmunzelte. Ich bemerkte gar nicht, dass er im ersten Stock unseres Hauses eine breite Blumenbank zimmerte.
Genau unter dem großen Fenster. Das war seine Art mich zu loben. Viel geredet wurde da nicht. Der Herbst kam, und ich musste meine Weihnachtssterne, und alles, was mir so wichtig war, ins Warme bringen. Nun hatte ich also im warmen Haus ein Winterquartier für mein Blumenkrankenhaus.
Ich kann Euch versichern, dass mein Blumenkrankenhaus durchgehend geöffnet hatte, wenn ich Daheim sein durfte.....
Raupen und Kartoffelkäfer
Mein Taschengeld musste ich mir erarbeiten.
Meine Großeltern waren sehr stur, wenn ich einen Groschen haben wollte.
Raupen von Salat und Kohlpflanzen zu sammeln, das war wirklich keine schöne Beschäftigung.
Großvater hat niemals Vernichtungsmittel gespritzt.
Er war der Meinung, dass die Natur alles alleine regelt und erst wenn es nicht ausreicht, der Mensch den Rest der Arbeit verrichten muss.
Also hatte ich wirklich genug zu tun.
Für 20 gesammelte Raupen gab es einen Groschen.
Um beim Kartoffelkäferlesen allerdings ein wenig Geld zu bekommen, musste ich mich mächtig anstrengen.
Die Konkurrenz war groß. Da gab es für 100 Kartoffelkäfer erst den heiß begehrten Groschen. Ein Groschen war viel Geld für uns Kinder. Dafür gab es immerhin eine kleine Tüte Himbeerbonbons oder eine Eiskugel. Auch bekam man dafür zwei >Negerküsse<.
Sparen musste man davon auch, vielmehr die Groschen sammeln, um sich auch einmal das geliebte Mickymausheft leisten zu können.
Oft bin ich zu meiner Tante Minna gelaufen. Sie war die Schwester meiner Großmutter, und hat mir oft lächelnd etwas zugesteckt.
Heute freue ich mich, wenn ich einmal eine Raupe oder einen Kartoffelkäfer sehe.
Müsste ich mir heute mein Taschengeld verdienen, hätte ich keine Chance. Es wird gespritzt was das Zeug hält. Schade, wirklich sehr schade! Für die Kartoffelkäfer, die Raupen und uns Menschen .
Katzen taufen
Unser Hof gehörte zu den schönsten im Dorf.
Ich kann euch versichern, dass jedes von uns Kindern, das über seinen Hof auch gesagt hat.
Wir waren stolz und unsere Geschichten kreisten stets um unsere Tiere.
So wetteiferten wir z. B. mit der Zahl unserer Katzen.
Bei uns waren es wirklich sage und schreibe 32 Fellnasen, die auf unserem Hof zu Hause waren.
Meine Schwester und ich fanden das natürlich toll!Auch liebten wir unsere Pflegeeltern sehr, weil sie wirklich nicht zu jenen Bauern gehörten, die kleine Katzen in den Brandweiher warfen. Nein, mann muss der Natur ihren Lauf lassen, pflegten sie immer zu sagen!
Wir haben ständig unsere kleinen Freunde herumgetragen.
Mein alter Kinderwagen, war oft voll beladen mit kleinen Katzen, die wir spazieren fuhren.
Ja, heute weiß ich wohl, dass man so etwas nicht machen sollte.
Nur damals waren unsere Katzen Puppenersatz. Davon mal abgesehen, dass eine Puppe wohl kaum eine schnurrende Katze ersetzen kann.
An Regentagen trafen wir Kinder uns meistens in der großen Wohnküche bei uns zu Hause.
Wir gingen regelmäßig am Sonntag zum Kindergottesdienst. Wenn da auch nur einer gefehlt hat, wurde es am nächsten Sonntag von der Kanzel namensmäßig verkündet.
Wir Kinder jedenfalls kamen auf die Idee, unsere Katzen zu taufen.
Und das, wie gesagt, fand eben meistens an Regentagen statt. Na und bei soviel Katzen waren Taufen sehr oft angesagt.
Meine Pflegeeltern hatten in ihrem Wohnzimmer ein richtig dickes Kreuz. Silberne Kerzenleuchter mit dicken Kerzen gab es auch.
So schleppten wir das alles in unsere Küche, füllten die silberne Keksschüssel mit Wasser, und dann konnte die Zeremonie beginnen.
Gesungen haben wir selbst, der Täufling wurde in die Spitzentischdecke gehüllt, und wir segneten ihn oder sie genau so, wie wir es in der Kirche gelernt hatten.
Die Katzen haben stillgehalten – nicht eine hat gekratzt.
Heute denke ich, die müssen gespürt haben, dass wir Kinder es nur gut gemeint haben.
Ich habe dann noch hinterher einen Haferbrei ganz ohne Anbrennen gekocht! So haben alle zusammen gemampft und somit gefeiert.
Wenn die Erwachsenen dann zur Tür herein schauten, staunten sie nicht schlecht und geschimpft hat niemand. Das hätten wir auch nicht verstehen können.
Für uns stand fest, Katzen müssen eben auch getauft werden.
Immer wenn ich hier oben unsere Katzen sehe, muss ich daran zurückdenken und das tue ich sehr gerne…….
weitere Geschichten kann man in Kürze auf meiner Homepage Vom Leben umarmt lesen und wer weiß, vielleicht erscheint es ja auch wirklich als Buch....

Mein Stückchen Erinnerung in Form von Bildern, den Rest trage ich im Herzen, in der Seele und ......
Willkommen lieber Leser
in meinen Kindheitserinnerungen!
In einem kleinen Dörfchen im Taunus erlebte ich wenn auch mit kleinen Unterbrechungen meine Kindheit.
Damals war Anspach im Taunus noch eine kleine Gemeinde.
Sie bestand überwiegend aus Bauernhöfen auf denen die Feldarbeit und die Nutztiere im Vordergrund standen.
Es gab einen kleinen Konsum, eine Apotheke, einen kleinen Friseur sowie
einen Laden, wo man sich hin und wieder Kleidung kaufen konnte.
Schließlich fuhr der Bahnbus zur Kreisstadt nur zweimal am Tag.
Das größte Gebäude in unserem Dorf war unsere Kirche und das Gemütlichste, unser kleines Backhäuschen.
Dort kamen wir Dorfkinder einmal wöchentlich zusammen, beladen mit unseren Blechen, um das Brot backen zu lassen. Das war nämlich damals unsere Arbeit, der Beitrag von uns Kindern. Wir mussten in Haus und Hof altersgemäß unseren Beitrag leisten.
Es war eine sehr schwere, lehrreiche und schöne Kindheit, aus der ich einige kleine Geschichten erzählen möchte.
Geschichten von damals. Zeiten, in denen mich Großmutter liebevoll das kleine Kieselsteinchen nannte.
Wer mag, kann mich gerne auf meiner Reise in die Vergangenheit begleiten. Auch wenn vieles nicht immer leicht war, wie sagt man?
"Aber schön war es doch!"
Unser Dorf
Unser kleines Dorf hieß damals noch Anspach und hatte ca. 3000 Einwohner.
Ich weiß nicht, ob das zu meiner Kindheit wirklich so viele Menschen waren.
Das kann ich mir gar nicht vorstellen, denn ich glaube, fest, dass ich alle im Ort gekannt habe.
Damals gab es noch keinen einzigsten Traktor. Könnt ihr euch so etwas vorstellen?
Die schweren hölzernen Leiterwagen wurden von Ochsengespannen durch den Ort, auf die Felder gezogen. Damals konnte man auf der Bahnhofstraße, welche auch die Hauptstraße war, noch richtig spielen.
Wenn da einmal ein Auto kam, tuckerte es gemütlich die Straße entlang.
Zeit genug, um zur Seite zu treten, nicht in Panik zu geraten, um zu rennen.
Den Ort, den wir als Kinder nicht oft genug aufsuchen konnten, war das kleine Cafe Merkel.
Ich denke, wir konnten ziemlich hartnäckig betteln, um einen Groschen zu bekommen.
Dort gab es das leckerste Eis der Welt, jedenfalls für uns Kinder.
Nicht immer hatten wir alle Glück, einen Groschen zu ergattern und doch rannten wir gemeinsam los. Wir hofften, dass Onkel oder Tante Merkel gut gelaunt waren, denn dann gab es mit oder ohne Groschen, Eis für alle.
Wir im Dorf waren alle eine große Familie. Wenn wieder mal „der Klapperstorch“ ein Baby bringen sollte, kam unsere alte Hebamme oder die Gemeindeschwester Elisabeth auf dem Fahrrad.
Die Frauen versammelten sich meist vor der Hoftür, um ja nicht, den ersten Schrei zu verpassen.
Trauer kam auf, wenn die schwarze Kutsche mit den weißen Gardinen, gezogen von zwei
rabenschwarzen Pferden, die Bahnhofstraße heraufkam. Jeder, der nicht auf dem Feld beschäftigt war, gab dem Verstorbenen die Ehre. Man ließ es sich nicht nehmen, ihn bis zur Leichenhalle zu begleiten.
Auch wurden natürlich Hochzeit gefeiert. Das Brautpaar musste einmal durch das ganze Dorf laufen, um die wartenden Gäste einzusammeln. Das war vielleicht ein langer Zug, der dann in unserer Kirche ankam.
Egal was geschah, man freute, lachte und weinte miteinander. Man tauschte Eier gegen Wurst
oder Obst gegen Kartoffeln. Niemand musste Angst haben, alleine zu sein. Jeder trug ein Stück Verantwortung.
Während ich das heute schreibe, stehen Tränen in meinen Augen.
Wir hatten sie, diese Vorbilder, die man als Kind so nötig braucht, um erwachsen zu werden.
Damals kam es mir so vor, als würde das Dorf mit mir zusammen, immer ein Stückchen wachsen. So war es auch. Nur immer hübsch der Reihe nach.
Vieles würde sonst an schönen Geschichten verloren gehen ..
Das große Haus
Mir kam das Haus zu jener Zeit und auch später wunderschön vor.
Ich liebte es, und genoss die Tage, die ich dort verbringen durfte.
Es war diese Ausstrahlung, diese Wirkung, welches es als Kind auf mich hatte.
Groß, mächtig, stark und stolz. So eine Art Trutzburg inmitten von Scheunen, Stallungen und drei wunderschönen Gärten. Vor unserem Haus, genau neben der Regentonne, stand ein riesiger, alter Walnussbaum. Um diesen herum, hatte Großvater eine Bank gezimmert, zusammen mit einem knorrigen Holztisch. Er war nach der Feldarbeit ein Treffpunkt für
Familie und Nachbarn. Hier wurde so manches Lied gesungen, so mancher selbst gebrannte
Pflaumenschnaps gekippt. Pfeifenrauch in die Landluft gepustet, während man am Sonnenuntergang, das Wetter für den nächsten Tag ablas.
Das Dach unseres Hauses diente den Schwalben mit ihren zahlreichen Nestern als Schutz.
Vom Haus zur Scheune hin war eine Stromleitung gezogen. Hier konnten die kleinen Schwalben ihre ersten Flugversuche machen.
Schön war es sie zu beobachten. Die Katzen leckten sich vergeblich die Mäulchen.
Die leckere Mahlzeit flog ihnen einfach zu hoch.
Auch eine Garage war auf unserem Hof zu finden. Davor zwei Hundehütten, an denen Tasso
und Wotan angekettet Besucher argwöhnisch beobachteten.
Ich muss heute noch schmunzeln wenn ich an unseren ängstlichen Briefträger denke.
An unserem Einganstor befand sich eine riesige Klingel.
Sobald der Briefträger nur in der Nähe war, begannen die beiden Hunde zu bellen und die Zähne zu fletschen. Sie zerrten an ihren Ketten und zogen so ihre Hundehütten über den halben Hof. Der traute sich meist nicht einmal in die Nähe der Klingel und so rief er lauthals:
„Die Post ist da!“
Großmutter ist dann ganz schnell zum Hoftor geeilt, damit Briefträger Müller das Weite suchen konnte.
Unser schönes Haus war übrigens in zwei Hälften geteilt.
Das nannten wir Kinder Himmel und Hölle.
Unten, da wohnten unsere Großeltern die uns mit viel Liebe in der wenigen Zeit, die ihnen die Arbeit noch ließ, versuchten, die Eltern zu ersetzen.
Oben im ersten Stock, wohnten eigentlich wir und sollten, wie es sich gehört, von unserer Mutter behütet aufwachsen.
Da diese aber kein Interesse an uns Kindern hatte, waren wir meistens bei unseren Großeltern. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht!
Mehr möchte ich dazu nicht schreiben denn das würde die Romantik zerstören.
Mein Blumenkrankenhaus
In einer kleinen Ecke unseres des Bauerhofes,
hatte ich mir ein Blumenkrankenhaus eingerichtet.
Wir hatten damals viele kranke Blumen, jedenfalls schien das mir so.
Ständig landeten immer wieder >arme Pflanzen< auf dem Komposthaufen.
Damals war ich ca. 4 oder 5 Jahre. Genau weiß ich es nicht mehr.
Es landeten also Kakteen, Weihnachtssterne und Geranien, die ausgedient hatten im Abfall.
Hinzu gesellten sich dann Stiefmütterchen und was sich eben gartenmäßig im Jahr so ansammelt.
Sie alle zusammen waren dann meine Patienten. Ich war fest überzeugt, sie alle heilen zu können. Allerdings, Blumentöpfe aus dem Schuppen zu mopsen, war für mich ein wahres Problem.
Auf so einem Bauernhof wird immer alles wieder verwertet und so musste ich manch ernstes Gespräch mit meiner Pflegemutter führen.
Oh ja, ich war wohl mit meinen Argumenten sehr überzeugend. Wir trafen ein Abkommen. Mein Startkapital musste ich mir erarbeiten. Ich pflückte jeden Abend einen Korb Löwenzahn und Bärentatzen für unsere Stallhasen. Dafür bekam ich dann alte Blumentöpfe, eine Schippe und eine kleine Harke.
Heute noch spüre ich die Stacheln der Kakteen, die mir beim Einpflanzen die Finger zerstachen.
Die hatten hässliche braune Flecken, und man hatte mir erklärt, dass sie nicht mehr zu retten seien. Die Weihnachtssterne hatten lediglich ihre roten Blätter verloren. Nein, wenn ich genau überlege, waren die auch ziemlich arm dran. Da war ich mir ganz sicher sie wieder gesund machen zu können. So sammelte ich eifrig das Hasenfutter, verdiente meine Blumentöpfe fleißig, und hatte bald eine kleine gut bestückte Fläche.
Ich redete viel mit meinen Patienten, streichelt ihnen die Blätter und goss sie mit Wasser aus der Regentonne.
Die Kakteen aber meinte ich, operieren zu müssen. Schließlich mussten doch diese kranken, braunen und matschigen Flecken verschwinden. Ich bekam ein kleines Küchenmesser, eine weiße Schürze, die mir viel zu groß war und die weiße >Schlachtemütze<.
Schade, dass ich keine Fotos habe, denn ich war mächtig stolz auf meine >UniformIch habe viele Blumen gesund gepflegt, nur das mit den Kakteen, wollte mir einfach nicht gelingen. Dafür aber staunte meine Pflegemutter nicht schlecht, wie wunderschön die Weihnachtssterne sich entwickelten. Auch davon, dass man Stiefmütterchen nicht einfach wegwerfen muss, habe ich sie überzeugt. Mein Pflegevater schmunzelte. Ich bemerkte gar nicht, dass er im ersten Stock unseres Hauses eine breite Blumenbank zimmerte.
Genau unter dem großen Fenster. Das war seine Art mich zu loben. Viel geredet wurde da nicht. Der Herbst kam, und ich musste meine Weihnachtssterne, und alles, was mir so wichtig war, ins Warme bringen. Nun hatte ich also im warmen Haus ein Winterquartier für mein Blumenkrankenhaus.
Ich kann Euch versichern, dass mein Blumenkrankenhaus durchgehend geöffnet hatte, wenn ich Daheim sein durfte.....
Raupen und Kartoffelkäfer
Mein Taschengeld musste ich mir erarbeiten.
Meine Großeltern waren sehr stur, wenn ich einen Groschen haben wollte.
Raupen von Salat und Kohlpflanzen zu sammeln, das war wirklich keine schöne Beschäftigung.
Großvater hat niemals Vernichtungsmittel gespritzt.
Er war der Meinung, dass die Natur alles alleine regelt und erst wenn es nicht ausreicht, der Mensch den Rest der Arbeit verrichten muss.
Also hatte ich wirklich genug zu tun.
Für 20 gesammelte Raupen gab es einen Groschen.
Um beim Kartoffelkäferlesen allerdings ein wenig Geld zu bekommen, musste ich mich mächtig anstrengen.
Die Konkurrenz war groß. Da gab es für 100 Kartoffelkäfer erst den heiß begehrten Groschen. Ein Groschen war viel Geld für uns Kinder. Dafür gab es immerhin eine kleine Tüte Himbeerbonbons oder eine Eiskugel. Auch bekam man dafür zwei >Negerküsse<.
Sparen musste man davon auch, vielmehr die Groschen sammeln, um sich auch einmal das geliebte Mickymausheft leisten zu können.
Oft bin ich zu meiner Tante Minna gelaufen. Sie war die Schwester meiner Großmutter, und hat mir oft lächelnd etwas zugesteckt.
Heute freue ich mich, wenn ich einmal eine Raupe oder einen Kartoffelkäfer sehe.
Müsste ich mir heute mein Taschengeld verdienen, hätte ich keine Chance. Es wird gespritzt was das Zeug hält. Schade, wirklich sehr schade! Für die Kartoffelkäfer, die Raupen und uns Menschen .
Katzen taufen
Unser Hof gehörte zu den schönsten im Dorf.
Ich kann euch versichern, dass jedes von uns Kindern, das über seinen Hof auch gesagt hat.
Wir waren stolz und unsere Geschichten kreisten stets um unsere Tiere.
So wetteiferten wir z. B. mit der Zahl unserer Katzen.
Bei uns waren es wirklich sage und schreibe 32 Fellnasen, die auf unserem Hof zu Hause waren.
Meine Schwester und ich fanden das natürlich toll!Auch liebten wir unsere Pflegeeltern sehr, weil sie wirklich nicht zu jenen Bauern gehörten, die kleine Katzen in den Brandweiher warfen. Nein, mann muss der Natur ihren Lauf lassen, pflegten sie immer zu sagen!
Wir haben ständig unsere kleinen Freunde herumgetragen.
Mein alter Kinderwagen, war oft voll beladen mit kleinen Katzen, die wir spazieren fuhren.
Ja, heute weiß ich wohl, dass man so etwas nicht machen sollte.
Nur damals waren unsere Katzen Puppenersatz. Davon mal abgesehen, dass eine Puppe wohl kaum eine schnurrende Katze ersetzen kann.
An Regentagen trafen wir Kinder uns meistens in der großen Wohnküche bei uns zu Hause.
Wir gingen regelmäßig am Sonntag zum Kindergottesdienst. Wenn da auch nur einer gefehlt hat, wurde es am nächsten Sonntag von der Kanzel namensmäßig verkündet.
Wir Kinder jedenfalls kamen auf die Idee, unsere Katzen zu taufen.
Und das, wie gesagt, fand eben meistens an Regentagen statt. Na und bei soviel Katzen waren Taufen sehr oft angesagt.
Meine Pflegeeltern hatten in ihrem Wohnzimmer ein richtig dickes Kreuz. Silberne Kerzenleuchter mit dicken Kerzen gab es auch.
So schleppten wir das alles in unsere Küche, füllten die silberne Keksschüssel mit Wasser, und dann konnte die Zeremonie beginnen.
Gesungen haben wir selbst, der Täufling wurde in die Spitzentischdecke gehüllt, und wir segneten ihn oder sie genau so, wie wir es in der Kirche gelernt hatten.
Die Katzen haben stillgehalten – nicht eine hat gekratzt.
Heute denke ich, die müssen gespürt haben, dass wir Kinder es nur gut gemeint haben.
Ich habe dann noch hinterher einen Haferbrei ganz ohne Anbrennen gekocht! So haben alle zusammen gemampft und somit gefeiert.
Wenn die Erwachsenen dann zur Tür herein schauten, staunten sie nicht schlecht und geschimpft hat niemand. Das hätten wir auch nicht verstehen können.
Für uns stand fest, Katzen müssen eben auch getauft werden.
Immer wenn ich hier oben unsere Katzen sehe, muss ich daran zurückdenken und das tue ich sehr gerne…….
weitere Geschichten kann man in Kürze auf meiner Homepage Vom Leben umarmt lesen und wer weiß, vielleicht erscheint es ja auch wirklich als Buch....

10.09.2009, 19.12 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

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