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Lyrikecke - Lyrik-Linkliste


Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Geschichten

Die steinernen Ostereier



Die steinernen Ostereier
(eine erlebte Geschichte)

Karin war eine energische kleine Person.
Gerade einmal sechs Jahre zählte sie. Ein kleines Mädchen mit schwarzbraunen Haaren, welches trotz allen Widrigkeiten immer ein Lächeln auf den Lippen hatte.
Es ist eben Glücksache, in welchen Schornstein man fällt, meinte sie altklug und versuchte sich damit selbst zu trösten. Es war ja auch sonst niemand da, der es getan hätte.
Recht früh musste sie für die kleinen Geschwister sorgen, weil Mutters beste Freundin eine Whiskyflasche war.
Dass diese immer gut gefüllt war,  gehörte zu Karins obersten Pflichten. Nicht darauf zu achten, wurde recht schmerzhaft bestraft.
Es war wieder einmal Ostersonntag. Einer jener Feiertage, den Karin besonders fürchtete, wusste sie doch, dass der Osterhase auch in diesem Jahr nicht kommen würde.
Auch wenn sie schon ein >großes< Mädchen war, konnte sie nicht begreifen, warum sie und ihre Geschwister immer leer ausgingen.
Kinder wie sie und ihre Geschwister, die solche Verbrecher zu Vätern hätten, würde der Osterhase meiden. So hatte ihr es die Mutter wie in jedem Jahr erklärt. Viel schlimmer als diese Erklärung empfand Karin aber den verächtlichen, fast schadenfrohen Blick auf Mutters Gesicht.
Was mochten denn die Väter bloß angestellt haben? Warum gab es mehr als einen...
Zum Grübeln blieb nicht lange Zeit.
Die kleinen Geschwister zerrten an ihrem Rock und konnten es kaum erwarten, in den Garten zu gehen. Längst drang aus dem Nachbargarten das Lachen und Jauchzen der Spielkameraden herüber.
Stefan und Alexandra hatten kleine Körbchen aufgetrieben und schauten die große Schwester erwartungsvoll an. Oh weh, jammerte ihre Seele!
Was sollte sie bloß den Beiden sagen.
Mit den Kleinen an der Hand lief sie in den Garten. Aufgeregt schauten sie dem fröhlichen Treiben der Nachbarskinder zu.
Es schien fast, als wären es auch ihre Schätze, die beim Suchen dort zum Vorschein kamen.
Karin wünschte sich nichts sehnlicher, als auch so eine kleine, heile Welt.
Angst schnürte ihr die Kehle zu. Wie würden die beiden Geschwisterchen reagieren, wenn sie wieder kein Osternest finden würden? Es musste eine Lösung geben.
Während sie Kleinen noch schauten und staunten, lief  sie zu dem kleinen Steingarten, der vorne am Garteneingang  angelegt war.
Eifrig sammelte sie die kleinsten Steine ein, welche normalerweise als Wegverzierung und Grenzen dienten.
Damit verschwand sie eilig in Großvaters Schuppen.
Mühsam kletterte sie auf die alte, rissige  Holz- werkbank, um an die Farbtöpfe zu gelangen.
Nun hatte sie alles, was sie brauchte.
Kleine, runde Steine und drei Farbeimer. Schwarze, weiße und gelbe Farbe samt einem abgewetzten Pinsel, verwandelten das Grau, wenn auch etwas langsam in bunte >Ostereier!<
Stolz betrachtete die kleine Person ihr Werk und lief  zurück in den Garten.
Dort saßen zwei weinende  Kinder im Gras, um ihr zu erklären, dass der Osterhase einmal  wieder nicht an sie gedacht habe.
Aus dieser Not geboren, begann Karin wohl ihr erstes Märchen zu erfinden.
Sie erzählte, dass dem Osterhasen die Eier ausgegangen wären und deshalb viele Kinder vergeblich gesucht hätten. Sie erfand die Geschichte der bunten Ostersteine.
Ostersteine seien etwas ganz Besonderes, erklärte sie.  Auch bekämen diese nur die klugen Kinder geschenkt.
Denn nur wer einen Stein zu schätzen wisse, würde auch verstehen, wie wertvoll Steine eigentlich sind.
Stefan und Alexandra hingen gebannt an den Lippen der großen Schwester.
Ja, es leuchtete ihnen ein, dass ein Schokoladen- hase innen nur hohl sei, während in einem Stein das Leben tobt. Auch, dass man einen Stein vielseitig verwenden kann, wie zum Beispiel zum Bauen von kleinen Staudämmen am Wiesenflüss- chen.
Es war das schönste Osterfest, welches die Geschwister miteinander erlebt und gefeiert haben.
Den ganzen Tag über versteckten und suchten sie abwechselnd die bunten Steine.
Auch die Nachbarskinder  gesellten sich dazu und erklärten ihre Schokoladenosterhasen zu langweiligen Gesellen.

Mittlerweile sind die drei Geschwister längst erwachsen. Sie gehen eigene Wege.
Karin aber hat das Sammeln zu einer lieben Gewohnheit gemacht, denn sie glaubt heute mehr denn je, an die Macht der Steine.

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 29.03.2010, 14.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die wundersame Reise des positiven Gedankens

Die wundersame Reise des positen Gedankens

Die Artenvielfalt der Gedanken ist unermesslich.
So wie es negative, lähmende Gedanken gibt, existieren aber auch positive welche ungeahnte Kräfte haben. Leider haben viele Menschen die Macht des positiven Denkens längst verdrängt. Es scheint einfacher und interessanter, allem Schönen misstrauisch und argwöhnisch gegenüberzustehen. Dabei hatte alles einst so schön und vielversprechend begonnen.
Einst schwebte der positive Gedanke über die Erde, um nach einem geeigneten Ruheplatz Ausschau zu halten.. Auch war er auf der Suche nach einem Wesen, was sich Mensch nannte. Er ließ sich auf einer leuchtend roten Blüte nieder. Doch diese schwankte nur im Winde und puderte ihn mit Blütenstaub. So verließ er sie. Er bewunderte die Schöpfung in all ihrem Facettenreichtum. So sah er die emsige, fleißige, kleine Ameise, bewunderte die Spinne welche in feinster Kleinstarbeit ihr Netz webte und freute sich an den Kreaturen, die in Wald, Wiese und Wasser zu Hause waren. Es schien, als wären alle rundherum zufrieden und glücklich. Der positive Gedanke flog weiter und fand ein sonderbares Wesen, welches lustlos und traurig auf dem Boden hockte. Es schien Langeweile zu haben und stocherte ohne aufzuschauen in der Erde herum. Das also war die Krone der Schöpfung? Dieses Wesen nannte der Schöpfer Mensch. "Lass mich in dein Herz!" sagte der Gedanke. "Als Belohnung werde ich dir die Lebensfreude schenken, den Spaß und den Genuss." So zog der Gedanke in das ihm unbekannte Wesen ein. Der Mensch aber wurde neugierig und begann sich umzusehen. Alles, was er fand und tat, bereitete ihm große Freude. Dankbarkeit und Frieden zogen in sein vormals unruhiges Herz ein. Er freute sich an den Blumen. Er genoss den Anblick der Wolken. Er liebte es, umherzugehen und innezuhalten. Er aß mit Freude und trank das Wasser mit Wonne. Leider  genoss er es auch, die Blumen zu zertreten, das Wasser zu verschmutzen, und die schwachen Kreaturen zu fangen um sie zu quälen. Er entdeckte die Gewalt und den Hass, mit welchem er glaubte, sein Eigentum verteidigen zu müssen. Da gebot ihm der positive Gedanke Einhalt: "Ich werde dich das Zweifeln lehren, damit du bereit bist, über alles, was du tust, vor dir Rechenschaft abzulegen." Nicht lange, da saß der Mensch wieder auf dem Boden, zerrissen zwischen dem, was er tun wollte, und der Furcht davor, etwas zu zerstören. Er war darauf bedacht, alles zu vermeiden, was er nicht ausführlich bedacht und vorhergesehen hatte. "So ist das nicht gut", sagte der Gedanke. "Als ich dich traf, warst du lustlos und ohne Ziel. Doch jetzt weißt du, was Lebensfreude ist, und versagst sie dir aus Angst, dein Ziel zu verfehlen. So will ich dir die Hoffnung schenken, die dich aus der eisernen Umklammerung von Lust und Zweifel befreien soll!" Mutig geworden richtete sich der Mensch wieder auf. Er sammelte und zimmerte sich eine Welt, von der er glaubte, dass sie lebenswert sei. Auch sammelte er Blumensamen, säte und hoffte, sich an ihrem Duft und ihrer Schönheit zu laben. Er er erfand köstliche Speisen und  unterhaltsame Spiele. Doch er konnte die Zeit nicht vergessen, wo er nur pure Lust empfand; wo alles, was er tat, ihm Spaß bereitete, ohne dass Zeifel an ihm nagten. Die Hoffnung , dass es, so sehr er sich auch mühte, je wieder so sein würde, schwand immer mehr. Ja der Zweifel drohte, ihn wieder Trübsal versinken zu lassen. Jedes Misslingen schien ihm ein Zeichen, Schmerz brannte sich in seine Seele Jedes Scheitern ließ ihn verzweifeln. Die Hoffnung schwand und verwandelte sich in Sehnsucht. Da schaute ihn der  positive Gedanke ein letztes Mal an und sagte: "Ich werde dir eine letzte Tugend schenken. "Du sollst vergessen können, damit die Hoffnung nicht stirbt und die Freude ungetrübt sein kann."
Schnell geriet der positive Gedanke mit all seinen wundervollen Kräften in Vergessenheit. So kam es, dass der Mensch seine größte Chance leider nicht erkannte, und sie auch bis zum heutigen Tage leider nur selten wahrnimmt.
Ich habe dem positiven Gedanken in meinem Herzen ein großes helles Zimmer eingerichtet.
Wir haben uns viel zu erzählen, erleben gemeinsam große Wunder.
Falls dich diese Geschichte neugierig gemacht hat, probiere seine Wirkung doch einfach einmal aus. Er ist einfach zu bekommen, lässt sich leicht einfangen, mit offenem Herzen und einem strahlenden Blick. Ich bin mir sicher, seine Anhängerschaft wird bald mächtig ansteigen denn schließlich kostet er nicht einen einzigen Cent.
Noch eine Nachdenklichkeit sei erlaubt; sind wir nicht alle Teil eines einzigen, großen und unbegreiflich positiven Gedankens...
Ich habe für mich eine Antwort gefunden und du lieber Leser?

@Celine Rosenkind

Nickname 24.02.2010, 14.33 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die kleine Nonne




Die kleine Nonne
Eine wahre Begebenheit

Es war an einem jener grauen Novembertage, die ich eigentlich so liebte.
Der Regen trommelte leise an die Scheiben, während der Wind ungeduldig
und erbarmungslos den Bäumen das letzte verwelkte Laub entriss.
Zu dieser Zeit lag ich im Krankenhaus und teilte mir das kleine Zimmer
mit zwei liebenswerten alten Damen. Es war ein katholisches Krankenhaus, in welchem die größte Anzahl der Schwestern noch aus Nonnen bestand. Stets waren sie gut gelaunt und zum Scherzen aufgelegt.
Die Arbeit auf dieser Station erforderte viel Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen, was ihnen aber nichts auszumachen schien.
Eine der Nonnen fiel mir besonders auf, ja ich habe mir sogar ihren Namen gemerkt. Sie hieß Ludovika und war schon hochbetagt. Ihr Rücken war durch das hohe Alter und die schwere Arbeit leicht gekrümmt und sie war von zierlicher, kleiner Statur.
Wenn sie über den Gang huschte an unserem Zimmer vorbei, war es immer ein leichter Windhauch, der uns wissen ließ, dass sie da gewesen.
Sie hatte wunderschöne Augen, aus denen so viel Liebe und Güte strahlten, wie ich es noch nie bei einem Menschen gesehen. Niemals redete sie mit den Patienten, ohne dass ihre kleinen Hände tröstend deren Körper streichelten. Sie war für mich ein Wunder und ist es immer noch.
Das Allerschönste, was sie besaß, war eine glockenhelle Stimme, die sie - wann immer ihr danach war - erklingen ließ. Keiner konnte das Ave Maria so schön singen wie sie. Lustige Volkslieder wurden durch ihre Stimme zum Choral.
Ich habe, so oft es ging, mit ihr geredet. Wir sprachen über Gott, über Jesus, dem sie ihr Leben bereits als junge Frau geweiht hatte und über ihr Leben als Nonne. Sie hat mich tief beeindruckt und mir Weisheit mit auf meinen Weg gegeben. Wir waren zwar lt. unserer Taufe in unterschiedlichen Kirchen aber im Glauben eins.
Stolz trug sie ihre immer gut sitzende schwarze Tracht, aber sie war sehr weltlich und offen. Ihr Wissen um das Thema Politik, Arbeitslosigkeit usw. bewies, dass auch solche Menschen durchaus nicht weltfremd sind. Was sie für mich zu einem besonderen Menschen machte, war aber ihre Einstellung zu Partnerschaft  und Liebe, Kindern und Eltern. Sie redete nicht nur, sie strahlte jene Liebe aus, die ich so gerne mit vollen Händen verteilen möchte.
Neulich musste ich noch einmal in die Klinik, um meine Befunde abzuholen. Was glaubt Ihr wohl, wer da ganz stolz am Empfang saß und mit leuchtenden Augen den Menschen Auskunft erteilte? Meine "kleine Nonne". Sie zwinkerte mir zu und sagte: "Nun hat der Herrgott mir einen neuen Wirkungskreis gegeben, denn hier habe ich alles im Auge - ich sitze am Empfang!"

Vielleicht wird sie mir eines Tages, wenn meine Erdenzeit vorbei ist, auch mit ihren leuchtenden Augen Einlass gewähren, weil sie ganz bestimmt auch dort am Empfang genau richtig ist.
Diese kleine Begebenheit ist für manche, denke ich, nicht so wichtig - bei mir aber hat sie tiefe Spuren hinterlassen, und ich muss schmunzeln, weil ich sie wieder vor mir sehe meine „kleine Nonne“!

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 21.01.2010, 19.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein bisschen Zartgefühl

Ein bisschen Zartgefühl

Ein fünffacher Großvater, der sollte doch wirklich
gelernt haben". Sie sah ihren Mann vorwurfsvoll und
kopfschüttelnd an.
"Was denn gelernt?", fragte er und zupfte verlegen
an seinem grauen langen Bart.
"Ach, das weißt du ganz genau, ich habs dir schon
hundertmal erklärt!"
"Was man hundertmal sagt, wird dadurch auch nicht richtiger."
Er lächelte versonnen.
"Also, ich verwöhne unsere Enkel zu sehr?"
"Viel zu sehr", sagte sie und schaute ihn vorwurfsvoll an.
"Na gut, ich werde standhaft bleiben, wie ein Felsen in der Brandung!"

Das Weihnachstfest kam.

Alle 5 Enkel hatten wunderschöne Bastelarbeiten gemacht, hatten
etwas gemalt, ausgesägt, modelliert und geklebt.
Wunderschöne Geschenke waren das für die Großeltern.
Mal mehr, mal weniger gelungene kleine Kunstwerke.
Nach der Bescherung telefonierte der Großvater mit seinen Kindern
und bedankte sich für die vielen liebevoll handgemachten Geschenke.
Er sagte, wie stolz er sei, dass seine Enkelkinder so wohlgeraten,
noch auf alte Tradition achten würden.
"Immer dieses Loben" murmelte die Frau, "du verwöhnst sie."
"Nein, ich ermutige sie weiterzumachen und zu bleiben wie sie sind."
"Aber, du siehst doch, dass manches nur oberflächlich zusammengebastelt
wurde so in letzter Minute und dafür bedankst du dich noch?"
Der Großvater drehte sich wortlos um und ging zum Gabentisch zurück,
der von den Geschenken der Enkelkinder übersät war.
Er betrachtete eines nach dem anderen in bedächtig, versonnen
in tiefer Beseeltheit.
Von wem war nun eigentlich was?
Am nächsten Tag meldete sich der älteste Sohn mit Familie zu einem
Weihnachtsbesuch an.
Nach einer freudigen Begrüßung am Telefon
meldete sich ein kleine zarte und traurige Stimme. Es war Anna, seine
kleine zehnjährige Enkeltochter. "Ich habe es eben erst bemerkt", schluchzte sie.
"Schade, dass mein Geschenk nicht so schön geworden ist,
Großvater, ich hab euch sehr lieb"
Der Großvater antworte mit Tränen in den Augen, wie schön das
Geschenk doch sei und dass allein das Wollen und der Zeitaufwand
schon für ihn das Größte wäre.
Dann suchte er auf dem Gabentisch nach den verunglückten Geschenk von Anna.
Er fand eine kleine Schachtel, einst mit Muscheln beklebt,
welche sich aber nun auf dem Gabentisch zwischen den Geschenken gelöst und
einzeln wiederfanden.
"So, so und dafür hast du sie noch gelobt", sagte die Großmutter vorwurfsvoll.
Er konnte es nicht mehr ertragen und sank in seinem Stuhl zusammen.
Hatte er all die Jahre nie bemerkt, wie negativ sich Martha entwickelt hatte?
Er schaute sie traurig an während er bemerkte:
"Man muss auch über Fehler hinwegsehenkönnen so, wie ich
dir Jahre lang verziehen habe, obwohl du nicht perfekt bist."
"Keiner ist das Martha. Ein bisschen Zartgefühl, das würde ich
dir gerne von mir abgeben."
"Warum hast du nie etwas gesagt, ich habe, so oft vergeblich auf
eine kleine Zurechtweisung gewartet."
"Ja, siehst du, man muss sich in den anderen hineinversetzen können,
dann kommt alles von allein."
"Die Kleine, hat keinen guten Klebstoff verwendet," sagte Martha
und dann saßen die beiden einträchtig am Tisch und klebten gemeinsam die Muscheln
auf die kleine Schachtel!
Nicht nur die Muscheln klebten gut, es war, als hätte dieser Klebstoff auch die Großeltern
aufs Neue verbunden.
Zartgefühl regierte nun ihrer beider Leben.

© Celine Rosenkind

Nickname 12.01.2010, 13.31 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eine Halloweengeschichte



Die Mutprobe

Eigentlich begann alles mit einer harmlosen Wette.
Wie gefährlich so etwas sein kann,  hätten sich Kathrin und Paul nie träumen lassen.
Es war an einem jener heißen Sommertage. Die Dorfkinder saßen in der Schule und warteten auf das Signal für „Hitzefrei“. Unruhig rutschten sie auf ihren Stühlen hin und her als
plötzlich ein großes Auto auf den Schulhof einbog.
Nun hielt die Kinder nichts mehr auf ihren Stühlen. Sie kämpften um den besten Fensterplatz,
um zu schauen, was nun passieren würde.
Ein elegant gekleideter Mann öffnet die hintere Wagentür um einen kleinen Jungen aussteigen zu lassen.
„Ist das aber ein feiner Pinkel“; Flüsterten die Kinder, und stellten dabei fest, dass dieser Junge einen richtigen Anzug trug. „Na der wird doch wohl nicht“. Bevor Kathrin ihre Befürchtung aussprechen konnte, klopfte es an die Klassentür. Der Lehrer schien nicht überrascht zu sein als er die Tür öffnete und die Beiden hereinbat.
„Kinder das ist euer neuer Klassenkamerad Nikolas“, stellte er den Neuankömmling vor.
Dieser schaute schüchtern,  fast ein wenig ängstlich auf die Kinder, welche ihn anstarrten.
Kathrin die ihre Schulbank mit Paul teilte flüsterte: „Der passt nicht zu uns, er ist ja sooo vornehm. Da schrillte die gute, alte Schulglocke. Die Kinder vergaßen den Neuen, um ja nicht zu spät zu ihrer Verabredung am Baggersee zu kommen.
Nikolas hatte es nicht leicht unter den Dorfkindern. Während diese in kurzen Hosen und einem einfachen T-Shirt zu Schule gehen durften, musste er von Hause aus immer korrekt im Anzug die Schule besuchen. Keiner wollte auch nur eine seiner zahlreichen Einladungen in sein großes, schönes Zuhause annehmen.
Die Dorfbewohner tuschelten, wenn sie an dem großen prächtigen Haus vorbeigingen.
Keiner ahnte wie traurig der arme Nikolas war. Man hatte ihn noch niemals lachen sehn
Und wenn er durchs Dorf ging, dann war immer dieser elegante Herr bei ihm.
Kathrin  konnte ihre Neugier nicht länger zügeln.
Es war nach einem anstrengenden Schultag als sie beschloss, Nikolas auf dem Nachhauseweg
einfach  anzusprechen. Er zuckte zusammen als sie seinen Namen rief. „He du, darf ich dich heute nach den Schularbeiten einmal besuchen“, fragte sie.
Überrascht schaute er sie an und fing zaghaft an zu lächeln. „Aber sicher doch, ich würde mich riesig freuen“, war seine Antwort.
So kam es, dass Kathrin am späten Nachmittag erwartungsvoll an der Tür des prächtigen Hauses klingelte. Ein Mann in schwarzem Anzug öffnete ihr die Tür und dahinter stand Nikolas, der über das ganze Gesicht strahlte.
Er führte sie durch das große Haus, und Kathrin kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. So viele Räume und so schöne Möbel hatte sie noch niemals gesehen. Sogar ein eigenes Schwimmbad gab es und hinter dem Haus auf einer kleinen Wiese graste ein richtiges Pony.
Nikolas plapperte aufgeregt
Kathrin erfuhr an diesem Nachmittag Dinge, die ihr so fremd waren und sie begriff, wie schlimm es sein kann, wenn man zwar reich ist aber keine Eltern hat die sich um einem kümmern.
Das war alles im Grunde genommen sehr traurig.
Sie trennte sich von Nikolas mit der festen Absicht mal ernsthaft mit ihren Schulkameraden zu reden.
So geschah es dann auch. Viele Mitschüler waren einsichtig nur ihr bester Freund Paul wollte sich mit seiner Gang, nicht überzeugen lassen.
„Der soll erst  einmal beweisen, dass er klug und stark ist“, tönte es Kathrin in den Ohren. Na ja und das ja bald Halloween sei und dass ohne Mutprobe gar nichts ginge na ja, wie  das eben so ist.
Wetten dass er die niemals besteht“, triumphierte Paul und alle pflichteten im bei

So kam er dann Halloween-Tag vielmehr der Halloween-Abend!

Alle Kinder hatten Kürbisköpfe ausgehöhlt und sie zogen gemeinsam zu dem alten ausgebrannten Haus oben auf dem Hügel.

„So nun beweise einmal, dass du einer von uns bist“, sagte Paul überheblich.
Und er erzählte Nikolas, dass dieses Haus seit 3 Jahren leer stand und sich kein Dorfbewohner
Traute die von Unkraut übersäte  Treppe hinauf  zu gehen.
„Da drinnen spukt es“, erzählte Paul ganz gewichtig. „Ich mache es vor, und du machst es nach“, meinte Paul.
Die Kinder riefen alle wild durcheinander wie gefährlich es sei und jeder kannte eine grausame Begebenheit die sich in diesen Mauern abgespielt haben sollte.
Paul lachte nur und schritt langsam die Treppe hinauf.
„Au weia“, riefen die Kinder als er die quietschende Tür öffnete und dahinter verschwand.
Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Minuten vergingen, es geschah nichts. Plötzlich ein lautes Poltern und ein fürchterlicher Schrei. „Hiiiiilfe!“ Das war so schrecklich anzuhören, alle Dorfkinder rannten als würde es  ihnen ans Leben gehen.
Nur einer blieb unerschrocken mit seinem hell erleuchteten Kürbis stehen – unser Nikolas.
Er wartete nicht lange. Ohne zu überlegen rannte er die Treppe hinauf und landete unsanft auf dem Hosenboden.
Die Kerze in seinem Kürbiskopf erlosch und es war stockdunkel.
Als seine Augen sich an das unheimliche Schwarz  gewöhnt hatten sah er vor sich ein wildes Durcheinander. Hinter diesem Müll durch den er sich kämpfte, war eine Treppe die zu einem Kellerraum, wie sich herausstellte führte.
Ein komisches Stöhnen war zu hören und es polterte so laut, dass er wirklich Angst bekam.
Dort unten musste etwas passiert sein, dessen war sich Nikolas ganz sicher.
Sein Vater hatte ihm immer versichert, dass es keine Gespenster gäbe und seine Mutter hatte es ihm immer wieder bestätigt als sie noch lebte.
Es war die Traurigkeit die ihn hinderte weiter zu laufen und ohne, dass er es merkte, fing er an zu weinen. Sie, die Kinder konnten ja nicht wissen, dass seine Eltern bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen waren.  Und auch nicht, dass es sein Elternhaus war
welches er nach dem Brand nie wieder gesehen hatte.  Damals war er noch klein!
Mutig wischte er die Tränen ab und kletterte die Kellertreppe hinunter.
Unten herrschte wie oben ein richtiges Chaos. Plastiktonnen, alte Fahrräder, ein Schaukelpferd und vieles mehr lag dort wild durcheinander geworfen.
Er rief: „Paul, wo bist du?“  Ein lautes Stöhnen war die Antwort. Nikolas handelte wie im Traum. Er ging dem Stöhnen nach und stand vor einem Berg Müll und Unrat. „Hilf mir“ schluchzte es aus diesem Berg von Unrat... Nun begann Nikolas ohne nachzudenken mit den Händen zu graben. Er wußte ohne lange nachzudenken, dass Paul unter diesem Schuttberg nicht lange überleben konnte. So grub er was das Zeug hielt, während draußen, die halbe Dorfgemeinschaft mit Fackeln anrückte. Er hörte das Martinshorn der Feuerwehr und die Sirene des Krankenwagens.
Da war endlich das schwarze Gesicht von Paul zu sehen. Er lag mit geschlossenen Augen und gab keinen Laut mehr von sich.
Dann wurde es dunkel um Nikolas.
Als  wieder aufwacht sah er einen großen weißen Raum und im Nachbarbett lag Paul der ihn nachdenklich anschaute.
„Warum hast du uns das nicht alles früher erzählt“, fragte Paul, der inzwischen wie alle Dorfbewohner von dem schrecklichen Schicksal des kleinen Nikolas und seinen Eltern erfahren hatte.
Nikolas erklärte ihm, dass seine Eltern immer wieder gesagt hätten, dass man mit seiner Trauer alleine fertig werden müsse. Er wollte doch sein gegebenes Versprechen nicht brechen
und so hatte er geschwiegen. Es hätte doch nichts gebracht und Freundschaft wollte er nicht haben nur um des Mitleides willen.
Als Nikolas entlassen wurde erklärte ihn der Bürgermeister zum Helden des Dorfes.
Er bekam eine Medaille und Urkunden. Die Leute klatschten begeistert und das große rote Feuerwehrauto gab einmal richtig laut Alarm. Er fuhr eine große Ehrenrunde in dem Krankenwagen.
Etwas will ich Euch zum Schluss noch verraten, Nikolas wurde so später zusammen mit Paul ein richtiger Feuerwehrmann und jedes Jahr an Halloween passen die beiden auf, dass Kinder vernünftig mit den großen Kürbisköpfen und den Kerzen umgehen.

Urheberrecht Celine Rosenkind




Nickname 26.10.2009, 14.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Seine wichtigste Entscheidung


Seine wichtigste Entscheidung

Karl hatte sich mit seinem seelischen Durcheinander und dem Stückchen
Papier in der Hosentasche auf den Balkon geflüchtet. Unbemerkt war es ihm gelungen, die Party zu verlassen.
Plötzlich war seine kleine Welt nicht mehr so heil und er fühlte sich mies und unbehaglich. Mit ein paar lumpigen Zahlen hatte dieser Mensch im Nadelstreifenanzug ihm einen dicken roten Strich durch sein bisheriges Leben gemacht. Seine Gefühle schlugen Purzelbäume, fuhren Achterbahn und lösten in ihm ein Chaos aus, welches er bisher nicht kannte. Verzweifelt blickte er in den sternenklaren Himmel und glaubte auf dem Vollmond ein breites Grinsen zu entdecken.
Verdammt, warum musste gerade ihm das passieren und warum gerade jetzt. Jetzt wo sein Glück doch rundherum perfekt war. In einem Lebensabschnitt, auf den er und seine Frau Laura 15 Jahre hingearbeitet hatten.
Es war nicht immer einfach gewesen aber sie fühlten sich unendlich reich. Hatten einander, liebten einander. Zusammen hatten sie diesen Traum von der Eigentumswohnung wahr gemacht. Die Tatsache, dass Felix sich auf dem Weg zum Ziel dazwischengedrängelt hatte, war nur eine überaus angenehme Überraschung. Er war es, der allen Dingen noch einen tieferen Sinn gab.
Nein und nochmals nein! Niemals würde er dieses Glück aufs Spiel setzen.
Nicht er, Karl Petersen, der stolze Vater eines siebenjährigen Jungen. Nicht er, Karl Petersen, der stolze Ehemann einer liebenswürdigen und reizenden Frau deren Liebe er sicher sein konnte.
Nicht er, Karl Petersen, der sein Leben, so wie es wahr als ausgefüllt und beglückend empfand.
Sicher, wenn er diesem kleinen Stück Papier nun die Oberhand über sein Leben  abtreten würde, wäre er für die Finanzwelt ein gemachter Mann. Ein sogenannter dicker Fisch den zu ködern man gerne bereit war.
Wie ferngesteuert kramte er aus seiner Hosentasche den verhassten Lottoschein hervor. "Ich werde dich das Fliegen lehren," murmelte er, während er ihn zu einem millionenschweren Papierflugzeug umdeklarierte. Der Nachtwind schien, um die nicht gewollte Kostbarkeit zu wissen, und trug es sanft davon.
Erleichtert rückte Karl seine Krawatte zurecht, um zur Party zurückzukehren.
Nichts konnte sein Glück nun mehr stören.
Übrigens hat er nie wieder Lotto gespielt; denn der Einsatz erscheint ihm noch heute zu hoch!

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Nickname 09.09.2009, 19.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Zeit der Träume





Die Zeit der Träume

Eine Geschichte von Celine Rosenkind

Im Winter, wenn das Holz gemütlich in den Kaminen
knistert, der heiße Tee zusammen mit frischen Plätzchen
ein wohliges Gefühl verbreitet, dann ist sie da – die Zeit der Träume.

Die Zeit der Träume ist aber nicht nur in warmen Stuben zu Hause.
Sie ist immer auf der Suche nach Menschen, die noch Träume haben.
Es ist eben diese Zeit des, Jahres wo sie viel zu tun hat, viel herumkommt
und in die Herzen klettert, welche ihnen Einlass gewährt.

Um träumen zu können, ist der Winter die richtige Jahreszeit.
Die Bäume ragen ihre kahlen Äste in den Himmel. Schnee und Kälte
lassen wundervolle Blumen an den Fensterscheiben wachsen, malen Wangen und Nasen rot.
Jeder Mensch erlebt diese Zeit anders, ja manche bemerken sie nicht einmal.
Ich muss gestehen, dass ich diese Menschen bedauere.
Sie haben ganz andere Dinge im Kopf. Für sie ist der Winter die Zeit der Feste, die organisiert
werden wollen.
Die Zeit der Träume aber ist dankbar für jeden Traum, den sie erhaschen kann.
Die Träume der Menschen gestalten das kommende Jahr.
Ohne Träume gäbe es keinen Frühling, Sommer oder Herbst.
Im Frühling beginnen die Träume Knospen zu tragen und bald darauf blühen sie
in den unterschiedlichsten Farben.

Träume müssen reifen und werden von der Weisheit gut durchleuchtet, bevor sie zur Erfüllung
freigegeben werden. Das kann manchmal einige Jahre dauern. Ja und manchmal ist es besser,
wenn ein Traum nur ein Traum bleibt.
Die restlichen Träume aber tragen Früchte. Sie reifen heran unter den Strahlen der Sonne,
des Wassers,welches der Regen spendet und dem Streicheln des Windes.
Sie werden gehegt und gepflegt, bis sie reif zur Ernte sind.
Dann kommt die Zeit der Lese.

Mittlerweile ist es Herbst geworden – so wie jetzt – wo ich diese Geschichte schreibe.
Die Bäume tragen ein wunderschönes Blätterkleid.
Rot, gelb braun – alles Farben, die uns Menschen wohl bekannt sind. Und doch sind die Farben der Blätter im Herbst für uns Menschen unnachahmbar. Sie sind wie alles auf dieser Erde ein Wunder.
Ich denke mir, dass die Farbenpracht der Blätter den Zustand und die Erfüllung unserer Träume widerspiegelt.
So laufe ich vorsichtig und andächtig durch die Natur auf diesem Blätterteppich.
Einem Teppich, der erfüllten Träume.
Ich mache mir Gedanken und ziehe Bilanz, welcher sich von meinen Träumen in diesem Jahr erfüllt hat.
Geduldig und dankbar sehe ich dem Winter entgegen – der Zeit in der die Träume geboren werden.

© Celine Rosenkind

Nickname 05.09.2009, 18.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mitten in Berlin



Heimweh nach Spandau bei Berlin
Vieles könnte ich über Berlin schreiben.
Vielleicht liegt es ja an meinen Heimwehattacken, die mich ab und zu noch überfallen.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich dieser Stadt mit ihren Menschen einmal nachtrauern würde.
Wenn ich an Berlin denke, dann erzähle ich oft und gerne folgende kleine Begebenheit.
In unserem Stadtteil Spandau entstand Mitte der 80er Jahre ein wunderschönes kleines Einkaufzentrum. Es war ein kleine Einkaufsoase inmitten einer neuen großen Plattenbausiedlung. Bequem war das Einkaufen geworden, und es dauert nicht lange, bis ein  großes Metallhäuschen in der Fußgängerzone auftauchte.
Rote Plakate vermittelten den Käufern, dass hier Imbissläden eröffnet würden. "Dette iss ja echt dufte", meinten wir Anwohner und rätselten, was man dort wohl kaufen könnte.
Des Rätsels Lösung ließ nicht lange auf sich warten.
Nur wenige Tage später pries auf der einen Seite Achmed seine türkischen Spezialitäten an, während auf der anderen Seite Kalle mit seiner echten Berliner Currywurst in hausgemachter Zwiebelsoße lockte.
Döner und Currywurst unter einem kleinen Imbissdach zusammen mit Achmed und Kalle das geht gar nicht?
Das haben wir anfangs auch gedacht aber die Beiden haben sich super verstanden.
Achmed hatte für seine kleinen hungrigen Besucher sogar eine immer gut gefüllte Eis-Truhe  angeschafft.
Es war eine familienfreundliche kleine Ecke vor der man sich gerne
auf einen Snack und ein Schwätzchen traf. Eitel Freude Sonnenschein könnte man nun denken.
Aber die Zeit blieb nicht stehen und der Ideenreichtum unserer Stadtväter auch nicht brach liegen.
Schließlich musste das Einkaufszentrum ja attraktiv gestaltet Käufer anziehen.
Es dauerte nicht lange, da zog Pedro mit seinem Eiskaffee ein, Yang Li eröffnete genau um die Ecke ein prächtiges Chinarestaurant, und genau auf der anderen Straßenseite, konnte man bei Alfredo, Pizza und Muscheln verzehren.
Das war wirklich ein breit gefächertes Angebot.
Wer nun denkt, einer der genannten Personen habe umsatzmäßig einen Nachteil gehabt der irrt sich.
Genau das Gegenteil war der Fall. Im Eiskaffee wurde der Gast nach Verzehren seines Eisbechers freundlich auf die umliegenden deftigen Nahrungsquellen hingewiesen. Bei Achmed und Kalle machte man den Kunden auf das leckere Eis bei Pedro aufmerksam. Das war nach einem herzhaften Döner oder einer scharfen Currywurst für manchen eine richtige Erlösung.
Kalle verkaufte in seinem Imbiss kein kaltes Bier mehr, nein er schickte seine durstigen Gäste zu Pedro, nicht ohne dessen Salatteller in den höchsten Tönen zu loben. Auch erzählte man so nebenbei, wie lecker man bei Yang Li Sake schlürfen könne oder dass der Lycheewein etwas ganz besonders sei.
Nicht lange danach feierten wir alle den Fall der Berliner Mauer und bekamen noch unser Gretchen mit ihrem Quarkbällchenstand dazu.
Nun hatten wir ein kleine, kulinarische Insel, inmitten eines der schönsten Stadtteile Berlins .
Während ich diese Geschichte schreibe, kommt mein Heimweh zurück und mir wird klar; "Icke liebe mein Spandau immer noch…….."

© Celine Rosenkind

Nickname 05.09.2009, 18.13 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mein nächtlicher Besucher




Mein nächtlicher Besucher

Ich habe mich in einer lauen Sommernacht mit Herrn Goethe getroffen!
Glaubt ihr mir das nicht?
Es war wirklich so und ich kann mich nicht erinnern,
wann ich das letzte Mal so ungern wach werden wollte.
Na ja, also irgendwann muss man ja die Augen aufmachen aber ich versichere, dass ich es nicht gerne tat.

Wir hatten schließlich ein sehr interessantes Gespräch, also Herr Goethe und ich.
Er war recht lustig gekleidet. Lange graue Kniestrümpfe trug er, eine kurze Pluderhose. Seine grüne Jacke sah trachtenähnlich aus und sein wallendes graues Haar wurde von einem kecken Dreieckshut bedeckt.

Er fragte mich, ob ich denn einige seiner Werke gekauft hätte.
Ich begann, in meinem Arbeitszimmer zu suchen. Glaubt nur, ich habe meinen ganzen Bücherschrank auf den Kopf gestellt und fand – nicht einen Gedichteband von ihm.
Dabei hatte ich sie doch am Tag noch recht sorgsam ausgepackt und einsortiert.
Eifrig versuchte ich, ihn zu überzeugen, dass sie wahrscheinlich durch unseren Umzug noch in einer der wenigen, unausgepackten Kisten sein müssten.
Herr Goethe zeigte sich sehr hilfsbereit.
So kam es, dass wir nebeneinander auf den Knien liegend, gemeinsam nach seinen Büchern suchten. Nebenbei wurde kräftig gefachsimpelt.
Draußen war herrlicher Sonnenschein.
Ich bat ihn, kurz zu warten damit ich meine Wäsche schnell aufhängen kann.
Für meinen Gast war das kein Problem.
Ihr werdet es nicht glauben --- Herr Johann Wolfgang von Goethe half mir eifrig beim Wäsche aufhängen --- echt.
Wir haben uns über Waschmittel unterhalten.
Ich empfahl ihm eifrig mein Persil-Megaperls und natürlich diese rosarote Dose mit dem Fleckentferner.
Beschwert habe ich mich über meine Waschmaschine und meine Angst kundgetan, sie würde wohl nicht mehr lange ihren Dienst tun.

Interessant fand ich seine Tipps, die er mir gab, was das Schreiben betraf.
Auch seine Naturbetrachtungen haben mich sehr beeindruckt.
Ich wusste zum Beispiel nicht, wie gerne er Spekulatius mag und um seine Vorliebe für Himbeertee. Komischerweise hatte ich beides in meinem Küchen- schrank.

Während Herr Goethe genüsslich seinen Himbeertee schlürfte, ließ ich es mir nicht nehmen, weiter nach einem Gedichtsband von ihm zu suchen.
Ich hatte Glück und hob stolz meinen alten  Goetheband in die Luft, drehte mich um und schaute in die lustigen Augen von - meinem Schatz.

Dem habe ich dann am folgenden Sonntagmorgen meinen Traum erzählt.

Wir lachten beide um die Wette und sind ausgelassen in den neuen Tag gestartet.
Ist das nicht herrlich, wem man in seinen Träumen über den Weg laufen kann?

Übrigens Himbeertee und Spekulatius beherbergt mein Küchenschrank nicht, aber in meinem Bücherschrank stehen mehrere alte und neue Ausgaben von meinem nächtlichen Besucher.

© Celine Rosenkind




Nickname 19.07.2009, 17.24 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der geheimnisvolle Fund

Der geheimnisvolle Fund

Lena war eine sehr fröhliche junge Frau der man nicht anmerkte, dass  in ihrer Kindheit die Welt alles andere als rosig gewesen war.
Die Erinnerungen liefen ihr immer noch hinterher. Seit sie eine kleine Familie hatte, versuchte sie alles erfolgreich zu verdrängen.
Lena hatte die Angewohnheit,  ihre Hausarbeit stets mit einem Lied auf den Lippen zu verrichten. An jenem Sommermorgen verharrte sie beim Staubwischen glücklich vor dem Hochzeitsbild.
Ja, sie hatte Glück gehabt mit ihrem Mann Gerd, der es von einer kleinen Kfz-Werkstatt zu einem recht ansehnlichen Autohaus gebracht hatte.
Er biss ihr immer liebevoll ins Ohrläppchen und nannte sie seinen Glücksstern.
Das gemeinsame Töchterchen Julia war die Krönung dieser großen Liebe.
Wo war Julia eigentlich, schoss es Lena durch den Kopf.
Das Haus war noch nicht fertig  und sie würde doch wohl nicht…
Lena mochte gar nicht daran denken, denn die Kellertreppe war noch nicht richtig befestigt.  Zu ihrer Beruhigung stellte sie fest, dass sie die Tür abgeschlossen hatte.
„Julia,“ rief sie laut durch das kleine Haus und folgte den Geräuschen, die vom Dachboden kamen.
„Mama, hier bin ich vor einer großen Schatzkiste,“ tönte ihr ein kleines Stimmchen entgegen
Ein blaues Augenpaar lachte sie an.
„Sieh nur, was ich gefunden habe,“ sagte Julia stolz und hielt triumphierend einen Gegenstand
wedelnd in die Luft,  während Lena nach Fassung rang.
Da war ER, in der Hand ihrer kleinen Tochter.
Ein schwarzer Strickhandschuh. ER und die Vergangenheit hatten Lena wieder einmal eingeholt!
Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und lächelte krampfhaft.
„Ja, Julia, da hast du wahrlich ein Schatz gefunden! Dieser schwarze Handschuh ist etwas ganz Besonderes.  Wenn der reden könnte….."
„Oh Mama bitte, bitte erzähle“, bettelte Julia, während sie die Treppe die  zum Dachboden
führte vorsichtig hinunter robbte.

Lena sank erschöpft in ihren Lieblingssessel und schwups, saß Julia auf ihrem Schoß.
„Sieh mal Mama, der Handschuh ist mir noch zu groß“ bemerkte Julia. Lena streichelte sanft über dieses Überbleibsel, was sie eigentlich niemals wieder sehen wollte.
Ihre Augen wurden schwer.  Erlebtes rollte wie ein Film vor ihr ab während sie Julia erzählte.

Es war in jenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Hamsterkäufe waren damals an der Tagesordnung.  Die Leute in den zerstörten Städten mussten Schmuck und andere wertvolle Sachen, gegen Lebensmittel eintauschen.
Damals lebte sie bei ihrer Großmutter auf dem Land in einem kleinen Dorf.
Zu essen hatten sie genug, nur die  Armut war trotz allem auch hier zuhause.
Unter all den Sachen die die Großeltern durch das tauschen von Speck, Kartoffeln und Fleisch
ergattert hatten, war wirklich fast nichts, was ein Kind hätte tragen können.
Die Pullover waren viel zu groß, die Pelzmäntel zu wertvoll zum zerschneiden und die Schuhe wenig geeignet für kleine Kinderfüßchen.
Großmutter versuchte immer an Stoff und Wolle zu kommen, was ihr zeitweilig auch gelang.

„Mama, was ist den Krieg sowie Hamsterkäufe kenne ich auch nicht,“ waren Fragen der kleinen Julia, die Lena zeitweilig aus ihren Gedanken riss um alles kindgerecht zu erklären.
„Ja, Julia, damals war ich 9 Jahre alt," erzählte sie dem kleinen >Zappelphilipp<.
Eines Tages jedenfalls war es Großmutter gelungen, an einen großen Beutel schwarzer Wolle
zu gelangen.
Schwarz, die Farbe fand Lena bereits damals nicht schön aber Großmutter versprach tröstend
das Beste daraus zu machen. „Was wünschst du dir denn am meisten, fragte Großmutter.“
Oh das wusste Lena sofort. Denn es war Winter in dem kleinen Bergdorf und sie war es leid, immer mit blau gefrorenen Händchen aus dem Schnee zu kommen.
Na das lässt sich machen meinte die Großmutter und machte sich sofort ans Werk.
Am nächsten Morgen, als Lena erwachte, lagen zwei große Fäustlinge, zusammengehalten von einer Schnur, die von einem Handschuh zum anderen ging, auf ihrer Bettdecke.
Das war eine Freude. Dass sie viel zu groß waren, erklärte Großmutter mit „auf Zuwachs gestrickt," und das Band solle Lena stets um den Hals tragen damit kein Handschuh verloren ginge! Ihr sollte es Recht sein. So stapfte Lena mit viel zu großen schweren Schuhen, und allem was sie zum warm halten hatte, stolz durch das Dörfchen, um ihrer Freundin Karin
die neueste Errungenschaft zu zeigen.
Karin wohnte in einem abgelegenen Teil des Dorfes, was von den Bewohnern gemieden wurde. Holzbaracken standen dort und Großmutter sah die Freundschaft der beiden Mädchen gar nicht gern.
Das sind alles Zigeuner, und die stehlen uns nachts die Hühner, waren ihre Argumente.
Na ja, und der Dorfpfarrer sagte immer, dass diese Menschen alle katholisch seien und zu einem anderen Gott beten würden als die Dorfbewohner.
„Banditen sind das“, schimpften die Einheimischen. Das alles hatte Lena damals nicht verstanden. Für sie waren alle Menschen gleich.
Karin war und blieb nun einmal ihre allerbeste Freundin möge kommen was wolle!
Energisch warf sie den Kopf zurück und klopfte an die hölzerne Wohnungstür.
Karin öffnete und die Mädchen fielen sich wie immer freundschaftlich um den Hals.
„Sieh nur“, sagte Lena aufgeregt, „was ich hier habe“. „Oh, die sind aber schön, darf ich deine Handschuhe mal anfassen?“; fragte Karin fast andächtig.
„Was heißt hier meine“; fragte Lena ganz empört! „Bist du nicht die allerbeste Freundin, die ich auf der Welt habe?“ „Natürlich doch“, meinte Karin und nickte mit dem Kopf!
„Na also, was mein ist, ist auch dein,“ meinte Lena und drängelte; “probiere sie einmal an, die sind auf Zuwachs gestrickt meint Großmutter."
Beide mussten fürchterlich lachen als sie feststellten, dass in einen Handschuh auch zwei Händchen hinein passten.
„Das ist Klasse gell,“ meinteLena und in sekundenschnelle hatte sie sich die Schere geschnappt und das Strickband, welches die Handschuhe verband durchgeschnitten.
„Den schenke ich dir, denn so hat jeder von uns einen der unsere Hände wärmt," sagte sie ganz stolz.
Julia hatte längst aufgehört zu zappeln und lauschte ihrer Mutter andächtig. Sie hing förmlich an Mutters Lippen und wartete was da noch kam, während Lena alles um sich vergessen hatte.
 In Gedanken war sie weit weg, an jenem Ort, wo sie und ihre kleine Freundin einst lebten.
So erzählte sie Julia, dass Großmutter gar nicht böse war über das Teilen und wie wundervoll der begonnene Winter gewesen war. Das Toben im Schnee, der alten rostigen Schlitten und den Schneemann, den sie gemeinsam gebaut und behütet hatten.
Die Ereignisse jener Zeit sprudelten nur so aus Lena heraus. Diese gemeinsame Kindheit mit Karin, die ganzen Streiche die sie gemacht und wie schön diese Freundschaft für beide war. Julia hörte kichernd und staunend zu.

„Aber Mutter, was ist aus Karin denn geworden und dem anderen schwarzen Handschuh den du ihr damals geschenkt hast?"
„Das Julia, möchte ich dir lieber erst erzählen, wenn du ein wenig älter bist.  Dass es immer noch sehr weh tun würde, erwiderte Lena. Ohne, dass sie es bemerkte, kullerten schon die ersten Tränen.
„Nein Mutter, du hast deine Handschuhe auch geteilt und ich will wissen, was dich traurig macht. Ich werde auch bald wie du damals 9 Jahre alt und teilen ist wichtig hast du immer gesagt," drängelte Julia.
"Weißt du Julia, Karin lebt nicht mehr," schluchzte Lena.
Dann erzählte sie, wie fanatische Dorfbewohner nach einem Erntedankfest, die Baracken der angeblichen Zigeuner angesteckt hatten. Sie wurden im Schlaf überrascht und Karin konnte mit ihrer Familie nicht mehr fliehen. Viele wurden damals ein Opfer dieses heimtückischen Überfalls.
„Deshalb hast du den Handschuh in die Schatztruhe getan, Mutter!“
Julia nickte verständnisvoll und schlang tröstend ihre Arme um Mutters Hals.
Die Jahre vergingen aus Julia wurde eine wunderschöne junge Frau. Sie war der Engel im Leben, ihrer mittlerweile betagten Eltern. Sie engagierte sich für Minderheiten und Randgruppen. Die gute Saat der gemeinsamen Erziehung war aufgegangen.

Die Welt war moderner geworden und Lena sah sich gerne hin und wieder eine Talkshow im Fernsehen an.
Es war Freitag der 13te, ein Tag der von vielen gefürchtet, aber für Lea immer als Glückstag bezeichnet wurde, als das Unfassbare passierte.
Mit einem Limonadenglas in der Hand beeilte sich Lena vor den Fernsehapparat zu kommen als es hieß: "Ich suche Dich“

Bereits in der Küche hörte sie eine Stimme, die ihr irgendwie vertraut vorkam.
Vor dem Fernseher angekommen ließ sie das Glas fallen und schaute ungläubig auf den Bildschirm.

Eine kleine hagere Frau erzählte dort, dass sie ihre beste Freundin suche und die Geschichte mit dem schwarzen Handschuh, den sie als Beweis vor die laufende Kamera hielt.
Das war doch … „Karin“ jubelte sie.  Gerd eilte gerade noch rechtzeitig hinzu um Lena aufzufangen. Ohnmächtig war sie geworden. Ohnmächtig vor Freude und Glück und nun weinte sie hemmungslos.

Nachdem Gerd den Sender angerufen hatte, und Karin bereits auf dem Weg zu ihr war meinte Lena: „Nun habe ich das Beste, was mir von meinen Erinnerungen geblieben ist, wieder gefunden

Urheberrecht Celine Rosenkind




Nickname 19.07.2009, 16.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Nicht nur

nach Kalendertagen

planen,lachen,

lieben,scherzen,

lasse dich

durchs Leben tragen,

mit Datenspeicherung

im Herzen

© Celine Rosenkind



Glückmomente sammle ich

lebe gut von ihren Zinsen
beutelt dann das Böse mich
reichen diese um zu grinsen 

© Celine Rosenkind








Ganz privat erlebt man mich :





Gefühle muss man sorgsam hegen

mit Liebe wie mit Ehrlichkeit
es ist ein gar aufwendiges Pflegen
doch sicher ist´s es lohnt die Zeit

©Celine Rosenkind






Ist der Himmel grau
und trübe

glaub mir nur
die Sonne scheint

vom Strahlen ist sie
manchmal müde

wie auch ein Mensch
der einmal weint

© Celine Rosenkind


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