Mein Wortkarussell

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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Leseproben Kurzgeschichten

Tinas Welten

Baby du  siehst wieder einmal umwerfend aus, raunte Pedro als Ina durch den Bühneneingang gestelzt kam. Das weiß ich antworte sie überheblich und funkelte ihn aus feurig dunklen Augen an. Oh ja, Ina wusste um ihre Schönheit. Selbstverliebt betrachtete sie sich in dem Spiegel ihrer Garderobe während sie einige Steppübungen machte.  Ihr Lebenstraum hatte sich fast erfüllt. Als rassige Flamencotänzerin verdiente sie sehr gut. , Hatte eine schicke Wohnung, fuhr einen tollen Sportwagen, nur der Mann ihrer Träume, schien unerreichbar zu sein. Noch schien er zu ihrer Trainerin und besten Freundin zu gehören, auch wenn diese nach einem schweren Unfall im Rollstuhl saß. Sie musste ihn haben, koste es was es wolle. Bei diesem Gedanken wirkte ihr sorgfältig geschminktes Gesicht maskenhaft und fast abstoßend.
Das Klingeln, welches sie zum Auftritt rief,  riss sie aus ihrer Gedankenwelt. Der Abend nahm wie immer seinen Lauf.  Ihr Auftritt mit Francesco ihrem Traumann verlief  wie immer grandios. Sie konnte nicht umhin, der Zuschauerin im Rollstuhl einen triumphierenden Blick zuzuwerfen.  Ihre Blicke glichen einem wortlosen aber kämpferischen Duell. Inas Gier nach Aufmerksamkeit war gestillt und so stürmte sie wie jeden Abend ohne zu feiern, den vermeintlichen tobenden Beifall noch im Ohr in ihre schmucklose Garderobe. Es war seit  einigen Jahren das gleiche nächtliche Ritual. Gehetzt schaute sie auf ihre kleine Armbanduhr, schminkte sich ab und schlüpfte in die mitgebrachten Sachen. Unbemerkt konnte sie nun durch die Hintertür verschwinden um in ihrem klapprigen Kleinwagen davon zu brausen. Der Weg zu ihrer Wohnung  war keine 20 Minuten entfernt  und doch kam Ina auch in jener Nacht wieder erst im Morgengrauen nach Hause. Ihr Auto glich einem Blumenmeer als sie es endlich vor dem kalten Plattenbau parkte. Stolz begann sie den Wagen auszuräumen. Wie immer um diese Zeit kamen ihr  Bernd und Paul, die auf  dem Weg zur Frühschicht waren, entgegen. „Das muss ja wieder ein großer Erfolg gewesen sein, staunten sie bewundernd!" „Oh ja, meine Besessenheit im jahrelangen Training hat sich ausgezahlt Jung´s“ erwiderte sie, warf in der ihr eigenen Art den Kopf zurück und stolzierte die Treppenstufen hoch. Während die beiden Männer noch rätselten  was an dieser Frau so Besonders sei, schloss Ina ihre Wohnungstür auf. Die beiden kleinen Zimmer glichen einem einzigen  Blumenmeer. Rosen wohin man auch sah. Gut und geschmackvoll verteilt zierten sie fast jeden Zentimeter der kleinen bescheidenen Behausung. Ina legte die Rosen in die mit Wasser gefüllte Badewanne und griff nach dem Handy um für Mutter ein Foto zu machen. Schließlich sollte Mom doch die Früchte ihres Erfolges mit genießen. Mutter würde sehr stolz auf sie sein, dessen war sie sich ganz gewiss. Müde schleppte Ina sich auf den Balkon um noch einen letzten Blick auf den Friedhof gegenüber zu werfen. Dort würde sie reichlich ernten können, morgen, nach ihrem grandiosen Auftritt.

© Celine Rosenkind

Nickname 14.04.2012, 17.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die wundersame Reise des positiven Gedankens

~~~Die wundersame Reise des positiven Gedankens~~~
Die Artenvielfalt der Gedanken ist unermesslich.So wie es negative, lähmende Gedanken gibt, existieren aber auch positive welche ungeahnte Kräfte haben. Leider haben viele Menschen die Macht des positiven Denkens längst verdrängt. Es scheint einfacher und interessanter, allem Schönen misstrauisch und argwöhnisch gegenüberzustehen. Dabei hatte alles einst so schön und vielversprechend begonnen. Einst schwebte der positive Gedanke über die Erde, um nach einem geeigneten Ruheplatz Ausschau zu halten.. Auch war er auf der Suche nach einem Wesen, was sich Mensch nannte. Er ließ sich auf einer leuchtend roten Blüte nieder. Doch diese schwankte nur im Winde und puderte ihn mit Blütenstaub. So verließ er sie. Er bewunderte die Schöpfung in all ihrem Facettenreichtum. So sah er die emsige, fleißige, kleine Ameise, bewunderte die Spinne welche in feinster Kleinstarbeit ihr Netz webte und freute sich an den Kreaturen, die in Wald, Wiese und Wasser zu Hause waren. Es schien, als wären alle rundherum zufrieden und glücklich. Der positive Gedanke flog weiter und fand ein sonderbares Wesen, welches lustlos und traurig auf dem Boden hockte. Es schien Langeweile zu haben und stocherte ohne aufzuschauen in der Erde herum. Das also war die Krone der Schöpfung? Dieses Wesen nannte der Schöpfer Mensch. "Lass mich in dein Herz!" sagte der Gedanke. "Als Belohnung werde ich dir die Lebensfreude schenken, den Spaß und den Genuss." So zog der Gedanke in das ihm unbekannte Wesen ein. Der Mensch aber wurde neugierig und begann sich umzusehen. Alles, was er fand und tat, bereitete ihm große Freude. Dankbarkeit und Frieden zogen in sein vormals unruhiges Herz ein. Er freute sich an den Blumen. Er genoss den Anblick der Wolken. Er liebte es, umher zugehen und innezuhalten. Er aß mit Freude und trank das Wasser mit Wonne. Leider  genoss er es auch, die Blumen zu zertreten, das Wasser zu verschmutzen, und die schwachen Kreaturen zu fangen um sie zu quälen. Er entdeckte die Gewalt und den Hass, mit welchem er glaubte, sein Eigentum verteidigen zu müssen. Da gebot ihm der positive Gedanke Einhalt: "Ich werde dich das Zweifeln lehren, damit du bereit bist, über alles, was du tust, vor dir Rechenschaft abzulegen." Nicht lange, da saß der Mensch wieder auf dem Boden,zerrissen zwischen dem, was er tun wollte, und der Furcht davor, etwas zu zerstören. Er war darauf bedacht, alles zu vermeiden, was er nicht ausführlich bedacht und vorhergesehen hatte. "So ist das nicht gut", sagte der Gedanke. "Als ich dich traf, warst du lustlos und ohne Ziel. Doch jetzt weißt du, was Lebensfreude ist, und versagst sie dir aus Angst, dein Ziel zu verfehlen. So will ich dir die Hoffnung schenken, die dich aus der eisernen Umklammerung von Lust und Zweifel befreien soll!" Mutig geworden richtete sich der Mensch wieder auf. Er sammelte und zimmerte sich eine Welt, von der er glaubte, dass sie lebenswert sei. Auch sammelte er Blumensamen, säte und hoffte, sich an ihrem Duft und ihrer Schönheit zu laben. Er er erfand köstliche Speisen und  unterhaltsame Spiele. Doch er konnte die Zeit nicht vergessen, wo er nur pure Lust empfand; wo alles, was er tat, ihm Spaß bereitete, ohne dass Zweifel an ihm nagten. Die Hoffnung , dass es, so sehr er sich auch mühte, je wieder so sein würde, schwand immer mehr. Ja der Zweifel drohte, ihn wieder Trübsal versinken zu lassen. Jedes Misslingen schien ihm ein Zeichen, Schmerz brannte sich in seine Seele Jedes Scheitern ließ ihn verzweifeln. Die Hoffnung schwand und verwandelte sich in Sehnsucht. Da schaute ihn der  positive Gedanke ein letztes Mal an und sagte: "Ich werde dir eine letzte Tugend schenken. "Du sollst vergessen können, damit die Hoffnung nicht stirbt und die Freude ungetrübt sein kann." Schnell geriet der positive Gedanke mit all seinen wundervollen Kräften in Vergessenheit. So kam es, dass der Mensch seine größte Chance leider nicht erkannte, und sie auch bis zum heutigen Tage leider nur selten wahrnimmt. Ich habe dem positiven Gedanken in meinem Herzen ein großes helles Zimmer eingerichtet.Wir haben uns viel zu erzählen, erleben gemeinsam große Wunder.Falls dich diese Geschichte neugierig gemacht hat, probiere seine Wirkung doch einfach einmal aus. Er ist einfach zu bekommen, lässt sich leicht einfangen, mit offenem Herzen und einem strahlenden Blick. Ich bin mir sicher, seine Anhängerschaft wird bald mächtig ansteigen denn schließlich kostet er nicht einen einzigen Cent.Noch eine Nachdenklichkeit sei erlaubt; sind wir nicht alle Teil eines einzigen, großen und unbegreiflich positiven Gedankens.Ich habe für mich eine Antwort gefunden und du lieber Leser?
 @Celine Rosenkind

Nickname 24.02.2010, 14.33 | PL

Ein bisschen Zartgefühl

Ein bisschen Zartgefühl

Ein fünffacher Großvater, der sollte doch wirklich
gelernt haben". Sie sah ihren Mann vorwurfsvoll und
kopfschüttelnd an.
"Was denn gelernt?", fragte er und zupfte verlegen
an seinem grauen langen Bart.
"Ach, das weißt du ganz genau, ich habs dir schon
hundertmal erklärt!"
"Was man hundertmal sagt, wird dadurch auch nicht richtiger."
Er lächelte versonnen.
"Also, ich verwöhne unsere Enkel zu sehr?"
"Viel zu sehr", sagte sie und schaute ihn vorwurfsvoll an.
"Na gut, ich werde standhaft bleiben, wie ein Felsen in der Brandung!"

Das Weihnachstfest kam.

Alle 5 Enkel hatten wunderschöne Bastelarbeiten gemacht, hatten
etwas gemalt, ausgesägt, modelliert und geklebt.
Wunderschöne Geschenke waren das für die Großeltern.
Mal mehr, mal weniger gelungene kleine Kunstwerke.
Nach der Bescherung telefonierte der Großvater mit seinen Kindern
und bedankte sich für die vielen liebevoll handgemachten Geschenke.
Er sagte, wie stolz er sei, dass seine Enkelkinder so wohlgeraten,
noch auf alte Tradition achten würden.
"Immer dieses Loben" murmelte die Frau, "du verwöhnst sie."
"Nein, ich ermutige sie weiterzumachen und zu bleiben wie sie sind."
"Aber, du siehst doch, dass manches nur oberflächlich zusammengebastelt
wurde so in letzter Minute und dafür bedankst du dich noch?"
Der Großvater drehte sich wortlos um und ging zum Gabentisch zurück,
der von den Geschenken der Enkelkinder übersät war.
Er betrachtete eines nach dem anderen in bedächtig, versonnen
in tiefer Beseeltheit.
Von wem war nun eigentlich was?
Am nächsten Tag meldete sich der älteste Sohn mit Familie zu einem
Weihnachtsbesuch an.
Nach einer freudigen Begrüßung am Telefon
meldete sich ein kleine zarte und traurige Stimme. Es war Anna, seine
kleine zehnjährige Enkeltochter. "Ich habe es eben erst bemerkt", schluchzte sie.
"Schade, dass mein Geschenk nicht so schön geworden ist,
Großvater, ich hab euch sehr lieb"
Der Großvater antworte mit Tränen in den Augen, wie schön das
Geschenk doch sei und dass allein das Wollen und der Zeitaufwand
schon für ihn das Größte wäre.
Dann suchte er auf dem Gabentisch nach den verunglückten Geschenk von Anna.
Er fand eine kleine Schachtel, einst mit Muscheln beklebt,
welche sich aber nun auf dem Gabentisch zwischen den Geschenken gelöst und
einzeln wiederfanden.
"So, so und dafür hast du sie noch gelobt", sagte die Großmutter vorwurfsvoll.
Er konnte es nicht mehr ertragen und sank in seinem Stuhl zusammen.
Hatte er all die Jahre nie bemerkt, wie negativ sich Martha entwickelt hatte?
Er schaute sie traurig an während er bemerkte:
"Man muss auch über Fehler hinwegsehenkönnen so, wie ich
dir Jahre lang verziehen habe, obwohl du nicht perfekt bist."
"Keiner ist das Martha. Ein bisschen Zartgefühl, das würde ich
dir gerne von mir abgeben."
"Warum hast du nie etwas gesagt, ich habe, so oft vergeblich auf
eine kleine Zurechtweisung gewartet."
"Ja, siehst du, man muss sich in den anderen hineinversetzen können,
dann kommt alles von allein."
"Die Kleine, hat keinen guten Klebstoff verwendet," sagte Martha
und dann saßen die beiden einträchtig am Tisch und klebten gemeinsam die Muscheln
auf die kleine Schachtel!
Nicht nur die Muscheln klebten gut, es war, als hätte dieser Klebstoff auch die Großeltern
aufs Neue verbunden.
Zartgefühl regierte nun ihrer beider Leben.

© Celine Rosenkind 

Nickname 12.01.2010, 13.31 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Seine wichtigste Entscheidung

Seine wichtigste Entscheidung

Karl hatte sich mit seinem seelischen Durcheinander und dem Stückchen
Papier in der Hosentasche auf den Balkon geflüchtet. Unbemerkt war es ihm gelungen, die Party zu verlassen.
Plötzlich war seine kleine Welt nicht mehr so heil und er fühlte sich mies und unbehaglich. Mit ein paar lumpigen Zahlen hatte dieser Mensch im Nadelstreifenanzug ihm einen dicken roten Strich durch sein bisheriges Leben gemacht. Seine Gefühle schlugen Purzelbäume, fuhren Achterbahn und lösten in ihm ein Chaos aus, welches er bisher nicht kannte. Verzweifelt blickte er in den sternenklaren Himmel und glaubte auf dem Vollmond ein breites Grinsen zu entdecken.
Verdammt, warum musste gerade ihm das passieren und warum gerade jetzt. Jetzt wo sein Glück doch rundherum perfekt war. In einem Lebensabschnitt, auf den er und seine Frau Laura 15 Jahre hingearbeitet hatten.
Es war nicht immer einfach gewesen aber sie fühlten sich unendlich reich. Hatten einander, liebten einander. Zusammen hatten sie diesen Traum von der Eigentumswohnung wahr gemacht. Die Tatsache, dass Felix sich auf dem Weg zum Ziel dazwischengedrängelt hatte, war nur eine überaus angenehme Überraschung. Er war es, der allen Dingen noch einen tieferen Sinn gab.
Nein und nochmals nein! Niemals würde er dieses Glück aufs Spiel setzen.
Nicht er, Karl Petersen, der stolze Vater eines siebenjährigen Jungen. Nicht er, Karl Petersen, der stolze Ehemann einer liebenswürdigen und reizenden Frau deren Liebe er sicher sein konnte.
Nicht er, Karl Petersen, der sein Leben, so wie es wahr als ausgefüllt und beglückend empfand.
Sicher, wenn er diesem kleinen Stück Papier nun die Oberhand über sein Leben  abtreten würde, wäre er für die Finanzwelt ein gemachter Mann. Ein sogenannter dicker Fisch den zu ködern man gerne bereit war.
Wie ferngesteuert kramte er aus seiner Hosentasche den verhassten Lottoschein hervor. "Ich werde dich das Fliegen lehren," murmelte er, während er ihn zu einem millionenschweren Papierflugzeug umdeklarierte. Der Nachtwind schien, um die nicht gewollte Kostbarkeit zu wissen, und trug es sanft davon.
Erleichtert rückte Karl seine Krawatte zurecht, um zur Party zurückzukehren.
Nichts konnte sein Glück nun mehr stören.
Übrigens hat er nie wieder Lotto gespielt; denn der Einsatz erscheint ihm noch heute zu hoch!

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 09.09.2009, 19.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mitten in Berlin



Heimweh nach Spandau bei Berlin
Vieles könnte ich über Berlin schreiben.
Vielleicht liegt es ja an meinen Heimwehattacken, die mich ab und zu noch überfallen.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich dieser Stadt mit ihren Menschen einmal nachtrauern würde.
Wenn ich an Berlin denke, dann erzähle ich oft und gerne folgende kleine Begebenheit.
In unserem Stadtteil Spandau entstand Mitte der 80er Jahre ein wunderschönes kleines Einkaufzentrum. Es war ein kleine Einkaufsoase inmitten einer neuen großen Plattenbausiedlung. Bequem war das Einkaufen geworden, und es dauert nicht lange, bis ein  großes Metallhäuschen in der Fußgängerzone auftauchte.
Rote Plakate vermittelten den Käufern, dass hier Imbissläden eröffnet würden. "Dette iss ja echt dufte", meinten wir Anwohner und rätselten, was man dort wohl kaufen könnte.
Des Rätsels Lösung ließ nicht lange auf sich warten.
Nur wenige Tage später pries auf der einen Seite Achmed seine türkischen Spezialitäten an, während auf der anderen Seite Kalle mit seiner echten Berliner Currywurst in hausgemachter Zwiebelsoße lockte.
Döner und Currywurst unter einem kleinen Imbissdach zusammen mit Achmed und Kalle das geht gar nicht?
Das haben wir anfangs auch gedacht aber die Beiden haben sich super verstanden.
Achmed hatte für seine kleinen hungrigen Besucher sogar eine immer gut gefüllte Eis-Truhe  angeschafft.
Es war eine familienfreundliche kleine Ecke vor der man sich gerne
auf einen Snack und ein Schwätzchen traf. Eitel Freude Sonnenschein könnte man nun denken.
Aber die Zeit blieb nicht stehen und der Ideenreichtum unserer Stadtväter auch nicht brach liegen.
Schließlich musste das Einkaufszentrum ja attraktiv gestaltet Käufer anziehen.
Es dauerte nicht lange, da zog Pedro mit seinem Eiskaffee ein, Yang Li eröffnete genau um die Ecke ein prächtiges Chinarestaurant, und genau auf der anderen Straßenseite, konnte man bei Alfredo, Pizza und Muscheln verzehren.
Das war wirklich ein breit gefächertes Angebot.
Wer nun denkt, einer der genannten Personen habe umsatzmäßig einen Nachteil gehabt der irrt sich.
Genau das Gegenteil war der Fall. Im Eiskaffee wurde der Gast nach Verzehren seines Eisbechers freundlich auf die umliegenden deftigen Nahrungsquellen hingewiesen. Bei Achmed und Kalle machte man den Kunden auf das leckere Eis bei Pedro aufmerksam. Das war nach einem herzhaften Döner oder einer scharfen Currywurst für manchen eine richtige Erlösung.
Kalle verkaufte in seinem Imbiss kein kaltes Bier mehr, nein er schickte seine durstigen Gäste zu Pedro, nicht ohne dessen Salatteller in den höchsten Tönen zu loben. Auch erzählte man so nebenbei, wie lecker man bei Yang Li Sake schlürfen könne oder dass der Lycheewein etwas ganz besonders sei.
Nicht lange danach feierten wir alle den Fall der Berliner Mauer und bekamen noch unser Gretchen mit ihrem Quarkbällchenstand dazu.
Nun hatten wir ein kleine, kulinarische Insel, inmitten eines der schönsten Stadtteile Berlins .
Während ich diese Geschichte schreibe, kommt mein Heimweh zurück und mir wird klar; "Icke liebe mein Spandau immer noch…….."

© Celine Rosenkind

Nickname 05.09.2009, 18.13 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Liebe ohne Ende




Liebe ohne Ende

In einem kleinen verträumten Dörfchen lebte zu meiner Jugendzeit ein altes Ehepaar.
Es unterschied sich vom Äußeren kaum von den Dorf- bewohnern.
Beide waren schon hochbetagt und gingen immer noch Hand in Hand ihren täglichen Besorgungen nach.
Abends, wenn die Bauern sich müde unter unserer alten Dorfkastanie einfanden, saßen auch die beiden Alten in ihrer Mitte.
Händchen haltend und mit einem ganz besonderen Lächeln in den gütigen Augen und auf den Lippen.
Angeregt unterhielten sie sich mit den Dorfbewohnern, während wir Kinder ausgelassen um den Kastanienbaum tanzten.

Ich selbst hatte keine Eltern und kannte Wärme und Geborgenheit nur durch meine damaligen Pflegeeltern.
Froh und dankbar war ich, wenn ich wieder einmal >zu Hause< sein durfte.
Ich konnte mich an diesen beiden Menschen nicht satt sehen.
SIE war klein und zierlich. Von der vielen Arbeit war ihr Rücken leicht gekrümmt und sie himmelte IHN aus wunderschönen graublauen gütigen Augen an.
Sie musste zu ihm aufsehen, denn er war so groß und von schlanker Gestalt.
Er schaute liebevoll auf sie hinab und drückte verstohlen ihre kleine Hand.
Ob sie wohl je gemerkt haben, wie sehr ich sie verehrte und beobachtete?
Für mich stand fest, so wollte ich auch sein, so eine Liebe wie die beiden wollte ich erleben!

Meine Pflegemutter verriet mir nach langem Drängen, dass die Beiden sich sehr spät gefunden hatten. Für eigene Kinder war es zu spät.
Der Krieg hatte in ihrem Leben eine wichtige und traurige Rolle gespielt.

Dass hinter dem Rücken getuschelt wurde, war den beiden Liebenden egal.
Sie gingen unbeirrt Hand in Hand durch unser Dorf. Man sah sie stets zusammen.
Oft sah ich sie beide wartend an der Haltestelle sitzen Hand in Hand.
Er strich ihr sanft das graue lange Haar zurück und oft küssten sie sich, ganz versunken in ihrer eigenen Welt.
Ich nahm jede Gelegenheit war, den beiden Alten zu begegnen.
Ein fröhliches "Guten Tag" und ein lieber Blick aus ihren Augen und die Welt war für mich in Ordnung.
Ich werde niemals den Tag vergessen, der mein Leben verändern sollte.

Unser Pfarrer teilte uns ein, die Erntedankspenden abzuholen. Ich hatte das große Glück die Straße zugewiesen bekommen, wo die beiden lieben Menschen wohnten.
Das Herz klopfte mir bis zum Hals, als ich zitternd und mit weichen Knien vor ihrer Haustür stand um zu klingeln.
Es dauerte eine Weile, bis die Tür geöffnet wurde.
Da standen sie beide eng umschlungen, in weiße Bademäntel gehüllt und lächelten mich an.
Diesen Ausdruck in ihren Gesichtern, diese Liebe, die aus Ihren Augen strahlten, werde ich niemals vergessen.
Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, mich mit den Beiden alleine unterhalten.
Bei anregendem Gespräch wurden Kekse geknabbert und Saft getrunken. Ich war unbeschreiblich glücklich.
Dieses kleine zu Hause der Beiden war mit, so viel Wärme und Liebe ausgefüllt, dass es mir schwer fiel, zu gehen.
Ich war ohne es zu merken, ein bisschen erwachsener geworden.

War ich oft aus Trauer über mein Schicksal schüchtern und stumm, so konnte ich jetzt selbstbewusster durch die Gassen meines Dorfes laufen.
Ich war stolz, stolz darauf, solche Menschen zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
Wir haben oft zusammen geredet. Manche Weisheit über das Leben, die Liebe und Erwachsen werden gaben sie mir mit auch meinen Lebensweg.
Aber auch die schönsten Zeiten gehen vorbei.

Ohne Vorwarnung griff das Schicksal ein und versuchte die Beiden zu trennen.
Ich sah meine Freunde nie wieder zusammen in den Straßen oder an der Haltestelle.
Sie lief gramgebeugt allein zum täglichen Einkauf, denn er war sehr krank geworden.
Ich ahnte, dass unsere kurze, wunderschöne, gemeinsam verbrachte Zeit zu Ende war.
Nie wieder hat die kleine zierliche Frau mir zugelächelt und ich hatte Angst etwas Wunderschönes zu verlieren.

Wir alle machten uns Sorgen um das Pärchen, nur helfen konnten wir nicht.
Da war jedes tröstende Wort überflüssig.
Ich war so traurig und fühlte mich so ohnmächtig. Ich war zornig auf meinen persönlichen Gott und wollte das nicht verstehen.

Dann an einem wunderschönen Sonntagmorgen ging es wie ein Lauffeuer durchs Dorf.
Man hatte die Beiden gefunden, tot sich an den Händen haltend, in ihrem Schlafzimmer.
Beide sahen aus, als würden sie schlafen und ein friedliches Lächeln umspielte ihre bleichen Lippen.
Sie hatten den gemeinsamen Tod gewählt, um nicht getrennt zu werden.
Aus Ihrem Testament ging hervor, dass beide in einem Sarg beerdigt werden wollten und wenn man mich nicht beschwindelt hat, kam man dieser Bitte nach.
Sicher habe ich niemals wieder so geweint wie in diesen schrecklichen Tagen.
Ich hatte etwas verloren und erst viel später begriffen, dass ich eine wunderschöne Erbschaft angetreten hatte.

Der Tag der Beerdigung glich einer einzigen Prozession.
Das ganze Dorf war auf den Beinen, um den Beiden die letzte Ehre zu erweisen.
Damals sang ich im Kirchenchor. Mühsam versuchte ich es jedenfalls dieses Lied;
"So nimm den meine Hände und führe mich" zu singen.
Ich schaute in den Himmel und bildete mir ein, die beiden Hand in Hand dort oben zu sehen, mit dem ihnen ureigenem, liebevollen Lächeln.

Das Leben ging weiter, aber es war still unter unserer Dorfkastanie. Keiner hat dort jemals Ihren Platz eingenommen und oft sahen unsere Bauern verstohlen zu den beiden leeren Plätzen.
Wir Kinder tobten nicht mehr so unbekümmert herum wie einst.
Es war, als hätte dieses kleine alte Ehepaar mit seinem stillen Dasein die Liebe in unser Dorf gebracht, die uns nun so fehlte.
Zwei Menschen, unscheinbar und doch so strahlend -- es war, als hätten wir ein wichtiges Kleinod verloren.
Diese beiden Menschen haben etwas sehr Wichtiges in mir geprägt.
Die Erkenntnis wie schön Liebe sein kann und wie sie sein sollte.
Das war ihr Erbe, welches sie an mich weitergegeben hatten!
In mein Tagebuch habe ich geschrieben, nicht eher ruhen zu wollen, bis auch ich solch eine große Liebe gefunden habe.
Inzwischen habe ich sie gefunden, diese große Liebe, von der ich immer nur geträumt habe.
Ich habe den wundervollsten Mann der Welt und nun bin ich die kleine Frau, die IHN anbetet und ohne ihn nicht leben will und kann.
Wenn unsere Lebensuhr abgelaufen ist, dann will ich auch Hand in Hand mit ihm zusammen dorthin gehen, wo nur noch die Liebe regiert.

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 05.08.2009, 14.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Gelebtes Leben

Gelebtes Leben

Es war an einem dieser wundervoll sonnendurchfluteten Tagen.
Alles schien perfekt, meine Stimmung war der Natur angepasst.
Hochsommer in meiner Seele, hoffnungsvoll, zuversichtlich überlegte ich meine Ziele die ich mir gesteckt.

Während ich zufrieden mit mir so vor mich hinträumte, genüsslich meinen Kaffee schlürfte, kam SIE in unseren Garten, warf sich auf den Stuhl, der mir gegenüberstand, und begann nervös in ihrer Hosentasche zu kramen.
„Verdammt, ich habe sie doch eingesteckt oder doch nicht,“ flüsterte SIE verärgert.
Resigniert saß SIE mir gegenüber,  die Frau, die ihr Leben bereits gelebt und für die alles  hier auf  Erden keinen Sinn mehr machte.

Unbehagen machte sich in mir breit wie das bei mir eben so ist, wenn ich in Gesellschaft von negativen Menschen bin.

Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, ganz fest vorgenommen, IHR zu sagen, wie sehr mich diese Gespräche mit IHR belasten. Mir gar die Luft zum Atmen nahmen.

Nur, wie sollte ich das IHR antun. Ihr, dieser Frau, die das Leben bereits gelebt hatte?

Ihr, die ich weder für die Natur noch den Sommer begeistern konnte, weil sie das schon zu oft erlebt als langweilig empfand?

Ihr, die sich über Kinderlachen und Hundegebell genau so wenig freuen konnte, wie über einen kleinen Blumengruß, der meinen Frühstückstisch zierte?

Es ist wirklich nicht leicht mit Menschen, die ihr Leben bereits gelebt, und damit abgeschlossen haben.

Auch sei Sex in ihrem Alter so was von öde - versuchte sie mir an diesem Sommermorgen eindringlich zu erklären.

Dass es keine Liebe gäbe, davon versuchte sie mich lauthals zu überzeugen, obwohl ich doch zuhörte  - IHR doch gar nicht dazwischen geredet habe.

Hoffnungslos sei die Lage in unserem Land, weil wir doch so viele soziale Ungerechtigkeiten hätten.

Ich kam mir dumm und unerfahren vor und doch,
vielleicht werde ich das ja auch so sehen,
wenn ich mein Leben gelebt habe, wer weiß das schon?

Die Worte: „Na, dann geh ich mal wieder und vergiss die Feier zu meinen 21. Geburtstag nicht,“ rissen mich aus meinen Gedanken.
Während ich dieses „Bis bald"  erwiderte, versuchte ich mich zu erinnern, wie das den damals
bei mir gewesen ist, damals... vor 38 Jahren

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 29.07.2009, 19.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der geheimnisvolle Fund

Der geheimnisvolle Fund

Lena war eine sehr fröhliche junge Frau der man nicht anmerkte, dass  in ihrer Kindheit die Welt alles andere als rosig gewesen war.
Die Erinnerungen liefen ihr immer noch hinterher. Seit sie eine kleine Familie hatte, versuchte sie alles erfolgreich zu verdrängen.
Lena hatte die Angewohnheit,  ihre Hausarbeit stets mit einem Lied auf den Lippen zu verrichten. An jenem Sommermorgen verharrte sie beim Staubwischen glücklich vor dem Hochzeitsbild.
Ja, sie hatte Glück gehabt mit ihrem Mann Gerd, der es von einer kleinen Kfz-Werkstatt zu einem recht ansehnlichen Autohaus gebracht hatte.
Er biss ihr immer liebevoll ins Ohrläppchen und nannte sie seinen Glücksstern.
Das gemeinsame Töchterchen Julia war die Krönung dieser großen Liebe.
Wo war Julia eigentlich, schoss es Lena durch den Kopf.
Das Haus war noch nicht fertig  und sie würde doch wohl nicht…
Lena mochte gar nicht daran denken, denn die Kellertreppe war noch nicht richtig befestigt.  Zu ihrer Beruhigung stellte sie fest, dass sie die Tür abgeschlossen hatte.
„Julia,“ rief sie laut durch das kleine Haus und folgte den Geräuschen, die vom Dachboden kamen.
„Mama, hier bin ich vor einer großen Schatzkiste,“ tönte ihr ein kleines Stimmchen entgegen
Ein blaues Augenpaar lachte sie an.
„Sieh nur, was ich gefunden habe,“ sagte Julia stolz und hielt triumphierend einen Gegenstand
wedelnd in die Luft,  während Lena nach Fassung rang.
Da war ER, in der Hand ihrer kleinen Tochter.
Ein schwarzer Strickhandschuh. ER und die Vergangenheit hatten Lena wieder einmal eingeholt!
Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und lächelte krampfhaft.
„Ja, Julia, da hast du wahrlich ein Schatz gefunden! Dieser schwarze Handschuh ist etwas ganz Besonderes.  Wenn der reden könnte….."
„Oh Mama bitte, bitte erzähle“, bettelte Julia, während sie die Treppe die  zum Dachboden
führte vorsichtig hinunter robbte.

Lena sank erschöpft in ihren Lieblingssessel und schwups, saß Julia auf ihrem Schoß.
„Sieh mal Mama, der Handschuh ist mir noch zu groß“ bemerkte Julia. Lena streichelte sanft über dieses Überbleibsel, was sie eigentlich niemals wieder sehen wollte.
Ihre Augen wurden schwer.  Erlebtes rollte wie ein Film vor ihr ab während sie Julia erzählte.

Es war in jenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Hamsterkäufe waren damals an der Tagesordnung.  Die Leute in den zerstörten Städten mussten Schmuck und andere wertvolle Sachen, gegen Lebensmittel eintauschen.
Damals lebte sie bei ihrer Großmutter auf dem Land in einem kleinen Dorf.
Zu essen hatten sie genug, nur die  Armut war trotz allem auch hier zuhause.
Unter all den Sachen die die Großeltern durch das tauschen von Speck, Kartoffeln und Fleisch
ergattert hatten, war wirklich fast nichts, was ein Kind hätte tragen können.
Die Pullover waren viel zu groß, die Pelzmäntel zu wertvoll zum zerschneiden und die Schuhe wenig geeignet für kleine Kinderfüßchen.
Großmutter versuchte immer an Stoff und Wolle zu kommen, was ihr zeitweilig auch gelang.

„Mama, was ist den Krieg sowie Hamsterkäufe kenne ich auch nicht,“ waren Fragen der kleinen Julia, die Lena zeitweilig aus ihren Gedanken riss um alles kindgerecht zu erklären.
„Ja, Julia, damals war ich 9 Jahre alt," erzählte sie dem kleinen >Zappelphilipp<.
Eines Tages jedenfalls war es Großmutter gelungen, an einen großen Beutel schwarzer Wolle
zu gelangen.
Schwarz, die Farbe fand Lena bereits damals nicht schön aber Großmutter versprach tröstend
das Beste daraus zu machen. „Was wünschst du dir denn am meisten, fragte Großmutter.“
Oh das wusste Lena sofort. Denn es war Winter in dem kleinen Bergdorf und sie war es leid, immer mit blau gefrorenen Händchen aus dem Schnee zu kommen.
Na das lässt sich machen meinte die Großmutter und machte sich sofort ans Werk.
Am nächsten Morgen, als Lena erwachte, lagen zwei große Fäustlinge, zusammengehalten von einer Schnur, die von einem Handschuh zum anderen ging, auf ihrer Bettdecke.
Das war eine Freude. Dass sie viel zu groß waren, erklärte Großmutter mit „auf Zuwachs gestrickt," und das Band solle Lena stets um den Hals tragen damit kein Handschuh verloren ginge! Ihr sollte es Recht sein. So stapfte Lena mit viel zu großen schweren Schuhen, und allem was sie zum warm halten hatte, stolz durch das Dörfchen, um ihrer Freundin Karin
die neueste Errungenschaft zu zeigen.
Karin wohnte in einem abgelegenen Teil des Dorfes, was von den Bewohnern gemieden wurde. Holzbaracken standen dort und Großmutter sah die Freundschaft der beiden Mädchen gar nicht gern.
Das sind alles Zigeuner, und die stehlen uns nachts die Hühner, waren ihre Argumente.
Na ja, und der Dorfpfarrer sagte immer, dass diese Menschen alle katholisch seien und zu einem anderen Gott beten würden als die Dorfbewohner.
„Banditen sind das“, schimpften die Einheimischen. Das alles hatte Lena damals nicht verstanden. Für sie waren alle Menschen gleich.
Karin war und blieb nun einmal ihre allerbeste Freundin möge kommen was wolle!
Energisch warf sie den Kopf zurück und klopfte an die hölzerne Wohnungstür.
Karin öffnete und die Mädchen fielen sich wie immer freundschaftlich um den Hals.
„Sieh nur“, sagte Lena aufgeregt, „was ich hier habe“. „Oh, die sind aber schön, darf ich deine Handschuhe mal anfassen?“; fragte Karin fast andächtig.
„Was heißt hier meine“; fragte Lena ganz empört! „Bist du nicht die allerbeste Freundin, die ich auf der Welt habe?“ „Natürlich doch“, meinte Karin und nickte mit dem Kopf!
„Na also, was mein ist, ist auch dein,“ meinte Lena und drängelte; “probiere sie einmal an, die sind auf Zuwachs gestrickt meint Großmutter."
Beide mussten fürchterlich lachen als sie feststellten, dass in einen Handschuh auch zwei Händchen hinein passten.
„Das ist Klasse gell,“ meinteLena und in sekundenschnelle hatte sie sich die Schere geschnappt und das Strickband, welches die Handschuhe verband durchgeschnitten.
„Den schenke ich dir, denn so hat jeder von uns einen der unsere Hände wärmt," sagte sie ganz stolz.
Julia hatte längst aufgehört zu zappeln und lauschte ihrer Mutter andächtig. Sie hing förmlich an Mutters Lippen und wartete was da noch kam, während Lena alles um sich vergessen hatte.
 In Gedanken war sie weit weg, an jenem Ort, wo sie und ihre kleine Freundin einst lebten.
So erzählte sie Julia, dass Großmutter gar nicht böse war über das Teilen und wie wundervoll der begonnene Winter gewesen war. Das Toben im Schnee, der alten rostigen Schlitten und den Schneemann, den sie gemeinsam gebaut und behütet hatten.
Die Ereignisse jener Zeit sprudelten nur so aus Lena heraus. Diese gemeinsame Kindheit mit Karin, die ganzen Streiche die sie gemacht und wie schön diese Freundschaft für beide war. Julia hörte kichernd und staunend zu.

„Aber Mutter, was ist aus Karin denn geworden und dem anderen schwarzen Handschuh den du ihr damals geschenkt hast?"
„Das Julia, möchte ich dir lieber erst erzählen, wenn du ein wenig älter bist.  Dass es immer noch sehr weh tun würde, erwiderte Lena. Ohne, dass sie es bemerkte, kullerten schon die ersten Tränen.
„Nein Mutter, du hast deine Handschuhe auch geteilt und ich will wissen, was dich traurig macht. Ich werde auch bald wie du damals 9 Jahre alt und teilen ist wichtig hast du immer gesagt," drängelte Julia.
"Weißt du Julia, Karin lebt nicht mehr," schluchzte Lena.
Dann erzählte sie, wie fanatische Dorfbewohner nach einem Erntedankfest, die Baracken der angeblichen Zigeuner angesteckt hatten. Sie wurden im Schlaf überrascht und Karin konnte mit ihrer Familie nicht mehr fliehen. Viele wurden damals ein Opfer dieses heimtückischen Überfalls.
„Deshalb hast du den Handschuh in die Schatztruhe getan, Mutter!“
Julia nickte verständnisvoll und schlang tröstend ihre Arme um Mutters Hals.
Die Jahre vergingen aus Julia wurde eine wunderschöne junge Frau. Sie war der Engel im Leben, ihrer mittlerweile betagten Eltern. Sie engagierte sich für Minderheiten und Randgruppen. Die gute Saat der gemeinsamen Erziehung war aufgegangen.

Die Welt war moderner geworden und Lena sah sich gerne hin und wieder eine Talkshow im Fernsehen an.
Es war Freitag der 13te, ein Tag der von vielen gefürchtet, aber für Lea immer als Glückstag bezeichnet wurde, als das Unfassbare passierte.
Mit einem Limonadenglas in der Hand beeilte sich Lena vor den Fernsehapparat zu kommen als es hieß: "Ich suche Dich“

Bereits in der Küche hörte sie eine Stimme, die ihr irgendwie vertraut vorkam.
Vor dem Fernseher angekommen ließ sie das Glas fallen und schaute ungläubig auf den Bildschirm.

Eine kleine hagere Frau erzählte dort, dass sie ihre beste Freundin suche und die Geschichte mit dem schwarzen Handschuh, den sie als Beweis vor die laufende Kamera hielt.
Das war doch … „Karin“ jubelte sie.  Gerd eilte gerade noch rechtzeitig hinzu um Lena aufzufangen. Ohnmächtig war sie geworden. Ohnmächtig vor Freude und Glück und nun weinte sie hemmungslos.

Nachdem Gerd den Sender angerufen hatte, und Karin bereits auf dem Weg zu ihr war meinte Lena: „Nun habe ich das Beste, was mir von meinen Erinnerungen geblieben ist, wieder gefunden

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Nickname 19.07.2009, 16.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der Pressetermin

Der Pressetermin

Lizzy, die ewig beflissene Labormaus, so nannte Robert sie,war heute besonders aufgeregt.
Seit nunmehr fünf Jahren war dieser nörgelnde große Mann im Rollstuhl, der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben.
Ein Pressetermin war für den heutigen Tag angesagt und es sollte alles perfekt sein.
Prüfend sah sie sich im Zimmer um.
Ja, die goldenen Pokale funkelten so, wie es sein sollte.
Der von ihr ausgesuchte Platz war perfekt. Gewiss würden sie den Reportern sofort auffallen.
Alles schien perfekt, jedenfalls war Lizzy davon überzeugt.
Robert indessen saß stumm in seinem verhassten Gefährt, welches vor einem Tisch, mit Zeitschriften und Frischobstteller bestückt, geparkt war.
Wie gerne hätten seine Hände, zu Fäusten geballt, einmal auf die Tischplatte geschlagen.
Sein Mund einmal losgebrüllt, wie sehr er ihm verhasst war, dieser ganze Rummel.
Heute jedoch hatte er eingeladen.
Heute sollte es die ganze Welt erfahren!
Heute wollte er diesem Spuk ein Ende machen!
Seit er denken konnte, wurde er von der Presse begleitet.
Robert das Wunderkind war allen Medien ein Begriff. Er brachte die Mediziner zum Staunen,
als er mit 5 Monaten stolperfrei die ersten Schritte alleine machte.
Schnelligkeit schien sein Leben zu bestimmen. Auch wollte das Wachsen seines Körpers, sich nicht an vorgegebene Zeiten zu halten. Der Pfarrer meinte, Roberts Eltern seien gesegnet mit solch einem Multitalent. Nun ja, sie waren sehr fromm gewesen. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie Großeltern, Onkels und Tanten rätselten, woher er diese ganzen Veranlagungen habe.
Keiner in seiner Schule konnte schneller laufen als er.
Keiner konnte im Basketballverein höher springen und somit die Körbe besser treffen.
Keiner war mit der Schule schneller fertig als er.
Schneller, höher, weiter, diese Gaben schienen ihm in die Wiege gelegt zu sein.

Vater und Mutter waren kleine, untersetzte, ja fast dicke Menschen gewesen. Als Beamter war Vater niemals an Sport interessiert gewesen.
Dafür hatte er, Robert, viele Pokale gewonnen. Er war der Stolz seiner Eltern, seiner Schule und später eines ganzen Landes.
Dann kam er, jener verhängnisvolle Tag.
Früher als erwartet war Robert nach Hause gekommen.
Seine Eltern waren noch nicht von der Urlaubsreise zurück und Robert leerte den Briefkasten.
Ein brauner dicker Briefumschlag weckte sein Interesse.
Als Absender war ein Forschungslabor aus den USA benannt.
Neugierig öffnete er den Umschlag und fand einen dicken Fragebogen.
Wie schnell eine heile Welt in Scherben gehen kann, erinnerte sich Robert.
Gerne hätte er sein Geheimnis hinausgeschrien in die ganze Welt.
Jene bestraft, die ihm das angetan hatten. Seine Eltern hatten nie erfahren, dass er die Wahrheit kannte.
Nein, das brachte der große Mann nicht übers Herz.
Er fühlte sich betrogen. Glaubte zu wissen, dass er die ganzen Jahre in einer Scheinwelt gelebt hatte.
Nicht einmal der Versuch diesem aufgezwungenen Leben ein Ende zu machen war ihm gelungen. Statt einen richtigen Abgang hinzulegen, saß er nun gelähmt in diesem verhassten Stuhl.
Er hatte es nicht richtig in Angriff genommen war seine traurige Schlussfolgerung.
Zu viele Emotionen machten ihm viele Dinge unmöglich.
Die einzige kleine Schwachstelle, die man bei seiner Zeugung, nicht bedacht hatte,
wurde ihm somit zum Verhängnis.
Heute war sein Tag gekommen. Heute sollten es alle erfahren, um daraus zu lernen.
Die Mischung im Reagenzglas 937 war nicht ausgewogen, war ein Kunstfehler.

Menschen mit den Eigenschaften, höher, schneller, weiter, sollte man mit weniger Herz züchten …

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 09.07.2009, 13.41 | PL

Später

Später

Er war wie immer in jedem Jahr unweigerlich gekommen.
Einzig, eine vergilbte Urkunde bescheinigte, dass sie vor 65 Jahren, in dieser Welt gelandet war.
Niemand hatte sie  je gefragt noch war sie erwünscht!
Mutter nannte sie immer ein Kuckucksei …
Von  klein  auf, hatte sich das unerwünschte Menschenkind, selbst Trost zugesprochen.
Es schien fast so, als habe SIE sich aus diesem Wort  „Später“  eine Liane gebastelt, um sich von Ast zu Ast, ihrer Lebensabschnitte zu schwingen.
Ihr Blick streifte prüfend den von ihr liebevoll gedeckten Kaffeetisch.
„Sie hätten doch längst hier sein müssen;“ meldete sich traurig  das Unterbewusstsein.
Blitzschnell meldete sich die Hoffnung, um ihr zu versichern, dass es bestimmt später würden werde.
Da war er wieder, der Rettungsanker ihrer Seele.  "Später," tröstete sie  sich!
Später, ja sicher, später würden bestimmt einige Gäste vorbeikommen.

SIE setzte sich in ihren alten Ledersessel, sah versonnen in das Licht ihrer Geburtstagskerze,
als sie auf ihrem Sofa eine kleine Gestalt bemerkte.
Ein kleines zierliches Wesen, hatte dort unbemerkt Platz genommen, und schaute SIE mit traurigen Augen an.

SIE rückte ihre Brille zurecht, um den seltsamen Gast genauer zu betrachten.

Ein zerfetztes Kleid, bedeckte einen zusammengekauerten, geschundenen Körper.
Offene Wunden, blaue Flecken und zerbeulte Knochen, boten keinen schönen Anblick.

„Wer bist Du,“ fragte SIE erstaunt.
„Ich bin Dein Leben;“ erwiderte eine schwache Stimme. „Heute möchte ich Dir einmal zeigen,“ wie es mir geht. Haben wir heute nicht Geburtstag?“

„Du willst mein Leben sein?“ erwiderte SIE aufgewühlt.
„Schau Dich doch einmal an. Zerbeult bist Du, klein und armselig.
Übersät mit Wunden und blauen Flecken! Nein, das kann nicht sein.
Auch bist Du ohne Kraft und Power!
Du wirst Dich wohl in der Tür geirrt haben!“

Das kleine verkrümmte  Etwas öffnete ganz weit seine blauen Augen.
Magisch wurde SIE von diesem Blick angezogen und tauchte  ein,
in das, was sie Leben genannt.
Alles huschte an Ihr vorbei.
Ihre Kindheit mit den Schlägen der Mutter.
Ihre Ehe mit all jener Gewalt und Brutalität, die sie jahrzehntelang ertragen hatte.
Die Freude, welche ihr durch die Geburt der Kinder wiederfahren.
Die Trauer  als sie das Haus verließen!
Die Entbehrungen, welche sie mit dem Wort „Später“ verdrängt.
Der erlebte Missbrauch welchen SIE überlebt.
Sogar die Tränen, die sie nicht mehr weinen konnte, fand sie wieder.

Als sie wieder zu sich kam, war der merkwürdige Gast verschwunden.
Draußen begann es bereits dunkel zu werden und die Geburtstagskerze war längst erloschen.
Die alte Wanduhr schlug zur Abendstunde.

Mühsam erhob sie sich aus dem alten Sessel, um ein kleines Kästchen aus der Kommode zu holen. Verstummt waren die tröstenden Worte welche sie gehegt und gepflegt.
Sie goss sich einen Brandy ein, streichelte die kleine Kapsel, welche sie sich vor Monaten besorgt hatte, und schluckte Beides hinunter.
Später, war ihr letzter Gedanke, später  ist noch früh genug.
Vielleicht würde man sie ja dann vermissen...  später… wenn es zu spät war…

Urheberrecht Celine Rosenkind


Nickname 09.07.2009, 13.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Auf meinem Blog ...doch dann kam Emma ist dieses
Samtpfötcheneingezogen.



SchöneFotossamtkleinenBildergeschichten
sind künftig in Celines Pixelstuebchen
zu sehen und zu lesen.

Viel Freude beim Lesen und Schauen

auf meinen Blogs wünscht Ihnen








An meinem Lebensufer schreibe ich über alles was mich in meinem Alltag bewegt, kleine Begebenheiten die  sich nicht in Reime pressen lassen. Hier schreibe ich direkt aus dem Bauch, frei weg unter dem Motto; dem Leben über die Schulter geschaut, ganz ICH, ganz ohne Schnick-Schnack; Celine pur



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Meine neuen Kinderseiten beherbergen das Buchwussel sowie Geschichten und Märchen... Zwar brauche ich noch ein wenig Zeit alles auszupacken aber
vorbeischauen lohnt sich bestimmt. Auch hier lade ich zum lesen ein...



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