Mein Wortkarussell

- Wortkarussell - DesignBlog

Ausgewählter Beitrag

Einse seltsame Bedingung

Eine seltsame Bedingung

Eigentlich sollte es ein lustiger Abend werden, den ich nach der Chorprobe, mit meiner Mädchenklicke verbringen wollte, aber es kam alles ganz anders.
Denn hätten wir geahnt, wie dieser laue Sommerabend enden würde, wären wir niemals in diesen weißen Ford eingestiegen.


Damals waren wir gerade  14 Jahre alt, gingen ins erste Lehrjahr, und hatten in der Woche bis 22 Uhr Ausgang. Unser Jahrgang zählte 6 Mädels und ich kann euch versichern, wir waren wirklich ein tolle Truppe. Unsere Freundin Rosi hatte seit kurzer Zeit einen Freund aus dem Nachbardorf. Sie war darauf mächtig stolz und wir ein wenig neidisch.
Es war nicht so ein kleiner, pubertierender  Pickelheini, wie wir zu sagen pflegten. Nein, Michael war bereits 22 Jahre, hatte seine Lehre absolviert und fuhr sein eigenes Auto.
Unter uns gesagt, wussten wir von Rosi, dass es sogar Liegesitze hatte. 
Wir standen auf dem Dorfplatz, und berieten ein wenig gelangweilt, was wir noch unternehmen könnten, als dieses besagte Auto neben uns hielt.
Michael stieg aus, um sein Mädchen mit einem Kuss zu begrüßen.  Das hat uns mächtig beeindruckt, denn so erwachsen wie Rosi waren wir noch lange nicht. Die hatte schon richtig weibliche Formen, war modisch immer auf dem neuesten Stand, und ihre Eltern waren ziemlich reich. „Hallo Mädels, der Abend ist noch jung“, sagte Michael und schlug uns vor, in ein kleines Schlossrestaurant in der Nähe zu fahren. Dort gäbe es die erste Erdbeerbowle und er würde uns alle einladen. Zögernd sahen wir uns an. Im Auto das Dorf zu verlassen erschien uns ziemlich gewagt. Und die Bedenken, wie wir zu fünft auf der Rückbank  Platz finden sollten,  verunsicherten uns zusätzlich.
„Ich trau mich eh nicht,“ rief Heidelore und ließ uns einfach stehen. Na, dann ist ja alles Bestens lachte Michael und wir kletterten auf die Rückbank. 
Rosi durfte natürlich vorne sitzen. Triumphierend schaute sie nach hinten, wo wir vier, wie die Hühner auf der Stange, artig nebeneinander saßen.  Wenn ich ehrlich bin, war mir ziemlich mulmig zumute. Erdbeerbowle war eigentlich nichts Besonderes. Man durfte es auch mit den Eltern in den Sommermonaten trinken. Schließlich waren wir ja auch keine Schulkinder mehr, und bewiesen im Alltag, dass wir arbeiten konnten. So argumentierten wir unser schlechtes Gewissen einfach weg. Dass wir pünktlich um 22 Uhr wieder zu Hause sein würden, hatte Rosis Held uns ganz fest versprochen. Was also bitte konnte da noch schief gehen?
Während das Autoradio dröhnte, sangen wir begeistert mit, und sahen dem Verlauf des Abends gelassen und freudig entgegen. 
Die Sonne ging gerade unter,  als das weiße Auto mit uns allen auf dem Schlosshof parkte.
Michael zog eine Tüte unter seinem Sitz hervor und meinte gönnerhaft, wir sollten uns auf der Terrasse einen schönen Tisch aussuchen. Er würde die Bestellung aufgeben und alles klar machen. Mit ihm als Begleiter fühlten wir uns eigentlich ziemlich sicher.
Wie gesagt, wir waren alle gerade erst vierzehn Jahre, und Erdbeerbowle im Schlossgarten, war eigentlich in diesem Alter nicht leicht zu bekommen.
Ich weiß nicht wie Michael das geschafft hat,  aber es schien kein Problem zu sein.
Jedenfalls kam er grinsend mit dem Ober, der ein Freund zu sein schien, und einem großen Tablett, beladen mit mit dem Objekt der Begierde, zu unserem Tisch. In wunderschönen Weingläsern wurde uns die Erdbeerbowle kredenzt. Rosi fragte kichernd, ob es denn keinen Strohhalm dazu gäbe. Denn, dann würde der Alkohol schneller wirken. Wir haben nicht schlecht gestaunt über soviel Wissen. Das war für uns absolutes Neuland. 
Michael hob sein Glas, schaute uns alle der Reihe nach an, und erklärte, er wolle mit uns auf das schönste Mädchen  am Tisch anstoßen. Für uns war ja klar, wen er damit meinte. Natürlich seine Rosi. Schließlich trugen beide einen Freundschaftsring.
„Die Bowle schmeckt aber ganz anders als die, welche ich von zuhause kenne“, bemerkte ich und auch meine drei  Mitstreiter verzogen ein wenig das Gesicht. „Ach was“, tönte Rosi, ihr habt nur keine Ahnung. „Daran wird es wohl liegen“, meinte auch Michael und als wir das erste Glas geleert, waren wir albern und ausgelassen wie lange nicht. Dass man auf einem Bein nicht stehen kann, haben wir auch an jenem Abend lernen sollen, denn Michaels zweite Lage wurde gebracht. Es begann zu dämmern, die kleinen Laternen gingen rundherum an, und eine Kerze auf dem Tisch versetzte uns alle in einen melancholischen Gemütszustand. „Was die Rosi doch für ein Glück hätte“; flüsterten wir fast andächtig und dass wir dagegen, kleine dumme Puten seien.
Die Beiden ließen sich nicht stören. Sie küssten und turtelten, als wären wir gar nicht da. Inzwischen wurde es immer später. Meine Armbanduhr zeigte halb zehn an, als ich wagte, meine Bedenken zu äußern. Auch hatte ich das zweite Glas im Gegensatz zu den anderen Mädchen nicht angerührt. Ich wollte Großvaters Vertrauen nicht enttäuschen.  Nun, sagte Michael und erhob sich, dann wollen wir mal langsam  aufbrechen. Während er die ersehnten Worte sprach, schaute er mich unentwegt an. Sein Blick war komisch, bohrend, fordernd und nicht mehr lustig. Irgendwie wirkte das auf mich unheimlich.  Aber da wir ja alle zum Wagen gingen, und ich in der Gruppe war, hatte es wohl doch keine Bedeutung.
Michael öffnete die Autotür, um den Motor erst einmal zu starten. „Ach, bevor ich es vergesse“, rief er, „ohne eine Bedingung zu erfüllen, kommt ihr hier nicht weg!“ Ich glaube, da ist nicht nur mir „das Herz in die Hose“ gerutscht – so sagt man doch oder?
„Eine Bedingung“, stotterte nun Rosi und sah hilflos in die Runde.  „Ja welche Bedingung denn“, riefen auch wir, während sich langsam Panik breit machte. Das Herz klopfte mir bis zum Hals, meine Knie wurden weich. Ich verfluchte den Moment, wo ich in dieses blöde hässliche Auto gestiegen war. Ja, es hatte seinen Glanz in diesem Moment verloren. Aber es kam noch viel schlimmer als dieser Typ weitersprach. Er erinnerte uns an seinen Trinkspruch, und dass er auf ein Mädchen mit uns angestoßen habe, welches nicht seine Rosi sei. Dieses Mädchen müsse ihm einen Kuss schenken, dann würde er uns nach Hause bringen. Da war er wieder, dieser bohrende, fordernde Blick,  mit dem er mich unentwegt anstarrte. Plötzlich waren alle Augen auf mich gerichtet. Kein Zweifel mehr, der Kerl meinte mich!
„Nein", schrie ich ihn an,

Nickname 05.11.2019, 17.42

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

2019
<<< November >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    010203
04050607080910
11121314151617
18192021222324
252627282930 

Wir geben 8 aufs Wort - Banner

ausgewählt von bunte-suche.de


Online seit dem: 01.07.2009
in Tagen: 3796
Besucherzaehler