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Der Karpfen Fridolin




Das neue Jahr stand vor der Tür. Doch dieses mal verabschiedete sich das alte Jahr nicht, ohne unsere Silvesterfeier total auf den Kopf zu stellen. Silvester war in der damaligen Zeit ganz anders als wir es in der heutigen Zeit feiern.
In unserem kleinen Dorf habe ich niemals ein Feuerwerk gesehen oder den Krach von Böllern und Raketen erlebt. Damals, in meiner Kindheit, war alles noch ganz anders.
Die Menschen dort hatten immer noch den Krieg im Hinterkopf und Geld für diese Dinge, so wie sie es heute gibt, hätte niemand ausgegeben oder gar haben wollen. Außerdem hatten ja alle Bauern das Vieh und es sollte sich nicht erschrecken. Trotz allem haben wir nichts vermisst und es ging immer richtig lustig zu. Meine kleine Schwester und ich, feierten dieses Fest zum Jahreswechsel, fast immer bei den Großeltern.

Es war am frühen Silvester-morgen, als Großvater zusammen mit mir, und meiner kleinen Schwester zum Karpfenteich ging, um traditionell den Silvesterkarpfen zu fangen. Ich habe das Bild noch immer vor Augen. Großvater hatte einen riesengroßen Karpfen am Angelhaken und alle Bauern gratulierten ihm. Der Karpfen zappelte in einem großen Wassereimer als wir uns auf den Rückweg machten. "Oh ist der groß, und wie er nach Luft schnappt", plapperten wir Kinder ganz aufgeregt. Zu Hause füllten wir Wasser in die Badewanne wobei unsere Begeisterung keine Grenze kannte. Der Bursche war wunderschön und ich versuchte ihn zu streicheln.
Fridolin sollte er heißen und sollte am Abend  von uns verspeist werden? Es dauerte gar nicht lange, und die ganze Familie kniete über dem Wannenrand, um mit Fridolin zu spielen. Wir hatten viel Spaß! Die Großeltern erklärten uns sehr eindringlich, wie wundervoll doch Gott auch die Tiere gemacht habe. Auch wie so ein Fisch lebt und überhaupt...  Ich glaubte Tränen in den Augen meines Großvaters zu sehen, und auch  Großmutters tiefen Seufzer, bevor sie sich wieder auf den Weg in die Küche machte, habe ich noch im Ohr.

Für mich war klar, wir würden abends wundervoll essen, nur nicht Fridolin. Es wurde langsam dunkel und aus der Küche roch es köstlich. Fridolin schwamm gemütlich seine Ehrenrunden in der Badewanne.
Als die Küchenglocke zum Essen rief, wussten wir Kinder, dass wir gewonnen hatten. Einen liebevollen Blick auf Fridolin werfend. gingen wir erwartungsvoll in unsere gemütliche Küche, wo der Tisch festlich gedeckt war~~~mit~~ Wiener Würstchen und Kartoffelsalat. Ich blickte in die gütigen Augen meiner Großeltern und ein Stein, groß wie ein Felsbrocken wird er gewesen sein, fiel mir vom Herzen.
Das war das wundervollste Silvester an welches ich mich erinnern kann.

Wie jedes Jahr um diese Zeit lag der Schnee Meter hoch
Als es kurz vor Mitternacht war, also der Jahreswechsel vor der Tür stand, gingen wir wie immer hinaus auf den Hof, um unseren Nachbarn ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Das hättet Ihr einmal sehen sollen liebe Leser.

Dort hatte mein lieber Großvater aus dem Schnee kleine Burgen gebaut. Darin versteckt, leuchteten  viele Kerzen, die unseren Hof in ein großes Lichtermeer verwandelten. Auch das gehörte in jedem Jahr dazu. Man leuchtete dem alten Jahr nach Hause, bedankte sich für alles was es geschenkt, mit Kerzenschein. Wir schauten zum Himmel, der Schnee fiel, und zusammen mit den Nachbarn auf der verschneiten Straße, sangen und umarmten wir einander.

Was soll das neue Jahr bringen.? Was wünschen wir uns?
Jedes Jahr stellen wir uns doch alle erneut diese Frage. Ich habe mir damals das gleiche wie heute gewünscht; Frieden, Glück und Gesundheit.

Was aus Fridolin wurde wollt Ihr wissen? Dem haben wir, am Neujahrstag, zusammen mit Großvater die Freiheit geschenkt, nur wo, das habe ich niemals verraten.

erzählt nach einer wahren Begebenheit
© Celine Rosenkind

Nickname 09.01.2013, 16.36

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