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Ein aufregender Urlaub

Ein  aufregender Urlaub

Es war im Sommer 1979 als wir uns entschlossen noch einmal einen Urlaub in Rumänien zu verbringen. Meine Freundin Florica, die ich das Jahr zuvor dort kennengelernt hatte freute sich riesig auf unser Kommen. Wir waren nach den Aufregungen der letzten 3 Monate wirklich urlaubsreif. Hatte sich doch unsere Hoffnung auf ein weiteres Kind zerschlagen. Ich war mir so sicher schwanger zu sein. Diese ständige Übelkeit, das morgendliche Übergeben und mein Kreislauf spielte auch total verrückt. Doch das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung stimmte mit der Aussage von drei durchgeführten Schwangerschaftstests überein. Niederschmetternd waren alle Ergebnisse - immer nur negativ.
Der Urlaub stand vor der Tür und wir freuten uns auf die Wochen der Erholung. Übrigens war Rumänien zu jener Zeit ein wahres Urlaubsparadies. Wir konnten den Tag der Abreise kaum erwarten.
Damals stand sie noch, diese hässliche Mauer in Berlin. Um nach Rumänien auszufliegen mussten wir zum Flughafen Schönefeld und dieser lag in der damaligen DDR.
Ein Zubringerbus ermöglichte es uns West-Touristen, so nannte man uns.
Nun konnte es endlich losgehen. Erwartungsvoll schauten wir mit unserer kleinen Tochter Susanne durch das Fenster unseres Flugzeugs. Als wir endlich gelandet waren, wurde es bereits dunkel. Mit dem Bus ging es dann zu unserem Urlaubsziel. Wie groß war die Freude unsere rumänischen Freunde wiederzusehen und das Meer welches direkt vor unserem Hotel
auf uns  zu warten schien.
Ein Abendspaziergang war unerlässlich. Wir zogen unsere Schuhe aus um den Sand zwischen den Zehen zu spüren. Es war einfach herrlich bis...
Plötzlich schien der Sand unter meinen Füßen lebendig zu werden. Ich war auf etwas weiches und jaulendes getreten. Erschrocken traten wir spontan ein paar Schritte zurück.
Vor uns, kaum von der Farbe des Sandes zu unterscheiden, lag ein kleines Fellbündel.
Große vorwurfsvolle Augen schauten uns an und ich bückte mich neugierig um dieses Etwas näher zu betrachten. Vorsichtig hob ich es ganz behutsam hoch. Das kleine Wesen war ein ganz junger Welpe, ein sandfarbenes Hundebaby. Wortlos und erstaunt schauten wir uns  beide an, das Fellknäuel und ich. Es war Liebe auf den ersten Blick. Für mich stand ohne Überlegung fest, dass ich es nie wieder hergeben würde. Ich sah es ein wenig als Wiedergutmachung für das vergebliche Hoffen der letzten Monate.
„Nun haben wir doch ein Baby“, sagte ich zu meinem Mann. Dieser aber schien wenig begeistert. Seine Überlegungen, wie man einen kleinen Hund in unserem Hotel aufnehmen würde und wie wir ihn nach Deutschland, ja sogar über die Grenze bekommen sollten, waren sehr realistisch und nicht von der Hand zu weisen.
Als mein Göttergatte mir dann noch erklärte, ich solle das alleine lösen, war ich versucht aufzugeben, bevor alles richtig angefangen hatte.
Ich bat ihn, meiner Freundin doch im Hotel Bescheid zu sagen in der Hoffnung, sie würde ein Lösung finden helfen. Florica konnte mich verstehen. Allerdings musste sie mir mit Tränen in den Augen erklären wie teuer es sein würde die notwendigen Quarantäne und Ausfuhrpapiere  zu beschaffen. Es erwies sich als vorteilhaft dass ich meine eigene Urlauskasse dabei hatte.
Der Hotelmanager hatte gegen eine Stange West - Zigaretten nicht dagegen, dass Scumper, so hatte Florica ihn getauft, in unserem Hotelzimmer wohnte. Während mein Mann mit unserer Tochter das tägliche Strandleben genoss, fuhr ich mit einer rumänischen Familie quer durch das Land um die notwendigen Papiere zu besorgen. So lernte ich die Herzlichkeit  und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung kennen. Ich sah all das, was für uns Touristen eigentlich nicht gedacht war. Wie bescheiden diese Menschen lebten. Dagegen erschien mit der Luxus in unserem Hotel ungerecht und übertrieben. Damals lernte ich dieses Land mit seinen Menschen lieben. Sie halfen mir eine Tierärztin zu finden welche mein Anliegen verstehen konnte. Ob sie es nur wegen der begehrten D-Mark tat, sei dahingestellt. Meine kleine Reserve war fast aufgebraucht aber ich hatte endlich die notwendigen Papiere. Sogar die notwendige Milch und das Milchpulver welches ich brauchte um meinen Hund satt zu bekommen  konnte ich noch bezahlen. Florica schenkte ich fast alle meine mitgebrachten Jeans  als Dank für ihre Hilfe.
Ich war müde und erschöpft aber unheimlich glücklich. Viel hatte ich lernen und erfahren dürfen in diesen Wochen. Der Urlaub neigte sich dem Ende zu.
Mann und Kind waren braungebrannt vom Strandleben. Sie bewunderten meine Ausdauer, hatten meine Abwesenheit wohl nicht als störend empfunden.
Bevor wir wieder die Koffer packen mussten gab es vom Reiseveranstalter noch ein großes Kinderfest.  Mit meinem kleinen vierbeinigen Freund auf dem Arm, feuerte ich Susanne beim Tauziehen an---es war das letzte was ich sah, bevor es dunkel um mich wurde.
Ich erwachte in der Poliklinik. Mein Mann und drei Ärzte standen um mein Bett.
Alle schüttelten verständnislos den Kopf.
„Junge Frau, was haben sie bloß für Ärzte in Deutschland“, fragte mich ein älterer Mann im weißen Kittel während mein Mann mich anstrahlte.
„Da habt ihr in Berlin die teuersten Ultraschallgeräte und meine Kollegen dort können nicht einmal eine Zwillingsschwangerschaft feststellen.“ Das war wirklich zuviel für mich. Ich erfuhr, dass ich bereits im vierten Monat schwanger war. Ich hab’s doch gewusst jubelte ich und fiel dem Arzt spontan um den Hals. Dieser drückte mir ein Attest in die Hand und erklärte mir, dass ich in der ersten Klasse zurückfliegen dürfe.
Das war wahrlich ein schöner Urlaub. Ein Urlaub voller Überraschungen, den ich niemals vergessen werde.

© Celine Rosenkind



Nickname 24.07.2011, 11.42

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