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Tinas Welten

Baby du  siehst wieder einmal umwerfend aus, raunte Pedro als Ina durch den Bühneneingang gestelzt kam. Das weiß ich antworte sie überheblich und funkelte ihn aus feurig dunklen Augen an. Oh ja, Ina wusste um ihre Schönheit. Selbstverliebt betrachtete sie sich in dem Spiegel ihrer Garderobe während sie einige Steppübungen machte.  Ihr Lebenstraum hatte sich fast erfüllt. Als rassige Flamencotänzerin verdiente sie sehr gut. , Hatte eine schicke Wohnung, fuhr einen tollen Sportwagen, nur der Mann ihrer Träume, schien unerreichbar zu sein. Noch schien er zu ihrer Trainerin und besten Freundin zu gehören, auch wenn diese nach einem schweren Unfall im Rollstuhl saß. Sie musste ihn haben, koste es was es wolle. Bei diesem Gedanken wirkte ihr sorgfältig geschminktes Gesicht maskenhaft und fast abstoßend.
Das Klingeln, welches sie zum Auftritt rief,  riss sie aus ihrer Gedankenwelt. Der Abend nahm wie immer seinen Lauf.  Ihr Auftritt mit Francesco ihrem Traumann verlief  wie immer grandios. Sie konnte nicht umhin, der Zuschauerin im Rollstuhl einen triumphierenden Blick zuzuwerfen.  Ihre Blicke glichen einem wortlosen aber kämpferischen Duell. Inas Gier nach Aufmerksamkeit war gestillt und so stürmte sie wie jeden Abend ohne zu feiern, den vermeintlichen tobenden Beifall noch im Ohr in ihre schmucklose Garderobe. Es war seit  einigen Jahren das gleiche nächtliche Ritual. Gehetzt schaute sie auf ihre kleine Armbanduhr, schminkte sich ab und schlüpfte in die mitgebrachten Sachen. Unbemerkt konnte sie nun durch die Hintertür verschwinden um in ihrem klapprigen Kleinwagen davon zu brausen. Der Weg zu ihrer Wohnung  war keine 20 Minuten entfernt  und doch kam Ina auch in jener Nacht wieder erst im Morgengrauen nach Hause. Ihr Auto glich einem Blumenmeer als sie es endlich vor dem kalten Plattenbau parkte. Stolz begann sie den Wagen auszuräumen. Wie immer um diese Zeit kamen ihr  Bernd und Paul, die auf  dem Weg zur Frühschicht waren, entgegen. „Das muss ja wieder ein großer Erfolg gewesen sein, staunten sie bewundernd!" „Oh ja, meine Besessenheit im jahrelangen Training hat sich ausgezahlt Jung´s“ erwiderte sie, warf in der ihr eigenen Art den Kopf zurück und stolzierte die Treppenstufen hoch. Während die beiden Männer noch rätselten  was an dieser Frau so Besonders sei, schloss Ina ihre Wohnungstür auf. Die beiden kleinen Zimmer glichen einem einzigen  Blumenmeer. Rosen wohin man auch sah. Gut und geschmackvoll verteilt zierten sie fast jeden Zentimeter der kleinen bescheidenen Behausung. Ina legte die Rosen in die mit Wasser gefüllte Badewanne und griff nach dem Handy um für Mutter ein Foto zu machen. Schließlich sollte Mom doch die Früchte ihres Erfolges mit genießen. Mutter würde sehr stolz auf sie sein, dessen war sie sich ganz gewiss. Müde schleppte Ina sich auf den Balkon um noch einen letzten Blick auf den Friedhof gegenüber zu werfen. Dort würde sie reichlich ernten können, morgen, nach ihrem grandiosen Auftritt.

© Celine Rosenkind

Nickname 14.04.2012, 17.39

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