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Die steinernen Ostereier



Die steinernen Ostereier
(eine erlebte Geschichte)

Karin war eine energische kleine Person.
Gerade einmal sechs Jahre zählte sie. Ein kleines Mädchen mit schwarzbraunen Haaren, welches trotz allen Widrigkeiten immer ein Lächeln auf den Lippen hatte.
Es ist eben Glücksache, in welchen Schornstein man fällt, meinte sie altklug und versuchte sich damit selbst zu trösten. Es war ja auch sonst niemand da, der es getan hätte.
Recht früh musste sie für die kleinen Geschwister sorgen, weil Mutters beste Freundin eine Whiskyflasche war.
Dass diese immer gut gefüllt war,  gehörte zu Karins obersten Pflichten. Nicht darauf zu achten, wurde recht schmerzhaft bestraft.
Es war wieder einmal Ostersonntag. Einer jener Feiertage, den Karin besonders fürchtete, wusste sie doch, dass der Osterhase auch in diesem Jahr nicht kommen würde.
Auch wenn sie schon ein >großes< Mädchen war, konnte sie nicht begreifen, warum sie und ihre Geschwister immer leer ausgingen.
Kinder wie sie und ihre Geschwister, die solche Verbrecher zu Vätern hätten, würde der Osterhase meiden. So hatte ihr es die Mutter wie in jedem Jahr erklärt. Viel schlimmer als diese Erklärung empfand Karin aber den verächtlichen, fast schadenfrohen Blick auf Mutters Gesicht.
Was mochten denn die Väter bloß angestellt haben? Warum gab es mehr als einen...
Zum Grübeln blieb nicht lange Zeit.
Die kleinen Geschwister zerrten an ihrem Rock und konnten es kaum erwarten, in den Garten zu gehen. Längst drang aus dem Nachbargarten das Lachen und Jauchzen der Spielkameraden herüber.
Stefan und Alexandra hatten kleine Körbchen aufgetrieben und schauten die große Schwester erwartungsvoll an. Oh weh, jammerte ihre Seele!
Was sollte sie bloß den Beiden sagen.
Mit den Kleinen an der Hand lief sie in den Garten. Aufgeregt schauten sie dem fröhlichen Treiben der Nachbarskinder zu.
Es schien fast, als wären es auch ihre Schätze, die beim Suchen dort zum Vorschein kamen.
Karin wünschte sich nichts sehnlicher, als auch so eine kleine, heile Welt.
Angst schnürte ihr die Kehle zu. Wie würden die beiden Geschwisterchen reagieren, wenn sie wieder kein Osternest finden würden? Es musste eine Lösung geben.
Während sie Kleinen noch schauten und staunten, lief  sie zu dem kleinen Steingarten, der vorne am Garteneingang  angelegt war.
Eifrig sammelte sie die kleinsten Steine ein, welche normalerweise als Wegverzierung und Grenzen dienten.
Damit verschwand sie eilig in Großvaters Schuppen.
Mühsam kletterte sie auf die alte, rissige, hölzerne  Werkbank, um an die Farbtöpfe zu gelangen.
Nun hatte sie alles, was sie brauchte.
Kleine, runde Steine und drei Farbeimer. Schwarze, weiße und gelbe Farbe samt einem abgewetzten Pinsel, verwandelten das Grau, wenn auch etwas langsam in bunte >Ostereier!<
Stolz betrachtete die kleine Person ihr Werk und lief  zurück in den Garten.
Dort saßen zwei weinende  Kinder im Gras, um ihr zu erklären, dass der Osterhase einmal  wieder nicht an sie gedacht habe.
Aus dieser Not geboren, begann Karin wohl ihr erstes Märchen zu erfinden.
Sie erzählte, dass dem Osterhasen die Eier ausgegangen wären und deshalb viele Kinder vergeblich gesucht hätten. Sie erfand die Geschichte der bunten Ostersteine.
Ostersteine seien etwas ganz Besonderes, erklärte sie.  Auch bekämen diese nur die klugen Kinder geschenkt.
Denn nur wer einen Stein zu schätzen wisse, würde auch verstehen, wie wertvoll Steine eigentlich sind.
Stefan und Alexandra hingen gebannt an den Lippen der großen Schwester.
Ja, es leuchtete ihnen ein, dass ein Schokoladenhase innen nur hohl sei, während in einem Stein das Leben tobt. Auch, dass man einen Stein vielseitig verwenden kann, wie zum Beispiel zum Bauen von kleinen Staudämmen am Wiesenflüsschen.
Es war das schönste Osterfest, welches die Geschwister miteinander erlebt und gefeiert haben.
Den ganzen Tag über versteckten und suchten sie abwechselnd die bunten Steine.
Auch die Nachbarskinder  gesellten sich dazu und erklärten ihre Schokoladenosterhasen zu langweiligen Gesellen.

Mittlerweile sind die drei Geschwister längst erwachsen. Sie gehen eigene Wege.
Karin aber hat das Sammeln zu einer lieben Gewohnheit gemacht, denn sie glaubt heute mehr denn je, an die Macht der Steine.

Urheberrecht Celine Rosenkind


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Ostern


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Der verliebte Osterhase





Der verliebte Osterhase
ein Märchen von Celine Rosenkind


Der junge Osterhase musste dieses Jahr seinem Vater kräftig zur Hand gehen.
Mutter hatte genug mit den Kleinen zu tun und er, als ältester Sohn, sollte einmal den Betrieb übernehmen.
Nur Lust hatte er gar keine.
Er hoppelte durch den Wald und sah sich mal an, was dieses Jahr so alles an netten Weibchen vertreten war. Er sah viele hübsche Häschen, aber er wollte eine besondere Braut.
Die Schmetterlinge im Bauch waren noch bei keiner Häsin aufgetaucht.
Eines Tages, die Schneeglöckchen hatten gerade ihre Nase durch die Erde gesteckt, kam eine alte Bekannte zu Besuch. Sie war in Begleitung ihrer wunderschönen Tochter Babsi.
Schüchtern sahen die beiden sich an, als sie sich vorgestellt wurden.
In gleichen Moment, als sie den Mut hatten, sich endlich in die Augen zu schauen, da passierte es.
Ihm, Stubsi, wurde schwindelig und sie, Babsi, wurde rot vor Verlegenheit.
Da waren plötzlich diese Schmetterlinge und dieses Ohrensausen. Er mochte den Blick gar nicht mehr von der Hasendame lassen.
Er hatte sich über beide Hasenohren verliebt und ihr ging es genauso.

Mit Erlaubnis der Eltern hoppelten sie an diesem ersten Nachmittag gemeinsam durch den Wald.
Er zeigte Ihr die Gegend und warnte sie vor dem Fuchs und den Hunden.
Sie himmelte ihn aus blauen Augen an. Oft blieben sie stehen, um ihre kleinen Lauscher aneinander zu schmiegen oder ihre Nasen aneinander zu reiben. Sie erzählten sich von ihren Träumen und er sagte stolz:
"Ich werde einmal meines Vaters Nachfolger sein. Ein richtig lieber Osterhase."
Babsi schaute ihn fragend an. "Und wie ist das mit einer Familie und vielen Kindern?",
fragte sie leise. "Ja, dazu muss ich erst einmal die passende Frau finden."
Fleißig und tüchtig müsse sie sein und treu, erklärte er ihr und schaute erwartungsvoll in ihre wunderschönen Hasenaugen.
"Hast du denn schon eine in Aussicht",
fragte sie ihn schüchtern. Er schmunzelte vor sich hin und meinte: "Ja sicher, nur sie weiß es noch nicht." „Ach,“ seufzte Babsi, „wenn ich nur nicht schon verlobt wäre, ja dann.........“
Damit hatte Stubsi nicht gerechnet und es war, als würde man ihm den Boden unter den Füßen wegziehen.
Schon waren alle Träume vorbei und dabei hatte es hatte doch so schön angefangen.
Wie sollte es denn nun weitergehen?
Traurig senkte Stubsi seinen Blick.
Plötzlich schien die Sonne gar nicht mehr so schön und die Welt war wieder ein bisschen dunkler geworden. Ach, wenn er Ihr doch sagen könnte, wie ihm zumute war. Aber typisch Weibchen, dachte er, erst schmusen und flirten. um dann mit der fürchterlichen Wahrheit heraus zu rücken. Zerknirscht hoppelte Stubsi stumm neben Babsi nach Hause.
Als sie zur Höhle herein kamen, sahen die Erwachsenen die Beiden erwartungsvoll an.
Stubsi schaute traurig nach unten und Babsi errötete leicht.
Die Erwachsenen wussten sofort, was los war, hatten sie es doch im Stillen gehofft, dass eines Tages ihre Familien zusammenwachsen würden.

Babsi hoppelte zur Mutter und flüsterte ihr etwas in die Löffel".
So nennt man beim Hasen die Ohren, wisst ihr das eigentlich?
"Sohn“, sprach der Vater,"komm mit mir nach draußen.“  Er als erfahrener Hasenvater wusste Bescheid.
Er kannte seinen Jungen. Traurig erzählte Stubsi, wie sehr er sich in Babsi verliebt hatte. Dass sie jedoch bereits verlobt war und überhaupt, wie traurig er sei.
"Noch ist nicht aller Tage Abend", murmelte der Osterhase vor sich hin.
"Du musst das nicht so eng sehen". Diese Verlobung wurde beschlossen als Babsi kaum zwei Monate alt war!  Nun ist sie groß und ihr Herz wird entscheiden müssen.“
Da war ja noch Hoffnung für Stubsi. Er ballte seine kleinen Pfoten und krempelte die Ärmel hoch. "Die oder keine," sagte er, und ging zu Tante Adele, um sie um die Hand von Babsi zu bitten. Tante Adele sah die beiden jungen Hasen an:
"Ihr wollt wirklich eine Familie gründen?" fragte sie erstaunt.
"Mein Einverständnis habt ihr, nur vorher muss Stubsi noch drei Aufgaben erfüllen"!
Der alte Osterhase nickte bedächtig und gab Tante Adele recht.
Drei Aufgaben, so eine Art Reifeprüfung für das junge Paar.
Ob Stubsi diese drei Aufgaben erfüllen kann, was meint ihr? Welche Aufgaben werden das wohl sein?
Drei Aufgaben sollte er also erfüllen, unser Stubsi.
"Was soll ich tun," fragte er und schaute seinen Vater erwartungsvoll an.
"Ja nun mein Sohn, das wird nicht einfach werden," und dann erzählte er:
"Als erste Aufgabe musst du den Eiermalwettbewerb gewinnen, damit du mein Nachfolger werden kannst.
Zwölf Kandidaten musst du also schlagen.
Als zweite Aufgabe musst du dem Hund Hasso von Förster Rehbein beweisen, dass du schneller und schlauer bist als er.
Die dritte Aufgabe hat es in sich.
Du musst herausfinden, warum Opa Lampe seit Jahren ein geknicktes rechtes Ohr hat.
Das weiß keiner von uns, er behält es als sein Geheimnis."
Das waren also die drei Aufgaben.
“Na ja,” sagte sich Stubsi, so schlimm kann es schon nicht werden.
Er lief zur Babsi, gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze und hoppelte in den Wald.
Dort trommelte er all seine Freunde zusammen.
"Wollt ihr mir helfen", fragte er, „dem Hund von Förster Rehbein mal einen Denkzettel zu verpassen?“
"Oh,“ sagten die Hasen ganz leise, "der ist aber sehr gefährlich."
Dann begannen sie untereinander zu flüstern und zu kichern. Stolz ging Stubsi zum Försterhaus und setzte sich provozie- rend vor Hasso auf die Hinterpfoten. "Na Lust auf Kräfte messen," fragte Stubsi, "mal so einen kleinen Wettlauf mit mir?"
Er kicherte vor sich hin. Das brachte Hasso mächtig in Wut.
"Du weißt wohl nicht, dass ich deinem Großvater das rechte Ohr beinahe abgebissen habe, sonst würdest du wohl kaum so mutig sein," knurrte er. Das war ja ein Volltreffer.
Die schwerste Aufgabe war gelöst.  Stubsi kannte nun das Geheimnis von Opa Lampe.
Er wippte so lange herausfordernd mit seinem Stummelschwanz bis Hasso sich von der Kette riss, um über den Gartenzaun zu springen.
Stubsi rannte, wie er noch nie gerannt war. Immer, wenn der Hund glaubte, ihn erwischt zu haben, tauchte ein freches Hasengesicht hinter dem nächsten Baum auf. Und so rannte Hasso und rannte, bis er erschöpft auf dem Waldboden umfiel. Er war so müde, dass er in einen Tiefschlaf fiel.
Als er erwachte, sah er um sich herum lauter kichernde Hasen sitzen.
Welcher davon war Stubsi?
"Zweite Aufgabe gelöst, danke Jungs, ihr seid echte Freunde” sagte er und hoppelte erlöst und freudig davon.
"Vater," rief er, ich habe schon zwei Aufgaben gelöst und er erzählte alles.
Sein Vater war mächtig stolz auf ihn, das könnt ihr euch wohl vorstellen.
Ja, nur der Opa Lampe war ein bisschen knatschig, weil sein Geheimnis jetzt gelüftet war.
Der Ostereier Malwettbewerb war für Stubsi ein Kinderspiel. Er war so verliebt, dass er die schönsten Einfälle und somit auch die buntesten Eier hatte.
Er wurde zum würdigen Nachfolger für seinen Vater erklärt.
Puh, alles geschafft.
Alle waren zufrieden und nun wurde das Hochzeitsfest vorbereitet.
Stubsi baute eine wunderschöne Höhle und der ganze Wald wurde zu einem riesigen Festzelt.
Andächtig lauschten alle Waldbewohner, während der Dompfaff sie traute.
Von diesem Moment an waren Babsi und Stubsi ein glückliches vereintes Paar.
Längst haben sie schon Nachwuchs, und wenn ihr dieses Jahr durch den Wald lauft, werdet ihr sie bestimmt treffen, die kleinen Hasen.
Also haltet die Augen auf , wenn ihr spazieren geht und vergesst nicht, mir Bescheid zu sagen.




Nickname 29.03.2010, 14.30| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Märchen und Geschichtenfür Ki | Tags: Ostern

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