Mein Wortkarussell

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Thema: erlebte Geschichten

Das Gesicht in der Menge...

Dieser Spätsommer hat es wirklich in sich. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einmal so schön heiß werden würde.
Es ist super auf dem Balkon zu sitzen, zu liegen und den eisgekühlten Drink in der Nähe zu haben.
Toll auch dass eine Dusche oder gar See und Meer in der Nähe sind um für Abkühlung zu sorgen.
Es ist traumhaft aber alles andere als selbstverständlich in unserer heutigen Zeit.
Ich will ja  keinem die Sommerlaune verderben aber bin halt nachdenklich. Frage mich, was in jenen Menschen vorgehen muss, die das nicht haben. Menschen die täglich um dieses edle Nass kämpfen müssen, gar auf der Suche sind, um es zu finden.
Dieses Nachdenken schmälert meine Sommerfreude nicht, sondern macht mir bewusst wie froh und dankbar ich doch sein kann, und wie gut es mir geht. Dankbarkeit ist ein wundervolles Gefühl, löst Freude aus mit vielen Glücksgefühlen, die dann ganz von selbst  in die Seele purzeln.
Diese hell machen und die Augen strahlen lassen.
Als ich am Dienstag mit meinem Mann durch unsere Stadt bummelte, begegnete mir eine Frau, deren Gesicht ich nicht vergessen kann. Sie fiel mir auf in diesem Fußgängergewühl als sie wie wir, ziel gerecht die Eisdiele ansteuerte. Ich habe selten in ein so trauriges aber auch ablehnendes Gesicht geschaut. Elegant gekleidet war sie und so denkt man sich doch, dass es ihr materiell wenigstens an nicht mangeln würde. Aber diese ablehnende  ja fast verächtliche Trauer in ihren Augen wurde von der Mimik in ihrem Gesicht und der Körperhaltung noch unterstrichen~~ ließ sie armselig und bedauernswert wirken.
Es tat mir weh sie zu sehen und ich wäre gerne auf sie zugegangen, hätte mich gerne an ihren Tisch gesetzt um zu erkunden warum.... wäre da nicht auch das Stoppschild in ihren Augen zu lesen gewesen.
Ich trage dieses Erlebnis noch immer mit mir herum, es beschäftigt mich.Es tut mir einfach weh Menschen unglücklich zu sehen.  Ich frage mich dann, wie in diesem Fall, wie kann jemand einen Eisbecher genießen in solch einer Stimmung?  Wüsste gerne was dieser Mensch dabei empfindet.
Ich konnte keine Freude oder Entspannung in diesem Gesicht lesen während das Eis hastig gelöffelt wurde.
Nun ja, wie man lesen konnte ging und geht es mir heute um das Thema Dankbarkeit und Glück.
Ich habe vielleicht etwas konfus geschrieben aber es ist ja auch heiß heute, der Balkon ruft aber ich wollte doch ein paar Gedanken mit Euch teilen....

Mit herzlichen Grüßen in das bevorstehende Wochenende

Nickname 26.08.2016, 18.49 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein besonderer Nachruf

Ich gehöre zu jenen Menschen die Schnittblumen nicht mögen.

Es gab schon öfter ratlose Gesichter um mich herum besonders zu den Kalenderfeiertagen. Muttertage zum Beispiel waren für meine Kinder immer irgendwie problematisch.
Für meinen Mann war und ist es der Jahrestag, Hochzeitstag, Valentinstag und was man sonst so feiert.
Ich liebe Blumen über alles aber eben im Urzustand.

So nur konnte es wohl passieren, dass ich SIE zwar ins Wasser stellte aber weiter nicht groß beachtet habe~~dachte ich jedenfalls!

Es ist morgen auf den Tag genau 14 Tage her dass ich sie geschenkt bekam, die gelbe Rose welche nun verwelkt.
Der Verkäufer unserer Obdachlosenzeitung hat sie mir ganz überraschend in die Hand gedrückt~~ nicht ohne mich in den Arm zu nehmen~~~ein Ausdruck von Freude, die ich irgendwie beglückend empfand.
Sie wird ja eh nicht lange halten dachte ich bedauernd und habe sie nach dem Einkauf in die Vase gestellt. Vase ist gut. Es war ein großes Limonadeglas mit dem sie vorlieb nehmen musste Bei mir gibt es wirklich keine Blumenvase.
Da fristete sie nun ihr Dasein und ich schaute jeden Tag nach ob sie den welken würde.
Sie stand wie eine eins, so sagt man doch. Gewundert habe ich mich wie schön diese Rosenblüte anzusehen war. Sie stand nach einer Woche immer noch, wie frisch gepflückt in eben jenem Glas. Mein Küchendunst schien ihr nichts auszumachen.
Es ist heute wirklich erst drei Tage her als ich die ersten Spuren des Welkens an ihr entdeckt habe. Sie schien müde zu sein und ich wurde nachdenklich wie man unschwer lesen kann.
Ich habe gemerkt, dass ich sie doch öfter beachtet habe, als ich gedacht.  Betroffen habe ich auf diesen Prozess des Verwelkens reagiert. Wie konnte sie nur, sie gehörte doch irgendwie zu mir. War ein schöne Bestandteil meiner Zwergenküche.  Heute habe ich sie , nein nicht, noch nicht in den Biomüll geworfen. Sie liegt auf grünem Moos gebettet zwischen drei kleinen Grünpflanzen in einem meiner Blumenkörbchen. Dort soll sie ausruhen.
Vieles könnte ich jetzt darüber schreiben aber würde Euch wahrscheinlich langweilen und von mir zu viel preisgeben.
Bewusst ist mir jedoch geworden, und dies muss ich unbedingt noch erwähnen, dass ich wohl viel öfter nach Ihr geschaut habe wie ich dachte.
Gefragt habe ich mich auch wie solch eine fast innige Verbindung entstehen konnte.
Bevor ich zu melancholisch werde wünsche ich Euch ganz schnell einen wundervollen Tag.

Sie wird mir noch lange in Erinnerung bleiben diese  geschenkte Rose welche mich fast 14 Tage begleitet hat,
und wer weiß, vielleicht werde ich mir morgen selbst eine neue kaufen.  Schaun wir mal...

©Celine Rosenkind

Nickname 15.08.2016, 17.36 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

In der Vorweihnachtszeit

Vorweihnachtszeit

Weihnachten wird´s, die Lieder klingen,
die Sonnenstrahlen froren längst ein.
Verstummt sind auch die Vogelstimmen
glücklich kann sein ,wer ein warmes Daheim!

Der Weihnachtstrubel hat längst begonnen
Bettler sitzen frierend am Straßenrand.
Hoffend darauf ein paar Cents zu bekommen,
vergeblich wartend auf eine gebende Hand

Festlich geschmückt in Lichter-Glanz
locken die Läden zum Weihnachtskauf ein!
Ich verstehe diesen Trubel nicht ganz
viele Menschen haben weder Essen noch Heim.

Bin auf der Suche nach frohen Gesichtern
mit Vorfreude in dieser Vorweihnachtszeit.
Man hat keine Zeit zu bewundern die Lichter
weil Hektik und Stress die Menschen antreibt.

Mit nur wenigen Euros als kleine Gaben
gestalte ich froh meine Vorweihnachtszeit.
Bücke mich hinab zu jenen die nichts haben,
streichele Hände und verschenke meine Zeit!

Dort finde ich das Leuchten in den Gesichtern
darf die Weihnachtsfreude erleben pur und rein,
und glanzlos traurige Augen werden zu Lichtern,
so sollte es nicht nur zur Weihnachtszeit sein!

© Celine Rosenkind

Nickname 02.12.2013, 14.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der Karpfen Fridolin




Das neue Jahr stand vor der Tür. Doch dieses mal verabschiedete sich das alte Jahr nicht, ohne unsere Silvesterfeier total auf den Kopf zu stellen. Silvester war in der damaligen Zeit ganz anders als wir es in der heutigen Zeit feiern.
In unserem kleinen Dorf habe ich niemals ein Feuerwerk gesehen oder den Krach von Böllern und Raketen erlebt. Damals, in meiner Kindheit, war alles noch ganz anders.
Die Menschen dort hatten immer noch den Krieg im Hinterkopf und Geld für diese Dinge, so wie sie es heute gibt, hätte niemand ausgegeben oder gar haben wollen. Außerdem hatten ja alle Bauern das Vieh und es sollte sich nicht erschrecken. Trotz allem haben wir nichts vermisst und es ging immer richtig lustig zu. Meine kleine Schwester und ich, feierten dieses Fest zum Jahreswechsel, fast immer bei den Großeltern.

Es war am frühen Silvester-morgen, als Großvater zusammen mit mir, und meiner kleinen Schwester zum Karpfenteich ging, um traditionell den Silvesterkarpfen zu fangen. Ich habe das Bild noch immer vor Augen. Großvater hatte einen riesengroßen Karpfen am Angelhaken und alle Bauern gratulierten ihm. Der Karpfen zappelte in einem großen Wassereimer als wir uns auf den Rückweg machten. "Oh ist der groß, und wie er nach Luft schnappt", plapperten wir Kinder ganz aufgeregt. Zu Hause füllten wir Wasser in die Badewanne wobei unsere Begeisterung keine Grenze kannte. Der Bursche war wunderschön und ich versuchte ihn zu streicheln.
Fridolin sollte er heißen und sollte am Abend  von uns verspeist werden? Es dauerte gar nicht lange, und die ganze Familie kniete über dem Wannenrand, um mit Fridolin zu spielen. Wir hatten viel Spaß! Die Großeltern erklärten uns sehr eindringlich, wie wundervoll doch Gott auch die Tiere gemacht habe. Auch wie so ein Fisch lebt und überhaupt...  Ich glaubte Tränen in den Augen meines Großvaters zu sehen, und auch  Großmutters tiefen Seufzer, bevor sie sich wieder auf den Weg in die Küche machte, habe ich noch im Ohr.

Für mich war klar, wir würden abends wundervoll essen, nur nicht Fridolin. Es wurde langsam dunkel und aus der Küche roch es köstlich. Fridolin schwamm gemütlich seine Ehrenrunden in der Badewanne.
Als die Küchenglocke zum Essen rief, wussten wir Kinder, dass wir gewonnen hatten. Einen liebevollen Blick auf Fridolin werfend. gingen wir erwartungsvoll in unsere gemütliche Küche, wo der Tisch festlich gedeckt war~~~mit~~ Wiener Würstchen und Kartoffelsalat. Ich blickte in die gütigen Augen meiner Großeltern und ein Stein, groß wie ein Felsbrocken wird er gewesen sein, fiel mir vom Herzen.
Das war das wundervollste Silvester an welches ich mich erinnern kann.

Wie jedes Jahr um diese Zeit lag der Schnee Meter hoch
Als es kurz vor Mitternacht war, also der Jahreswechsel vor der Tür stand, gingen wir wie immer hinaus auf den Hof, um unseren Nachbarn ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Das hättet Ihr einmal sehen sollen liebe Leser.

Dort hatte mein lieber Großvater aus dem Schnee kleine Burgen gebaut. Darin versteckt, leuchteten  viele Kerzen, die unseren Hof in ein großes Lichtermeer verwandelten. Auch das gehörte in jedem Jahr dazu. Man leuchtete dem alten Jahr nach Hause, bedankte sich für alles was es geschenkt, mit Kerzenschein. Wir schauten zum Himmel, der Schnee fiel, und zusammen mit den Nachbarn auf der verschneiten Straße, sangen und umarmten wir einander.

Was soll das neue Jahr bringen.? Was wünschen wir uns?
Jedes Jahr stellen wir uns doch alle erneut diese Frage. Ich habe mir damals das gleiche wie heute gewünscht; Frieden, Glück und Gesundheit.

Was aus Fridolin wurde wollt Ihr wissen? Dem haben wir, am Neujahrstag, zusammen mit Großvater die Freiheit geschenkt, nur wo, das habe ich niemals verraten.

erzählt nach einer wahren Begebenheit
© Celine Rosenkind

Nickname 09.01.2013, 16.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zeit der Bilanzen

Zeit der Bilanzen

Als ich ein kleines Mädchen gewesen, beobachtete ich neugierig wie Großvater seinen dicken Schlüsselbund aus der Hosentasche zog um mit ernstem Gesicht in der guten Stube zu verschwinden. Großmutter erklärte mir auf mein Fragen hin, dass die monatliche Bilanz fällig sei. Was das war, davon hatte ich zu dieser Zeit noch keine Ahnung. Auch nicht davon, dass es der Anfang eines wichtigen Lernprozesses in meinem Leben  sein würde.
Er schloss sich für einige Stunden ein und Großmutter hielt alles Störende von ihm fern. Wenn es dann aus dem Wohnzimmer tönte; „Emma, du kannst hereinkommen“,  holte Großmutter aus dem Küchenschrank ein kleines Büchlein und verschwand ebenfalls.
Das Lauschen an der schweren Holztür war überflüssig und ein Blick durch das Schlüsselloch
wurde von dem steckenden Schlüsselbart verwehrt. Es wiederholte sich Monat für Monat.
Nun, die Zeit verging und ich  durfte mich Schulkind nennen. Ich liebte die Schule, nur vor dem Weg dorthin hatte ich jeden Morgen aufs neue Angst. Auch vor dem Nachhauseweg denn da wurde ich immer von den Großen aus der 8. Klasse abgefangen. Sie fragten mich Dinge, die ich nicht verstand, und schon gar nicht hätte beantworten können. Immer ging es dabei um meine Mutter und das was sie tun würde. So kam ich auch an jenem Tag wieder mit aufgeschlagenen Knien und Kratzern im Gesicht nach Hause. Großvater stand am Hoftor und schien die Sache beobachtet zu haben. Er  nahm mich wortlos bei der Hand, holte sein großes Taschentuch aus der Hosentasche und wischte meine Tränen ab. Dann holte er seinen großen Schlüsselbund aus der Hosentasche, schloss die Tür zu guten Stube auf und an diesem Nachmittag sorgte Großmutter dafür, dass uns niemand störte. Großvater begann mich in das Geheimnis der Bilanzen einzuweihen.
Er nahm ein großes Blatt Papier, teilte es in der Mitte mit einem dicken schwarzen Strich, und legte es samt einem Bleistift vor mich hin. Ich hatte ihm natürlich erklärt, dass ich nie wieder zur Schule gehen wolle, und mich schämen würde, weil ich doch gar nicht wusste, was die großen Kinder von mir wollten. Viele Dinge wurden mir an diesem Nachmittag erklärt und ich begann zu verstehen.  Was es mit dem Blatt auf sich habe wollte ich wissen, und schaute bestimmt sehr neugierig drein.
Großvater malte über die eine Hälfte des Blattes eine Sonne und auf die andere Seite eine dicke schwarze Regenwolke. Dass dies eine Bilanz werden würde meinte er, und bat mich alles zu nennen, was mir in der Schule Freude bereite. Oh, da ist mir ganz viel eingefallen. Das Lesen, das Schreiben, der Schulchor, und vieles mehr. Alles was ich schön fand haben wir dann auf die Seite unter der Sonne untereinander aufgeschrieben.
Danach musste ich Großvater alles aufzählen, was mich  von dort fern halten würde.
Nein, da kam nicht viel zusammen. Außer meiner Angst vor dem Schulweg ist mir nichts eingefallen, und Großvater schrieb es auf die Seite mit der dicken schwarzen Regenwolke.
„Schau einmal wie lange die Sonnenseite geworden ist“,  meinte er und zog genüsslich an seiner Pfeife. Dagegen war die Regenwolkenseite leer, mit nur einem einzigen Wort bestückt.
Ich erkannte, wie wichtig mir die Schule war, und merkte, dass meine Angst gewichen war. Großvater schloss seinen Sekretär auf und holte ein dickes schweres Buch heraus. Er zeigte und erklärte mir seine Monatsbilanzen soweit mein Verstand das damals begreifen konnte. Ich lernte von stund an vieles zu verstehen. Wie wichtig Bilanzen sind im  Umgang mit Finanzen aber auch. um Probleme des Alltags zu meistern. Bei Unsicherheit, wenn man nicht sicher ist, ob das was man plant auch gut und lohnend ist. Auch im menschlichen Bereich, bei Freundschaften oder in der Ehe!  Um eigene Fehler zu erkennen sind Bilanzen unerlässlich. Nur so kann man selbstkritisch Fehler erkennen und ausbügeln. Diese Bilanzen sorgen,  ordentlich geführt dafür, dass die Schlussbilanz unseres Lebens in allen Bereichen ein gutes Endergebnis aufweist, das war Großvaters feste Überzeugung.
So habe ich an dieser lieben Eigenschaft, Bilanzen zu erstellen, auch in meinem späteren Leben bis heute festgehalten. Mein späteres Leben glich einer Achterbahnfahrt und war nicht immer leicht. Aber so ist unser Leben eben, ein Abenteuer  welches jeder Mensch anders erleben darf.
Ich musste viele Abstriche machen, war oft verzweifelt und ratlos. Jedoch hatte ich auch immer, ein Blatt Papier und einen Bleistift in der Nähe, um dieses leere Blatt Papier zu teilen – in eine Sonnen- und Regenseite. Wenn meine Sonnenseite karger ausfällt wie meine Regenseite, dann ziehe ich die Reißleine. Ich setze mir neue Ziele und vergesse darüber die Regenwolken über meinem Lebenshimmel. Es hat bisher fast immer funktioniert und wenn nicht beginne ich krampfhaft nach dem Fehler zu suchen. Nur nicht aufgeben, auch diese Devise habe ich von meinem Finanz- und Lebensberater übernommen. Nun habe ich die 60 überschritten, bin so alt wie Großvater damals war, als er es mich gelehrt hat und denke mir, es ist Zeit,  diese kleine Wichtigkeit aufschreiben zu müssen.
Ich werde sie weiterführen, meine Tages, Monats und Jahresbilanzen denn ich habe noch viel vor, und risikofreudig wie ich bin, kann immer wieder etwas schief gehen, wenn ich  wieder einmal übereilt handeln will.

© Celine Rosenkind

 

Nickname 27.08.2011, 14.53 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein aufregender Urlaub

Ein  aufregender Urlaub

Es war im Sommer 1979 als wir uns entschlossen noch einmal einen Urlaub in Rumänien zu verbringen. Meine Freundin Florica, die ich das Jahr zuvor dort kennengelernt hatte freute sich riesig auf unser Kommen. Wir waren nach den Aufregungen der letzten 3 Monate wirklich urlaubsreif. Hatte sich doch unsere Hoffnung auf ein weiteres Kind zerschlagen. Ich war mir so sicher schwanger zu sein. Diese ständige Übelkeit, das morgendliche Übergeben und mein Kreislauf spielte auch total verrückt. Doch das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung stimmte mit der Aussage von drei durchgeführten Schwangerschaftstests überein. Niederschmetternd waren alle Ergebnisse - immer nur negativ.
Der Urlaub stand vor der Tür und wir freuten uns auf die Wochen der Erholung. Übrigens war Rumänien zu jener Zeit ein wahres Urlaubsparadies. Wir konnten den Tag der Abreise kaum erwarten.
Damals stand sie noch, diese hässliche Mauer in Berlin. Um nach Rumänien auszufliegen mussten wir zum Flughafen Schönefeld und dieser lag in der damaligen DDR.
Ein Zubringerbus ermöglichte es uns West-Touristen, so nannte man uns.
Nun konnte es endlich losgehen. Erwartungsvoll schauten wir mit unserer kleinen Tochter Susanne durch das Fenster unseres Flugzeugs. Als wir endlich gelandet waren, wurde es bereits dunkel. Mit dem Bus ging es dann zu unserem Urlaubsziel. Wie groß war die Freude unsere rumänischen Freunde wiederzusehen und das Meer welches direkt vor unserem Hotel
auf uns  zu warten schien.
Ein Abendspaziergang war unerlässlich. Wir zogen unsere Schuhe aus um den Sand zwischen den Zehen zu spüren. Es war einfach herrlich bis...
Plötzlich schien der Sand unter meinen Füßen lebendig zu werden. Ich war auf etwas weiches und jaulendes getreten. Erschrocken traten wir spontan ein paar Schritte zurück.
Vor uns, kaum von der Farbe des Sandes zu unterscheiden, lag ein kleines Fellbündel.
Große vorwurfsvolle Augen schauten uns an und ich bückte mich neugierig um dieses Etwas näher zu betrachten. Vorsichtig hob ich es ganz behutsam hoch. Das kleine Wesen war ein ganz junger Welpe, ein sandfarbenes Hundebaby. Wortlos und erstaunt schauten wir uns  beide an, das Fellknäuel und ich. Es war Liebe auf den ersten Blick. Für mich stand ohne Überlegung fest, dass ich es nie wieder hergeben würde. Ich sah es ein wenig als Wiedergutmachung für das vergebliche Hoffen der letzten Monate.
„Nun haben wir doch ein Baby“, sagte ich zu meinem Mann. Dieser aber schien wenig begeistert. Seine Überlegungen, wie man einen kleinen Hund in unserem Hotel aufnehmen würde und wie wir ihn nach Deutschland, ja sogar über die Grenze bekommen sollten, waren sehr realistisch und nicht von der Hand zu weisen.
Als mein Göttergatte mir dann noch erklärte, ich solle das alleine lösen, war ich versucht aufzugeben, bevor alles richtig angefangen hatte.
Ich bat ihn, meiner Freundin doch im Hotel Bescheid zu sagen in der Hoffnung, sie würde ein Lösung finden helfen. Florica konnte mich verstehen. Allerdings musste sie mir mit Tränen in den Augen erklären wie teuer es sein würde die notwendigen Quarantäne und Ausfuhrpapiere  zu beschaffen. Es erwies sich als vorteilhaft dass ich meine eigene Urlauskasse dabei hatte.
Der Hotelmanager hatte gegen eine Stange West - Zigaretten nicht dagegen, dass Scumper, so hatte Florica ihn getauft, in unserem Hotelzimmer wohnte. Während mein Mann mit unserer Tochter das tägliche Strandleben genoss, fuhr ich mit einer rumänischen Familie quer durch das Land um die notwendigen Papiere zu besorgen. So lernte ich die Herzlichkeit  und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung kennen. Ich sah all das, was für uns Touristen eigentlich nicht gedacht war. Wie bescheiden diese Menschen lebten. Dagegen erschien mit der Luxus in unserem Hotel ungerecht und übertrieben. Damals lernte ich dieses Land mit seinen Menschen lieben. Sie halfen mir eine Tierärztin zu finden welche mein Anliegen verstehen konnte. Ob sie es nur wegen der begehrten D-Mark tat, sei dahingestellt. Meine kleine Reserve war fast aufgebraucht aber ich hatte endlich die notwendigen Papiere. Sogar die notwendige Milch und das Milchpulver welches ich brauchte um meinen Hund satt zu bekommen  konnte ich noch bezahlen. Florica schenkte ich fast alle meine mitgebrachten Jeans  als Dank für ihre Hilfe.
Ich war müde und erschöpft aber unheimlich glücklich. Viel hatte ich lernen und erfahren dürfen in diesen Wochen. Der Urlaub neigte sich dem Ende zu.
Mann und Kind waren braungebrannt vom Strandleben. Sie bewunderten meine Ausdauer, hatten meine Abwesenheit wohl nicht als störend empfunden.
Bevor wir wieder die Koffer packen mussten gab es vom Reiseveranstalter noch ein großes Kinderfest.  Mit meinem kleinen vierbeinigen Freund auf dem Arm, feuerte ich Susanne beim Tauziehen an---es war das letzte was ich sah, bevor es dunkel um mich wurde.
Ich erwachte in der Poliklinik. Mein Mann und drei Ärzte standen um mein Bett.
Alle schüttelten verständnislos den Kopf.
„Junge Frau, was haben sie bloß für Ärzte in Deutschland“, fragte mich ein älterer Mann im weißen Kittel während mein Mann mich anstrahlte.
„Da habt ihr in Berlin die teuersten Ultraschallgeräte und meine Kollegen dort können nicht einmal eine Zwillingsschwangerschaft feststellen.“ Das war wirklich zuviel für mich. Ich erfuhr, dass ich bereits im vierten Monat schwanger war. Ich hab’s doch gewusst jubelte ich und fiel dem Arzt spontan um den Hals. Dieser drückte mir ein Attest in die Hand und erklärte mir, dass ich in der ersten Klasse zurückfliegen dürfe.
Das war wahrlich ein schöner Urlaub. Ein Urlaub voller Überraschungen, den ich niemals vergessen werde.

© Celine Rosenkind



Nickname 24.07.2011, 11.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die kleine Nonne




Die kleine Nonne
Eine wahre Begebenheit

Es war an einem jener grauen Novembertage, die ich eigentlich so liebte.
Der Regen trommelte leise an die Scheiben, während der Wind ungeduldig
und erbarmungslos den Bäumen das letzte verwelkte Laub entriss.
Zu dieser Zeit lag ich im Krankenhaus und teilte mir das kleine Zimmer
mit zwei liebenswerten alten Damen. Es war ein katholisches Krankenhaus, in welchem die größte Anzahl der Schwestern noch aus Nonnen bestand. Stets waren sie gut gelaunt und zum Scherzen aufgelegt.
Die Arbeit auf dieser Station erforderte viel Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen, was ihnen aber nichts auszumachen schien.
Eine der Nonnen fiel mir besonders auf, ja ich habe mir sogar ihren Namen gemerkt. Sie hieß Ludovika und war schon hochbetagt. Ihr Rücken war durch das hohe Alter und die schwere Arbeit leicht gekrümmt und sie war von zierlicher, kleiner Statur.
Wenn sie über den Gang huschte an unserem Zimmer vorbei, war es immer ein leichter Windhauch, der uns wissen ließ, dass sie da gewesen.
Sie hatte wunderschöne Augen, aus denen so viel Liebe und Güte strahlten, wie ich es noch nie bei einem Menschen gesehen. Niemals redete sie mit den Patienten, ohne dass ihre kleinen Hände tröstend deren Körper streichelten. Sie war für mich ein Wunder und ist es immer noch.
Das Allerschönste, was sie besaß, war eine glockenhelle Stimme, die sie - wann immer ihr danach war - erklingen ließ. Keiner konnte das Ave Maria so schön singen wie sie. Lustige Volkslieder wurden durch ihre Stimme zum Choral.
Ich habe, so oft es ging, mit ihr geredet. Wir sprachen über Gott, über Jesus, dem sie ihr Leben bereits als junge Frau geweiht hatte und über ihr Leben als Nonne. Sie hat mich tief beeindruckt und mir Weisheit mit auf meinen Weg gegeben. Wir waren zwar lt. unserer Taufe in unterschiedlichen Kirchen aber im Glauben eins.
Stolz trug sie ihre immer gut sitzende schwarze Tracht, aber sie war sehr weltlich und offen. Ihr Wissen um das Thema Politik, Arbeitslosigkeit usw. bewies, dass auch solche Menschen durchaus nicht weltfremd sind. Was sie für mich zu einem besonderen Menschen machte, war aber ihre Einstellung zu Partnerschaft  und Liebe, Kindern und Eltern. Sie redete nicht nur, sie strahlte jene Liebe aus, die ich so gerne mit vollen Händen verteilen möchte.
Neulich musste ich noch einmal in die Klinik, um meine Befunde abzuholen. Was glaubt Ihr wohl, wer da ganz stolz am Empfang saß und mit leuchtenden Augen den Menschen Auskunft erteilte? Meine "kleine Nonne". Sie zwinkerte mir zu und sagte: "Nun hat der Herrgott mir einen neuen Wirkungskreis gegeben, denn hier habe ich alles im Auge - ich sitze am Empfang!"

Vielleicht wird sie mir eines Tages, wenn meine Erdenzeit vorbei ist, auch mit ihren leuchtenden Augen Einlass gewähren, weil sie ganz bestimmt auch dort am Empfang genau richtig ist.
Diese kleine Begebenheit ist für manche, denke ich, nicht so wichtig - bei mir aber hat sie tiefe Spuren hinterlassen, und ich muss schmunzeln, weil ich sie wieder vor mir sehe meine „kleine Nonne“!

Urheberrecht Celine Rosenkind

Nickname 21.01.2010, 19.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Viel Freude beim Lesen und Schauen


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An meinem Lebensufer schreibe ich über alles was mich in meinem Alltag bewegt, kleine Begebenheiten die  sich nicht in Reime pressen lassen. Hier schreibe ich direkt aus dem Bauch, frei weg unter dem Motto; dem Leben über die Schulter geschaut, ganz ICH, ganz ohne Schnick-Schnack; Celine pur



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Meine neuen Kinderseiten beherbergen das Buchwussel sowie Geschichten und Märchen... Zwar brauche ich noch ein wenig Zeit alles auszupacken aber
vorbeischauen lohnt sich bestimmt. Auch hier lade ich zum lesen ein...



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